Archiv für Juni 2008

Den Pfad wiedergefunden: Antisemitismus „hier und jetzt“.

Kommentar zum Text „Verlorener Pfad – zerrissenes Band“ in „Hier&Jetzt“ Nr. 8 (Herbst 2007) von Gerry Hofmann. Von M. W. Alle kursiv und in Anführungsstriche gesetzten Stellen aus dem Originaltext. November 2007.

Es verwundert auf dem ersten Blick in der Tat etwas, dass sich in einer ausgewiesenen Nazi-Postille wie der Zeitschrift „Hier&Jetzt“ eine positive Rezension zu einem Werk namens „Buch der Erinnerung. Juden in Dresden. Deportiert, ermordet, verschollen. 1933-1945“ findet – einem Buch, welches dem Leben jüdischer Menschen und ihrem Schicksal im Nationalsozialismus gewidmet ist. Bei der Lektüre des streng in der literarischen Form eines Achte-Klasse-Schulaufsatzes geschriebenen „Buchtipps“ wird allerdings überdeutlich, dass das neue Interesse von Nazis an der jüdischen Geschichte so neu eigentlich nicht ist, die Beschäftigung mit den Opfern von Auschwitz nicht etwa diesen gilt, sondern allein eine regressive negative „Vergangenheitsbewältigung“ zum Zweck der Fortführung des eigenen antisemitischen Wahns darstellt. (mehr…)

Another world is not possible!

Warum eine platte „Teilnahme“ an den Anti-G8-Aktionen in Heiligendamm 2007 nicht möglich ist – und warum es doch sinnvoll sein kann, hinzufahren. Flugblatt der Gruppe Black Monday, Mai 2007

Es gibt wohl kaum ein Ereignis dieses Jahres, welches derartig lange Schatten vorauswirft wie die vom 6. bis 8. Juni in Rostock-Heiligendamm staffindende jährliche Konferenz der Staatsoberhäupter der „Gruppe der sieben großen Industriestaaten plus Russland“ (G8). Zählt die G8 doch – neben Weltbank, Internationalem Währungsfond (IWF) und Welthandelsorganisation (WTO) – zu denjenigen Organisationen, deren Tagungen spätestens seit den Riots von Seattle vor acht Jahren weltweit von massiven Protesten begleitet werden.
Dementsprechend hat sich auch diesmal eine – in diesem Ausmaß für Deutschland in letzter Zeit wohl einmalige – Protestbewegung gebildet, welche von einem breiten Bündnis absolut verschiedenster Gruppierungen und Organisationen getragen wird. Allein die Ablehnung des G8-Gipfels und das Vorhaben, ihre (ansonsten wie auch immer geartete) Kritik daran praktisch – ob als Demonstration, Gegengipfel, Blockade- oder Störversuch – zu manifestieren, vereint sie.

Wir halten eine derartige Praxis für äußerst problematisch. Das beginnt damit, dass das, was sich in Heiligendamm als radikale Kritik präsentieren will, einen zutiefst affirmativen Charakter trägt. Von allen Seiten soll dem weltweit kollabierenden Kapitalismus noch einmal „auf die Beine“ geholfen werden, wobei es dabei natürlich keine Rolle spielt, ob sich diese Versuche als „antikapitalistisch“ missverstehen oder nicht. Sämtliche reaktionären Uralt-Kamellen falscher, immanenter (Kapitalismus-interner) Gesellschaftskritik und kleinbürgerlicher Utopien feiern ihr fröhliches Stelldichein: Tauschringe, „fairer Handel“, Schuldenerlasse, „Demokratisierung“ internationaler Organisationen, Re-Politisierung wirtschaftlicher Entscheidungen, „Soziales Europa“, Kampf der „unterdrückten Völker“ gegen die „Ausbeutung“ durch den Westen, Kontrolle und Besteuerung der globalen Finanzströme – um nur einige zu nennen.
Vom Standpunkt der radikalen Kritik aus gesehen ist diese bemitleidenswerte Flut von obskuren Pseudo-Alternativen zur jetzigen Welt-Vergesellschaftung bloß rückwärtsgerichtet und schlecht-immanent. Im Hintergrund steht ein sie alle übergreifendes Tabu: das Wesen der modernen Gesellschaft, die patriarchale Warenproduktion, darf auf keinen Fall angetastet werden. Dementsprechend ist ihnen auch gemeinsam, dass sie den momentanen Zustand kapitalistischer Negativ-Vergesellschaftung fundamental verkennen müssen. (mehr…)

Neue Website!

Herzlich willkommen auf der Website der Gruppe »Black Monday« aus Dresden. Hier findet ihr von der Gruppe oder einzelner ihrer Mitglieder verfasste Flugblätter und Texte veröffentlicht und archiviert. Zuschriften sind sehr willkommen, siehe Seite „Kontakt“!

Gruppe Black Monday, Juni 2008