Die Kritik des Stachels

Gegen Martin Dornis, die antideutsche Ideologie, und ihre linken Adepten.

„Heute löken die meisten mit dem Stachel.“
– Theodor W. Adorno, Minima Moralia

Der folgenden Artikel entstand anlässlich der Einladung des wohl dümmsten aller antideutschen Nachwuchs-Ideologen – Martin Dornis – zu einem Vortrag zur „Kritik des Poststrukturalismus“ durch den Vorbereitungskreis des „Café Negation“ in Dresden. Trotz ausführlicher Gespräche und Darstellungen waren die Leute vom Café Négation nicht davon zu überzeugen, der geistigen Niete Dornis die Möglichkeit für die Darstellung seiner zusammengebastelten Ideologie zu verweigern. Dies ist Anlass genug, nicht nur den Inhalt der antideutschen Ideologie am Beispiel des verleumderischen und unwahren Geschwätzes von Dornis darzustellen, sondern auch das Verhältnis derselben zu ihrem Szene-Publikum zu beleuchten.

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Der Zustand der antideutschen Ideologie heute heißt Martin Dornis

Wollte man den desolaten geistigen Zustand der antideutschen Ideologie heute beschreiben, so genügte in jeder Hinsicht der Verweis auf ihre neueste Koryphäe: einen Herrn namens Martin Dornis, ehemaliger Philosophie-Student und heute bescheiden erfolgreicher „freier Autor“ aus Leipzig. Innerhalb der intellektuell seit jeher auf den Hund gekommenen antideutschen Szenesuppe hat sich Dornis offenbar einen Namen erworben durch mehrere haarsträubende Traktate gegen Poststrukturalismus, Antirassismus, Queerfeminismus und Wertabspaltungskritik, welche nach Ansicht dieses selbsternannten „Kritikers“ eine Repetierung oder Fortsetzung des deutschen Nationalsozialismus – natürlich Seite an Seite mit dem Islamismus – darstellen sollen.

Das wirre Geschriebsel Dornis‘ ist eigentlich zu blöd, um sich ernsthaft damit auseinandersetzen zu müssen. Es ist ein unkreativ-mechanisches Amalgam aus geschichtsverdrehenden Lügen, identitätslogischem und undialektischem Denken, falschen Zuschreibungen und rein assoziativen falschen Analogieschlüssen. Formal und inhaltlich steht diese Ideologieware außerhalb jeder Tradition kritischer Theorie seit Marx. Der traurige Grund, näher auf Dornis eingehen zu müssen, ist daher nicht der Gehalt seiner Thesen (welcher nicht existiert), sondern allein sein sich vermassendes Jung- und Dummvolk: grau gewordene linksalternative Soziologie- und Philosophie-StudentInnen Mitte Zwanzig, welche leider zu spät zu kommen drohen, um ihre Erfüllung szenegemäß in Beruf, Kleinfamilie und den verschiedenen Verlaufsformen des linksdeutschen Spießertums zu finden. In ihrem durchsichtigen Versuch, ihrer eigenen Inkompetenz doch noch irgendeinen identitären Mehrwert abzutrotzen, möchten sie sich mit dem falschen Gestus radikaler Kritik und Negation schmücken; in der Folge verstellen und verzerren sie Begriff und Inhalt von dem, was heute dringend notwendig wäre: die radikale und rücksichtslose Kritik der Grundlagen des Krisenkapitalismus und seiner fetischistischen Aufklärungsvernunft. Darin besteht das eigentliche Ärgernis, welches es leider notwendig macht, sich mit dem antideutschen Lügner Dornis zu beschäftigen.

Das Märchen von der Erfindung des Kapitalismus

Die verschämte legitimatorische Grundlage seiner ideologischen Glaubenssätze ist das lahme Konstrukt einer Aufteilung der kapitalistischen Geschichte in drei Epochen1: am Beginn der bürgerlichen Gesellschaft stünde „das sich begründende männliche Subjekt“2: „In der Form des Subjekts unterwirft das Individuum seine Triebe der Selbstbeherrschung und begründet sich [!] als identisches Wesen, individuiert sich überhaupt erstmalig, setzt sich [!] als ein sich in der Zeit durchhaltendes, einheitliches und einzigartiges Wesen.“3 Aber nicht genug damit, dass sich das bürgerliche Subjekt in diesem hanebüchenen aufklärerischen Geschichtsmythos an den eigenen Haaren aus dem Sumpf der vormodernen Herrschaftsverhältnisse ziehen soll; das war erst der Anfang, denn „das Subjekt […] begründet damit zugleich […] die modernen versachlichten Formen von Herrschaft“4, also Wert und Staat, ja, das sich selbst „setzende“ Subjekt zieht als nächstes noch sein ganzes Pferd mit aus dem Sumpf! Wie dieses kleine Schöpfungswunder hätte geschehen sollen, darüber kann und will der Leipziger Lügenbaron natürlich nichts sagen (und sein Geraune, dass dies irgendwie mit dem männlichen Charakter dieses Subjekts und der „Frauenunterwerfung“5 verbunden wäre, erklärt hier überhaupt nichts, doch dazu weiter unten).

Nachdem das bürgerliche Subjekt sich auf märchenhafte Weise vermittlungslos selbst „gesetzt“ hätte, „stieß es Emanzipationsprozesse in Gang, die immer größere Bevölkerungskreise in ihren Bann zogen und zunehmende Möglichkeiten für die Gestaltung des menschlichen Lebens schufen.“6 Doch die Freiheit des bürgerlichen Subjekts in dieser zweiten Epoche war „nur Schein, hätte aber durch einen revolutionären Umbruch […] verwirklicht werden müssen.“7 Ganz getreu der klassischen dramatischen Dichtung, die Dornis hier als Muster seiner Erzählung verwendet, kommt es nun in der dritten Epoche zum Klimax: „Ende des 19. Jahrhunderts erlitt die kapitalistische Produktionsweise […] einschneidende Veränderungen. […] Unter Konstituierung einer zweiten Natur bildete sich ein organischer Kapitalismus heraus“8, welcher laut Dornis gekennzeichnet ist durch Massenorganisationen, Monopole und Trusts.9 Es folgt die Katastrophe: „aufgrund des ausbleibenden Bruchs mit der versachlichten Herrschaft kam es zum Verfall des Subjekts […] Jegliche befreienden Momente, die es einst enthielt, wurden zerstört.“10 Was daher für Dornis heute übrig bleibt, ist die Verteidigung von „Individualität in Zuständen, die keine solche mehr zulassen.“11

Eine solche Märchengeschichte mag zur identitären Erbauung und ideologischen Selbstvergewisserung des linken Adeptenpublikums dienen, wahr ist daran allerdings kein Körnchen.12 Tatsächlich ist die spezifisch moderne Form des menschlichen Selbstverhältnisses, als „Beherrschung innerer und äußerer Natur“13 zum einen keinenfalls damit zu verwechseln, dass der Mensch erstmalig in der Moderne als Individuum aufgetreten wäre, wie dieser Geschichtsmythos es unterstellen will.14 Zum anderen aber entstand diese fetischistische Subjektform nicht durch vermittlungsloses (und logisch unmögliches) Sich-Selbst-Setzen der bürgerlichen Subjekte in der abstrakten Zeit, sondern war das Ergebnis eines alle gesellschaftlichen Ebenen umfassenden Umwälzungsprozesses im Übergang des Feudalismus zur Moderne. Wesentliche Momente dieses Prozesses waren der Übergang des bisherigen religiösen in einen säkularisierten Fetischismus im Rahmen der protestantischen Ethik und der Aufklärung, die Gewaltorgien der Kreuzzüge und des frühen Kolonialismus, sowie die gewaltförmig durchgesetzte kapitalistische Produktionsweise mit ihren enclosures, den Arbeitslagern und der Fabrikdisziplin. Das bürgerliche Subjekt ist damit das gerade Gegenteil der Dornis’schen „Möglichkeit von Freiheit, Autonomie, Glück, Liebe“,15 und nichts als die zwanghafte Unterwerfung unters Fetischprinzip der Wertabspaltungsvergesellschaftung. Es ist das ordinäre Arbeits-, Zirkulations-, Rechts- und Abspaltungssubjekt, dem der antideutsche Ideologe „befreiende Momente“16 andichten will, und für welche er die Realität des bürgerlichen Zwangs- und Gewaltsubjekts zu einer abstrakten Selbstsetzung entwirklichen muss.

Schöner kritisieren ohne Kapitalismuskritik

Bezeichnend für die dargestellte Dornis’sche Geschichtsphilosophie ist der Fakt, dass der kapitalistische Produktionsprozess (die Verausgabung abstrakter Arbeit zum Zweck der Wert- und Mehrwertproduktion) in diesem Geschichtskonstrukt überhaupt nicht vorkommt. Im ersten Dornis’schen Geschichtsakt, der „Setzung“ des Kapitalismus als Nebenprodukt der vermittlungslosen und wunderbaren Selbstsetzung des bürgerlichen Subjekts, spielte der Kapitalismus logischerweise noch keine Rolle. In der folgenden phantastierten Glanzzeit des liberalen Kapitalismus im 18. und 19. Jahrhundert soll es dann zwar aufgrund der ebenfalls durch das Subjekt begründeten „versachlichten Formen von Herrschaft und Unterwerfung“17 nur den „Schein von Freiheit und Autonomie des Subjekts“18 gegeben haben; was aber mit dem abgeschmackten Hohlbegriff der „versachlichten Herrschaft“ gemeint sein soll und was daraus folgen würde – dazu findet sich bei Dornis nur vielsagendes Schweigen. Die Verfallsepoche sodann definiert sich gerade nicht über die Vermittlung durch den Wert, sondern durch die Auflösung dieser Vermittlung: „Seine immanente Dynamik treibt das Identitätsprinzip [d.h., die Wertform] in deutscher Konsequenz [!] zur Zerstörung seiner selbst [!]. Wird die innere Spannung der bürgerlichen Gesellschaft nicht mehr ausgehalten, die Vermittlung kassiert, so weitet sich das Identitätsprinzip zur Totalität aus.“19 Damit aber, so lernt man bei Dornis, wäre eine Gesellschaftsformation neuer Ordnung entstanden: „Nicht in erster Linie Herrschaft und Ausbeutung, sondern Kastration, Angst und Tod [!] sind die Basiskategorien der neuen Gesellschaft.“20 Die „Aufgabe materialistischer Gesellschaftskritik“ wäre es demnach ausgerechnet, „die Versachlichung [also Wert und Subjekt] gegen ihre barbarische Auflösung zu verteidigen.“21 Der Wert kommt dem antideutschen Maulhelden und seiner „materialistischen Kritik“ pikanterweise erst an der Stelle in den Sinn, an der er gegen seine angebliche Zerstörung verteidigt werden müsse.

Das ganze ist natürlich wieder ideologischer Unfug allerdümmster Sorte; genausowenig wie das Subjekt sich abstrakt-mythisch selbst „setzte“, ebensowenig führte die Wertform ausgerechnet während des liberalen Kapitalismus irgendwie ein Schattendasein; vielmehr herrschte sie während dieser Epoche der gesamten Gesellschaft ihren fetischistischen Selbstzweck auf – gesellschaftlich vermittelt durch intensive und extensive Ausdehnung der Wertverwertung und flankiert von staatlichem Terror. Die folgende angebliche Selbstzerstörung des Identitätsprinzips ausgerechnet qua Naturalisierung ist schon logisch überhaupt nicht möglich (denn eine Identität zwischen Nichtidentischem kann es, das sollte Dornis doch wissen, ohne Vermittlung nicht geben); darüberhinaus ist dieser antideutsche Mythos, dass der NS irgendetwas anderes als Kapitalismus gewesen sein soll, analytisch unhaltbar und tausendfach widerlegt.22 Die ganze nicht sonderlich einfallsreiche Konstruktion ist im Kern nichts anderes als ein schnödes Ausspielen verschiedener, ideologisch verdinglichter Aggregatzustände des Kapitalismus gegeneinander.

Der „Kommunismus“ der idealisierten bürgerlichen Gesellschaft

Dornis‘ ideologische Unfähigkeit, den Kapitalismus zu kritisieren, setzt sich fort in seiner Bestimmung des „Kommunismus“. Glaubte man dem antideutschen Ideologen, so hätte Marx in seinem „Programm zur Abschaffung der kapitalistischen Gesellschaft“ nämlich der versachlichten Herrschaft „die völlige Freiheit des Individuums“ (!) entgegengesetzt: „alle Verhältnisse sollen abgeschafft werden, in denen der einzelne [!] immer noch ein unfreies [!] Wesen ist.“23 Wenn man das so liest, man könnte glatt glauben, die Marx’sche Kritik der Politischen Ökonomie sei nichts anderes gewesen als eine mit revolutionärem Pathos aufgeladene Version des FDP-Parteiprogramms! Man lasse es sich auf der Zunge zergehen: Marx vertrat die völlige Freiheit des Individuums! Wir wollen den alten Trierer selbst zu dieser lachhaften Idee Stellung nehmen lassen. Aus seiner Schrift „Zur Judenfrage“:

[…] das Menschenrecht der Freiheit basiert nicht auf der Verbindung des Menschen mit dem Menschen, sondern vielmehr auf der Absonderung des Menschen von dem Menschen. Es ist das Recht dieser Absonderung, das Recht des beschränkten, auf sich beschränkten Individuums. [] Die praktische Nutzanwendung des Menschenrechtes der Freiheit ist das Menschenrecht des Privateigentums. [] Das Menschenrecht des Privateigentums ist also das Recht, willkürlich [], ohne Beziehung auf andre Menschen, unabhängig von der Gesellschaft, sein Vermögen zu genießen und über dasselbe zu disponieren, das Recht des Eigennutzes. Jene individuelle Freiheit, wie diese Nutzanwendung derselben, bilden die Grundlage der bürgerlichen Gesellschaft.“24

Peinlich für Dornis, denn das, was er uns als Ziel des Kommunismus verkaufen möchte: die Idee einer völligen, unbeschränkten Freiheit des Individuums, zeigt Marx als eine der grundlegenden Ideologien der bürgerlichen Gesellschaft auf – einer Gesellschaft also, in der die Individuen ganz auf sich selbst gestellt und auf die ihnen eigenen Revenuequellen (Lohn, Profit, Rente) zurückgeworfen sind und in der allgemeinen Konkurrenz des Marktes ihre Zwecke gegeneinander durchzusetzen suchen müssen: in eben jener Sphäre von „Freiheit, Gleichheit, Privateigentum“ 25 genießt jedes (noch so gemeingefährliche) Bedürfnis völlige Freiheit – aber auch nur, solange es durch entsprechende Zahlungsfähigkeit gedeckt ist! KommunistInnen streben stattdessen eine Gesellschafts- und Produktionsweise an, in der „die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist“26 – eine Gesellschaft also, deren Grundlage nicht die individuelle Freiheit, das heißt, die uneingeschränkte Verfügung der isolierten Monade über das Privateigentum, ist, ohne Beziehung auf andre Menschen, unabhängig von der Gesellschaft“, sondern: die gemeinschaftliche Verfügung über die Produktivkräfte und damit die kollektive, bewusste Bestimmung der Menschheit über ihren gesellschaftlichen Lebensprozess.

Weiter bei Dornis:

Marx hielt der kapitalistischen Gesellschaft vor Augen, dass sie ihr Glücksversprechen [!] nicht einlöste, dass Herrschaft und Ausbeutung nur dem Scheine nach beseitigt sind.“27

Lieferte die liberale Ideologie das Modell für die Kritik der Gegenwart, so soll der utopische Sozialismus das für die Zukunft liefern ausgerechnet der utopische Sozialismus, den die Begründer des „wissenschaftlichen Kommunismus“ für immer in die Mottenkiste verbannen wollten: Hayek und Fourier statt Marx und Engels.

Zu der albernen linken Methode, die Ideale der bürgerlichen Gesellschaft „pursuit of happiness!“, „liberte, egalite, fraternite!“ usw. usf. – gegen die unangenehme Realität der Verhältnisse auszuspielen, die doch ihre materielle Grundlage bilden, hat Marx schon alles notwendige geschrieben,28 wir wollen uns nur kurz zu dem der US-amerikanischen Unabhängigkeitserklärung entnommenen Glücksversprechen, dem deutsche Linke neuerdings einen quasi kommunistischen Inhalt andichten, äußern. Dieses bezeichnet nämlich keineswegs irgendein – auch nur ideelles – Anrecht auf Bedürfnisbefriedigung, sondern nichts weiter als die allseits bekannte Phrase, dass doch jeder „seines eigenen Glückes Schmied“ sei, soll heißen: im Hauen und Stechen der kapitalistischen Konkurrenz muss jeder selber sehen, wo er bleibt, und verfügt über keine anderen Mittel zur Reproduktion seiner selbst als die, die ihm von (erster und vor allem zweiter) Natur aus zukommen. Für den Großteil der Bewohner dieses Planeten erschöpfen sich diese Mittel bereits in ihrer Arbeitskraft, die sie zum Zwecke der Vermehrung fremden Geldreichtums auf dem Arbeitsmarkt feilbieten müssen – und dass so ein Geschäft selten Glück verspricht, die Erfahrung mag auch schon der eine oder andere „materialistische Ideologiekritiker“ gemacht haben.

Arbeiterstaat Israel?

Geht es um die im Staat Israel vorgeblich angelegten Momente der menschlichen Emanzipation, ist man seitens antideutscher „Kritiker“ ja schon an einiges an Unsinn gewöhnt. Man denke z.B. an die Analogie der Freiburger isf im Jahre 2002 zwischen dem spanischen Revolutionär Buenaventura Durruti und dem ehemaligen Ministerpräsidenten Israels, Ariel Sharon, der überhaupt „am Kommunismus näher dran“ sei als seine Kritiker29. Leider ist unser Herr Dornis für diese goldene Zeit der „Ideologiekritik“ zu spät gekommen, und daran wird’s wohl auch liegen, dass er zum Thema noch pompösere Gedankenblitze nachlegen muss, um das Publikum mitzureißen. Man lese und staune:

Israels Agieren ist einer der wenigen Fälle, in denen Politik im bürgerlich-emphatischen Sinne noch existiert. Genau in diesem Sinne ist Israel wirklich der „Vorschein des Kommunismus“, insofern die verwirklichte befreite Gesellschaft auf bürgerlicher Versachlichung gründet und diese ein Vorschein des Kommunismus ist.“30

Also nicht nur – so damals die isf – „Versuch der Juden, den Kommunismus lebend zu erreichen“, nein: Israel ist gar Vorschein des Kommunismus!

Eine steile These, und man fragt sich schon, was diese eigentlich stützen soll: herrscht in Israel denn kein „organischer Kapitalismus“31 mit den laut Dornis so verheerenden Auswirkungen aufs bürgerliche Subjekt? Gibt es in Israel denn nicht auch PoststrukturalistInnen und ähnlich barbarische „subjektlose Menschen“32 in den Gesellschaftswissenschaften? Oder woran soll es sonst liegen, dass dort, so Dornis, die bürgerliche Subjektivität ein so hohes Mindesthaltbarkeitsdatum genießt?

Es wäre Aufgabe materialistischer Staatskritik, die Widersprüche herauszuarbeiten zwischen dem Begriff bürgerlicher Staatlichkeit in ihrem idealen Durchschnitt auf der einen und der besonderen Bestimmung Israels auf der anderen Seite: einmal Israel als ganz normal funktionierender bürgerlicher Staat, das heißt als „ideeller Gesamtkapitalist“, der das nationale kapitalistische Gesamtinteresse in Innenpolitik verwaltet und nach außen hin in der Geopolitik durchsetzt, aber zugleich die Geschichte des Zionismus als Reaktion auf antisemitische Verfolgung, die im Grauen der Shoah gipfelte, und darauf die Gründung des Staates Israel zur Abwehr neuer Versuche, die „Endlösung der Judenfrage“ durchzusetzen.33

Fest steht jedenfalls, dass Israel den hehren Ansprüchen, die ihm seine jungen linksdeutschen Fans unterstellen, kaum gerecht werden kann und wie sollte es das auch? Weder könnte es dem unterstellten Verfall des Subjekts etwas entgegenhalten, der – so Dornis – doch dessen „ureigenstes [!] Produkt“34 sei, noch können wir große Hoffnung darauf hegen, dass in absehbarer Zeit in der Knesset die klassenlose Gesellschaft ausgerufen wird. Die albernen Ideen, die Dornis & Co. über den Staat Israel hegen, erinnern nicht von ungefähr an den Philosemitismus der BRD-Linken der Nachkriegsjahre, der mit dem Sechstagekrieg unvermittelt in Antizionismus und Antisemitismus umschlug. Man kann nur hoffen, dass sich hier die Tragödie nicht als Farce wiederholen möge!

Die negative Dialektik der männlichen Heuchelei

Bei der einführenden Darstellung des Dornis’schen Geschichtsmythos vom „sich selbst setzenden“ Subjekt wurde seine Charakterisierung dieses Subjekts als männliches ausgespart. Darauf ist nun zurückzukommen, denn nach Dornis „begründet sich“ das Subjekt nicht nur selbst, sondern tut dies (jedenfalls „anfänglich“) „durch den Ausschluss von Frauen aus der Gesellschaft und ist daher als ein männliches zu denunzieren.“35 Das Subjekt sei, so Dornis, die frauenunterwerfende Institution der Moderne“36 und „die grundlegenden Kategorien der kapitalistischen Gesellschaft sind ohne die Unterwerfung [!] von Frauen weder denk- noch praktizierbar.“37

Dornis glaubt hier offenbar, dass er sich durch bloße Phraserei mit dem Schein einer radikalen Kritik des Geschlechterverhältnisses schmücken könnte, über welche er tatsächlich in keinster Weise verfügt. Die „Frauenunterwerfung“ kann bei ihm überhaupt nicht wesentlich für Kapitalismus und Subjekt, sondern bloß akzidentiell sein schon deshalb, weil seine Antwort auf die Frage, warum die „Frauenunterwerfung“ denn notwendig sei, für jede seiner drei Geschichtsepochen eine andere ist: so erstrebte „das sich begründende Subjekt“ vor allem anderen „die Naturbeherrschung. Das konnte ihm – selbst ein naturhaftes Wesen – nur in der Doppelform einer Herrschaft über Frauen und Natur gelingen. Um sich, seine eigene Natur zu beherrschen, unterwirft es einen Teil der Menschheit als Natur. Frauen hatten dafür einzustehen, dass der Mensch sich beherrschen muss, um im emphatischen Sinne wirklich Mensch [!] […] zu werden.“38 Das ist zwar unglaublich „tiefsinnige“ Faselei, doch die Frage, warum denn nun die Naturbeherrschung nur durch „Unterwerfung“ der Frauen hätte gelingen können, kann und will Dornis gerade nicht beantworten.

Der Grund für Dornis‘ Unfähigkeit, das hierarchische kapitalistische Geschlechterverhältnis auch nur ansatzweise zu erklären, ist ein dreifacher: zum ersten fehlt bei Dornis jede tatsächliche Analyse der Subjektform, ihres inhaltlichen Gehalts und ihrer Momente. Das Dornis’sche „Subjekt“ ist ein ebensolcher Hohlbegriff wie sein substanzloser, zirkulativ verkürzter „Kapitalismus“ und soll ganz inhaltslos einfach darin bestehen, dass die Menschen in dieser Form „sich bedeutend ähnlicher sind als ein Ei dem Anderen.“39 Aus der angeblich inhaltslosen Abstraktion folgt keine „männliche“ Bestimmung, und daraus kann rein logisch nie eine solche folgen. Die (tatsächlich vorhandene) männliche Bestimmung von Wert und Subjekt im Kapitalismus lässt sich halt nicht durch begriffsloses und sprachlich ungehobeltes Herumassoziieren erklären, sondern verlangt eine spezifische Analyse des Subjekts als der fetischistischen Form des Selbst-, Natur-, und Gesellschaftsbezugs im Kapitalismus. Dieses Subjekt ist wesentlich bestimmt durch seine Funktion als „bewusster“ Agent des kapitalistischen Arbeits- und Tauschprozesses (von dem Dornis ja nichts wissen möchte) und daher bereits auf der ökonomischen Ebene notwendig verbunden mit der Abspaltung aller darin nicht aufgehenden Momente und ihrer Delegation an Frauen.40 Ebenso wie der Wert verkörpert das Subjekt eine abstrakte Transzendenz, einen fetischistischen Selbstzweck, und besitzt daher ein negatives Verhältnis zu seiner von ihm abgespaltenen Sinnlichkeit. Die abstrakte Gleichheit ist Moment der Subjektform, aber nicht deren inhaltsloser Kern.

Vor dem Hintergrund seiner eigenen Ausführungen ist die These eines wesentlich „männlichen“ Charakters der Subjektform überhaupt nicht begründbar. Das aber bezweckt Dornis zum zweiten gerade: denn eine tatsächliche Analyse des (männlichen) Subjekts in der Moderne kommt nicht darum herum, dieses als fetischistische, durch nichts zu rechtfertigende Herrschaft an sich selbst einer radikalen Kritik zu unterziehen; dadurch würden jedoch Dornis‘ Lügenmärchen über dessen Emanzipationspotentiale notwendig zusammenstürzen. Zum dritten nämlich „vergisst“ Dornis selbst den ach-so-frauenfeindlichen Charakter seines Subjekts, sobald es um die Verteidigung desselben geht: schon in Epoche zwei, im Liberalismus, sollte „die zunächst [!] nur von Männern angeeignete […] Subjektivität […] die gesamte Menschheit umfassen“41, und es herrschte eine „Gleichheit aller Menschen“ in der Männer lediglich „gleicher waren als Frauen“42 (was auch immer damit gemeint sein soll). Im Ergebnis war das Subjekt offenkundig doch „ohne Unterwerfung von Frauen“ „denk- und praktizierbar“.

In der dritten Geschichtsphase, dem spätkapitalistischen Verfall, darf dann endlich wieder „kritisiert“ werden, denn hier „konstituiert sich der Sexismus als Basisideologie der naturalisierten kapitalistischen Gesellschaft. Die Männerwelt fühlt sich durch die […] nachrückenden Frauen bedroht. Als nunmehr zwar zur Gesellschaft Zugelassene werden Frauen nun sexistisch […] diskriminiert.“43 Warum die aufgeklärte Männerwelt auf diesen eigenartigen Gedanken kam, Frauen „als biologisch minderwertig“44 anzusehen und so die „befreienden Momente“ des Subjekts zurückzunehmen, bleibt hier offen. Ein tatsächlicher Blick auf den Gegenstand würde nämlich auch hier aufzeigen, dass der Sexismus nicht erst mit Nietzsche und dem Verfall der Aufklärung Ende des 19. Jahrhunderts entstand, wie Dornis meint45, sondern ebenso wie die geschlechtliche Arbeitsteilung und das androzentrische Unbewusste zum Wesen des Kapitalismus von Anbeginn gehörte. Die einschlägig bekannten bösartigen sexistischen Ausfälle von Aufklärerungsideologen wie Rousseau und Kant widerlegen Dornis‘ billige Geschichtsverfälschung.

Mit seiner hohlen Phraserei von der „Frauenunterwerfung“ durch’s männliche Subjekt ging es Dornis also, wie sich zeigte, perfiderweise nie auch nur um den unvollständigen Ansatz einer Kritik des kapitalistischen Geschlechterverhältnisses und des männlichen Subjekts, sondern – entgegen seinen anderslautenden Aussagen – dumm-apologetisch allein darum, dieses bürgerliche Subjekt gegen den wertabspaltungskritischen Begriff desselben als männlich-westlich-weißes zu „clearen“, vor ihm in Schutz zu nehmen. Denn, so schreibt er gegen Robert Kurz und Roswitha Scholz, das Subjekt sei nicht „rassistisch, sexistisch, …, weil es männlich und weiß ist, sondern es wird rassistisch, sexistisch, …, weil es männlich und weiß ist. Es generiert diese regressiven [!] Ideologien, weil es […] in eine unheilvolle Dynamik getrieben [!] wurde.“46 Daher verwehrt sich Dornis auch gegen den Patriarchatsbegriff, den er auf eine „personale Herrschaft47 verkürzen will und möchte sich „strikt gegen Theorien einer Verquickung von kapitalistischer Gesellschaft und Patriarchat wenden.“48 Was er im „Austausch“ dafür anbieten möchte, ist sein Leerbegriff des „männlichen Subjekts“, von dem er an jeder Stelle gerade zeigt, dass es mit „Frauenunterwerfung“ gar nichts am Hut hat.49

Dornis‘ marktschreierisch angepriesene „Negative Dialektik des männlichen Subjekts“ ist somit nicht nur alles andere als negativ – denn das Subjekt wird durchgehend schamlos affirmiert. Es handelt sich auch um keine Dialektik – denn das, was das Subjekt laut Dornis schlussendlich zerstört, ist gerade nicht das Subjekt selbst, sondern vielmehr die ihm äußerliche und zufällige kapitalistische Gesellschaftlichkeit, die es am Ende, wie der böse Wolf auffrisst.50 Das Dornis’sche Subjekt ist zuletzt auch kein männliches – denn die Bestimmung seiner Männlichkeit ist ihm bloß akzidentiell und im Kern schon längst überwunden. Es handelt sich also um einen vollendeten Schwindel, den Dornis auch hier betreibt.

Genau wie Dornis es aber nicht schafft, die männlich konnotierte Subjektform in ihren materiellen, kulturellen und ideologischen Momenten zu beleuchten, misslingt ihm auch jede ernstzunehmende Analyse der widersprüchlichen Stellung von Frauen in der warenproduzierenden Moderne. Frauen besaßen schon in der klassischen Moderne eine widersprüchliche Präsenz in der fetischistischen Subjektform, insofern sie – entgegen aller männlich-aufklärerischen Ideologie und Ausgrenzungsversuche – schon aufgrund ihrer häuslichen Funktionen auf vermittelte Weise am gesellschaftlichen Leben teilhaben mussten, sie darüber hinaus nie vollständig von Lohnarbeit, geistiger und künstlerischer Bildung ausgeschlossen waren. Statt diese Konstellation aber zum Ausgangspunkt einer bestimmten Kritik der fetischistischen Moderne zu machen, will Dornis den Frauen mit identitätslogischer Gewalt jeden gesellschaftlichen Status nehmen: mit dem Entzug der Subjektform einher geht bei ihm das Absprechen der Eigenschaft, „im emphatischen Sinne wirklich Mensch“51 (!) zu sein. Dornis‘ dämliche Vokabel der „Frauenunterwerfung“ soll suggerieren, dass die Frauen tatsächlich das gewesen wären (und sind), was ihnen die aufklärerische Ideologie seit dreihundert Jahren zuschreibt: unterworfene Natur, die derartig noch nichteinmal zum Kinderhüten und Schrubben getaugt hätte. Dornis‘ Aufgehen- und Verschwindenlassen der realen Frauen in dieser Zuschreibung ist schlussendlich das genaue Gegenteil einer Kritik dieser Zuschreibung und der aus ihr entspringenden (und gesellschaftlich wirkmächtigen) Praxis; was Dornis hier vorlegt ist vielmehr sein persönlicher ideologischer Beitrag zur selbigen.

Weibliche Emanzipation à la Martin Dornis: Hexenmord, Liebesduselei und Fresse halten

An dieser Stelle darf es nicht erspart bleiben, auf einige besondere Scheußlichkeiten des antideutschen Ideologen Dornis einzugehen. Erstens nämlich soll der Heraustritt des männlichen Subjekts aus dem Naturzusammenhang der Vormoderne genau und allein durch die Hexenverfolgung geschehen sein: „Das freie und autonome Subjekt […] entsprang den Folterexzessen der Hexenverfolgung in der frühen Neuzeit […] die Scheiterhaufen der Hexenverfolgung waren das Zündfeuer für die Fackel der Aufklärung.“52 Diese heroisch-pathetische Fackel- und Feuerdramatik bleibt, nach dem bekannten Muster, nicht nur komplett unbegründet; Dornis strebt – und hier offenbart sich zum ersten Mal das explizit Mörderische seiner „Geschichtsphilosophie“ – damit gerade eine zynische Apologie der Hexenverfolgung an, denn „prinzipiell abzulehnen ist jegliche Glorifizierung des „magischen“ Naturumgangs oder eines feministisch daherkommenden Hexenkultes, weil ein derartiger Bezug nur gegen die mit dem Subjekt ebenfalls entstandenen Möglichkeiten von Freiheit und Glück gerichtet ist.“53 Wären wir heute im 14. Jahrhundert, Dornis würde die Verbrennung von Frauen fordern – im Namen von „Glück“ und „Freiheit“!

Zum zweiten zeigt Dornis gerade selbst auf, wie Aufklärung und Sexismus zusammenhängen. Denn die tatsächlich einzige Stelle in seinen ätzenden Traktaten, an der Frauen plötzlich Individuen und Subjekte sein sollen, ist abgeschmackterweise – in der Liebe: „Sie gründet auf der Möglichkeit von Individualität des Einzelnen, macht es damit denkbar, diesen einen Menschen und keinen anderen zu lieben, hemmungslos und aller Realität zum Trotze dem Schein zu verfallen, es gäbe für die eine oder den einen nur ihn bzw. nur sie.“54 Dass Dornis hier nicht auffällt, dass seine legitimatorische Liebeskonstruktion überhaupt nicht funktionieren kann, wenn einer der beiden Partner – die Frau – kein Subjekt und kein Individuum sein soll, ist ein Hinweis auf den Status, den diese Konstruktion innerhalb Dornis‘ Geschichtsphilosophie besitzt. Denn diese Aporie, dass die ausgegrenzten Frauen der guten bürgerlichen Ordnung wegen an einem einzigen Punkt unvermittelt Subjektstatus zugesprochen bekommen müssen, verbindet Dornis mit einem anderen Exponenten der aufklärerischen Frauenausgrenzung – Immanuel Kant, der genau diesem Muster bereits in seiner Ehedefinition folgte.55

Das aber erzwingt einen schärferen Blick auf das Motiv hinter der Dornis’schen (im Rahmen seines Geschichtskonstrukts auf den ersten Blick sinnlosen) Idealisierung der Liebe. Denn wenn Dornis die „Emanzipationskraft der bürgerlichen Gesellschaft“ im eigentümlichen Begriffspaar vom „Streben nach […] Überwindung […] der Todesangst“ und jener romantischen „Liebe“56 finden will, so unterliegt hier sein assoziatives Denken erneut dem mächtigen Strom der Aufklärungsideologie. Schließlich ist die mit diesem dichotomischen Begriffspaar verbundene Vorstellung von zwei Wegen zur „Versöhnung“ (in der klassischen Aufklärungsideologie: zur Tugend) vor allem eins – geschlechtlich konnotiert. Während die Todesüberwindung, der ruhelose Kampf zur erneuten „Allianz mit der Natur“57 nach dem mystisch-vorzeitlichen Heraustritt aus ihr, also der Kampf zur „Überwindung der Spaltung der Gattung“58 in der Aufklärungsideologie – und eben auch bei Dornis – schon immer den Männern vorbehalten sein soll, soll es noch einen zweiten Weg zu dieser „Versöhnung“ geben. Dieser zweite Weg bleibt von den großen geschichtlichen Bewegungen unberührt, er braucht das Haus und die eigene naturhafte Irrationalität nicht zu verlassen, er kann „hemmungslos […] dem Schein […] verfallen“ und sich mit selbigem zufrieden geben, ist nicht kämpferisch-dynamisch, sondern statisch und in sich ruhend, fristet nach Dornis „ein verkümmertes Schattendasein […], das noch seiner Befreiung harrt.“59 Ja, die Liebe! Und dreimal darf geraten werden, für welches Geschlecht dieser „zweite“ Weg natürlich vorbehalten bleiben soll.60

Die stille Einfalt und Stasis, zu welcher die westliche Aufklärungsideologie die Frauen seit dreihundert Jahren verdammt, wird bei Dornis damit gerade nicht Gegenstand der Kritik, vielmehr muss seine plumpe Idealisierung der schlecht-romantischen Liebe in eine Apologie der praktischen Ausgrenzung von Frauen aus der bürgerlichen Gesellschaft münden. Denn dass öffentliche Funktionen, Arbeitsalltag und geistige Bildung den schönen „Schein“ (von dem die Liebe „aller [männlichen!] Realität zum Trotze“ ja abhängt!) schnell zerstören und damit „die letzten Reste der Möglichkeit von Befreiung“61 zunichte machen könnten, übersetzte sich seit Beginn des Kapitalismus in die ideologische Forderung nach der Ausgrenzung und dem Verhindern der geistigen Entwicklung von Frauen.62 Dornis bewegt sich hier voll und ganz auf der Falllinie der Aufklärungsideologie, d.h., der legitimatorischen, unkritischen und sinnstiftenden Verarbeitung der Widersprüche der kapitalistischen Gesellschaft. Eben wie die Aufklärungsmänner „die innere Spannung der bürgerlichen Gesellschaft nicht [aushalten]“63 können, wird das Weibliche zur Projektions- und Abstoßungsfläche jener Einheit und Harmonie, zu welcher der männliche Mensch nur durch kulturschaffende Arbeit gelangen können soll. Partizipierte Dornis‘ Behauptung der vollständigen und gelungenen Unterwerfung des Weiblichen unter’s Subjekt bereits an der Projektion von absoluter Naturhaftigkeit auf’s Weibliche, so folgt nun – ebenfalls ganz in aufklärerischer Tradition – mit der Idealisierung der (weiblichen) Emanzipationskraft der Liebe das ideologische Komplement.64 Weit davon entfernt, eine Kritik der modernen Frauenausgrenzung zu formulieren, affirmiert Dornis diese vielmehr als angebliche Voraussetzung der Emanzipation.

Der widerliche Tiefpunkt des antideutschen Ideologen wartet jedoch noch. Zum dritten nämlich formuliert Dornis mit seiner Geschichtstheorie ein perfides Redeverbot für Frauen damals und heute. Frauen, die sich im Gegensatz zum männlichen Subjekt laut Dornis ja nicht als „in der Zeit durchhaltendes, einheitliches Wesen“ und als „Mensch im emphatischen Sinn“ „individuieren“ konnten, besitzen bei Dornis, dessen Denken keine Widersprüche auszuhalten vermag, nicht eine gebrochene und widersprüchliche Präsenz in der fetischistischen Subjektform, sondern noch nicht einmal menschliche Individualität; sie sind hier bestenfalls eine Art domestizierte Natur. Und als die Frauen dann doch den Subjektstatus erkämpfen konnten, war es bereits zu spät, denn „das Subjekt befand sich zum Zeitpunkt der bürgerlichen Emanzipation der Frauen bereits in seinem Verfall“65, und „Frauen wurden Subjekte in einer Zeit, in der das freie und gleiche Rechtsubjekt in klassischer Form überhaupt nicht mehr existierte.“66 Es bleibt also auch im heutigen „Spätkapitalismus“ bei der Nicht-Subjektivität von Frauen.

Das aber hat Folgen. Denn einzig unter Voraussetzung der „Existenz von Geld, Subjekt und Staat […] treten Individuen als handlungs- und kritikfähige Subjekte auf“67, so Dornis. Genau daran aber mangelt es nicht nur Frauen, sondern ebenso allen anderen nicht-männlichen, nicht-weißen Menschen, vor denen nach Dornis nur gewarnt werden kann: „Subjektlose Menschen werden als Subjekte losgelassen – das ist die Reaktionsform des Nazifaschismus […] Hier zeigt sich praktisch, dass nach Auschwitz [!] die Sympathie mit irgendwelchen Marginalisierten [und das schließt bei Dornis auch Frauen ein] unmöglich geworden ist.“68

Wie die daraus entspringende, auf Ausgrenzung und Erniedrigung von Frauen abzielende Praxis real aussieht, wie den „subjektlosen Menschen“ also über den Mund gefahren werden soll, davon hat Dornis selbst ein schändliches Beispiel geliefert mit seiner Beteiligung an der Bonjour Tristesse-Veranstaltung „Gegen den linken Konsens“ am 21. Januar 2011 in Leipzig. Anlass war die in jeder Hinsicht richtige, gegen die bürgerliche Redefreiheit verstoßende Weigerung, Justus Wertmüller in den Räumen des linken Zentrums Conne Island in Leipzig einen Ort für die Verbreitung seines bösartigen Geschwätzes zu geben. Dies und eine (leider viel zu zahnlose) Kritik an Wertmüller im Conne Island Newsflyer69 waren der antideutschen Camarilla Anlass für eine Strafexpedition gegen eine legitimatorisch herbeiphantastierte Verschwörung von „Platzkühen“,70 „antifaschistischen Frauen-Blockwärterinnen“71 und „Zensursulas des AFBL [Antifa-Frauenblock Leipzig].“72 Dornis entblödete sich nicht, zu dieser antifeministischen Hetzjagd vor über zweihundert (!) dümmlichen Antifa-Jugendlichen nebst Schaulustigen einen Vortrag mit dem unzweideutigen Titel „Der Stachel der Kritik“73 beizutragen, in dem er nicht nur den männlichen und „zudringlichen Charakter“ der Kritik gegen diejenigen, die ihr „den kritischen Stachel rauben“ (!) wollten, verteidigte. Über den geschlechtlichen Charakter der „Handlungs- und Kritikfähigkeit“ wurde er explizit, sei doch „Der Mann des Nazifaschismus [der ja genauso ein „verfallenes“ Subjekt wie die Frauen gewesen sein soll] […] kastriert [!] wie zuvor ‚das Weib‘“. Dagegen bestünde die Rettung der Individuen (also der Subjekte) gerade in der „Einheit ihrer Individualität, Geschlecht [!], Lust, Sexualität“ (die „Rasse“ muss er vergessen haben!), worin geradezu ihre „Substanz“ (!) liegen soll. Dornis haut es schlussendlich raus: sein Subjekt, weit entfernt, für seine fetischistisch-gesellschaftlich konstruierte Männlichkeit kritisiert zu werden, soll gerade in seiner plattesten Männlichkeit verteidigt und biologisiert werden. Dornis‘ Ideologie ist nicht der „Stachel der Kritik“, sondern die Kritik des Stachels, der ideologische Versuch, den eigenen Arsch und den eigenen Schwanz zu retten. Was Dornis und der Rest der männerbündischen Bahamas-Clique in Leipzig veranstalten wollten, und wofür ihr Jung- und Dummvolk sogar aus Dresden anreiste, spricht Dornis dann selbst aus: Ziel seiner bösartigen Verleumdungen sei es, „das Gegenüber zu treffen, in seinem Wesen zu erschüttern, in Marxscher Diktion ja sogar: zu vernichten [!].“ Der falsche Verweis auf Marx schützt hier nicht: es ging um eine öffentlich inszenierte Hexenverbrennung. Durch den intellektuellen Mord an Frauen suchte Dornis seinen nichtexistenten Wert als „Kritiker“ zu steigern. Und die Antideutschen aus Berlin, Dresden, Halle, Leipzig und anderswo vergaßen kurzzeitig ihre Fundamentalkritik gegen die Einfühlung ins barbarische Kollektiv und applaudierten stürmisch.

Das Sein ist der Wert – Dornis goes Heidegger!

Es bliebe zu Dornis noch mehr zu sagen, allen voran zu seinem peinlichen Versuch einer Heidegger-Kritik, auf den hier nur kurz eingegangen werden soll. Stinken schon Dornis‘ dummer Geschichtsmythos (eine Aneinanderreihung von vermittlungslosen Selbst-“Begründungen“ und unerklärbaren Sprüngen) und seine Darstellungsweise (ein vermittlungsloses metaphysisches Gestammel und Geraune) nach „deutschem“ Tiefgang und Vermittlungslosigkeit, so fällt Dornis in seiner Abwehr der Wertabspaltungskritik nichts dümmeres ein, als sich auf Heidegger zu berufen! Denn nachdem Dornis den Wert von allem Inhalt, aller Vermittlung und allem Seienden entkleidet hat „Was ist immer sich selbst gleich? Was [] reduziert die Dinge auf Nichts [!]?“74 stellt der antideutsche „Kritiker“ fest, dass Heidegger doch gar nicht so unrecht hatte: „Heideggers Sein ist der Wert.“75 Ja, so hätte es der antideutsche Mystiker gern: „Der Wert der Ware ist gerade keine Substanz an ihr.“76 Was Dornis, um seine dämliche Sprache zu verwenden, „scheut [] wie der Teufel das Weihwasser“77, ist die materielle Substanz des Wertes, die vergegenständlichte abstrakte Arbeit, die darauf verweist, dass der Wert nicht nur „Sein“ ist, sondern realgesellschaftliche Wirkmächtigkeit, Seiendes, d.h., dass das „Vermittlungsprinzip“, welches Dornis verteidigen will, real und real destruktiv, seine Verteidigung somit das Gegenteil von Kritik ist.

Durch die Einbannung des Werts in die Ebene des abstrakten, vermittlungslosen Seins versucht Dornis, jede Notwendigkeit einer Kritik der Wertform, einer theoretischen Vermittlung zwischen ihr als Wesen und der gesellschaftlichen Erscheinung zu vernebeln. Was bei Dornis an „Kritik“ gegenüber den gesellschaftlichen Phänomenen übrig bleibt, ist ein positivistisches und moralisch reduziertes (und damit unwahres) Beheulen von Frauendiskriminierung und MigrantInnenschicksal das notwendige Komplement zu Dornis‘ ideologischer Trennung von Sein und Seiendem. Was Dornis daher über Heideggers Seins-Abstraktion sagt, trifft tatsächlich voll und ganz auf seinen eigenen, zirkulativ verkürzten Wertbegriff zu: „Will man sich darunter [und das gilt für Dornis‘ gesamtes Gequake!] aber irgendwas vorstellen, ist man wieder mit dem Problem der Erkenntnis konkrontiert, begibt sich auf die Ebene der Vermittlung, die aber gerade das Bedrohliche darstellt.“78 Bedrohlich ist für Dornis nur der Gedanke, der Wert könnte doch irgendetwas mit der realen Gesellschaftlichkeit zu tun haben, und seine todesbleiche Gestalt könnte beim angerichteten antideutschen Besäufnis zu „Freiheit“ und „Pursuit of Happiness“ plötzlich am Tisch auftauchen und die Gäste verschrecken. Statt eine Heidegger-Kritik zu liefern, läuft Dornis so geradewegs in eine Heidegger-Apologetik hinein.79

Schlussendlich bleibt diesem Denken als Mittel der Auseinandersetzung nur die gehässige Verleumdung, der Rufmord. Denn genauso unfähig wie Dornis zu einer Kritik an Heidegger ist, ebenso misslingt es ihm, auch nur einen begründeten und inhaltlich korrekten Kritikpunkt gegen den Dekonstruktivismus der angeblichen Heidegger-Anhängerin Judith Butler vorzubringen was leider schon damit beginnt, dass Dornis offenbar nicht in der Lage ist, ihre Theorie zu verstehen und intelligibel wiederzugeben: In einem fast zweistündigen assoziativen Selbstgespräch ist Dornis nicht in der Lage, mehr zu liefern als die vollkommen unbegründete und unvermittelte Behauptung, Judith Butler stelle „ein dichotomes Verhältnis von Natur und Gesellschaft auf“80 (das sagt der richtige!). Wenn Dornis seinen begrifflichen Blackout und seinen Mangel an geistiger Syntheseleistung dann durch die haltlose Verleumdung überdecken will, dass der deutsche Nationalsozialismus „sich heute mit Autoren wie Butler vollendet“81 (!), so zeigt sich auch hier, dass es dem antideutschen Konkurrenz-Stachel nie um Kritik und Inhalte ging, sondern um den Verkauf seiner bescheuerten und wertlosen Ideologieware – und dafür ist ihm offenbar jedes Mittel recht. (Erneut übrigens, wie nicht anders zu erwarten, lautstarker Applaus vom Publikum.)

Fazit: Kritischer Gestus als Gegenteil von Kritik

Wir wollen noch einmal zum Ausgangspunkt unseres Textes zurückkehren, in dem wir bekräftigt hatten, dass die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit den wunderlichen Ideen des Herrn Dornis nicht mit irgendeinem positiven Inhalt zusammenhängt, der diesen beizumessen sei und zu debattieren wäre. Stattdessen betonten wir, dass das eigentliche Ärgernis an den Gedankenblitzen unseres Ideologiekritikers die Schar von jungen Adepten ist, welche diese – Ausdruck einer ideologischen Tendenz, die ihre Glanzzeiten verdientermaßen längst hinter sich hat – nach wie vor anziehen. Allein Dornis‘ Methode der Darstellung geht Hand in Hand mit den Bedürfnissen dieses Publikums.

In seiner Ableitung der Geschichte der bürgerlichen Gesellschaft sowie der Realität des Gegenwartskapitalismus aus der philosophischen Kategorie des Subjekts (früher hieß die noch „der Einzige“, nebst seinem „Eigentum“82) verwirft er die materialistische Lehre, dass „das in letzter Instanz bestimmende Moment in der Geschichte“ die „Produktion und Reproduktion des unmittelbaren Lebens“83 sei: Dornis fällt mit seiner „materialistischen Ideologiekritik“ auf eine Schwundstufe des deutschen Idealismus zurück. In seinen wüsten Assoziationsketten taucht die Empirie, das heißt die konkrete Realität des Weltkapitalismus der Spätmoderne, welche es gilt sich durch das Denken als konkrete anzueignen, sie also „als ein geistig Konkretes zu reproduzieren“84, nur als verschämtes Beiwerk auf, als Lückenbüßer bei der postulierten „Selbstsetzung“ des bürgerlichen Subjekts, eines Produkts der Gedanken also, das auf der Überholspur zur Wirklichkeit dränge.

Muss daher bei der theoretischen Methode des wissenschaftlichen Kommunismus „das Subjekt, die Gesellschaft, als Voraussetzung stets der Vorstellung vorschweben“85, so ist Dornis in seinem voraussetzungs- und begriffslosen Wüten nur sich selbst verpflichtet. Nicht umsonst kommt in seinen Werken auch kein einziges Argument an die steile These heran, die er im Moment belegen will: Dornis vermag nicht zu überzeugen, er ist stets auf den erklärten Willen seiner Rezipienten angewiesen, auch die dümmste seiner Behauptungen – Judith Butler im Bündnis mit Nationalsozialisten usw. usf! – als irgendetwas originelles, das Wesen der Sache polemisch treffendes für wahr zu nehmen.

Was sich in diesem Akt befriedigt sieht, ist das klassisch linksradikale Bedürfnis des Bescheidwissertums. Dieses stößt sich nie daran, dass die vorgelegten Thesen zusammenhangslos und absurd sind, dies gilt stattdessen als ein Ausdruck von „Tiefgründigkeit“. Aufgabe von Kritik ist hier nicht Einsicht in die Funktion des verkehrten Bestehenden zum Zwecke seiner Abschaffung, stattdessen verkommt sie zur kritischen Haltung, zu einem Gestus – der Selbstvergewisserung, dass sich die jungen Adepten der „Bauchlinken“ überlegen fühlen dürfen, wenn es der Kleidungsstil, die richtige Musikrichtung oder der sonstige Lebensstil nicht mehr tut. Das geht stets einher mit der Empfänglichkeit einer vom „Abrutsch“ in die Proletarisierung bedrohten jungen akademischen Mittelschicht für sozialrassistische und kulturalistische Ideologien, die Dornis mit seiner These vom Ansturm der marginalisierten, d.h. migrantischen, Nichtsubjekte im Bund mit Hamas und Nationalsozialisten auf das von allen Seiten bedrohte bürgerliche Subjekt reichlich bedient.

Bei den Adepten, die ehrfürchtig in der Saalveranstaltung sitzen oder die neuesten textlichen Offenbarungen studieren, bleibt da zwar meist recht wenig hängen, und, einmal in eigenen Worten wiedergegeben, verlieren die „ideologiekritischen“ Assoziationsketten zur Gänze ihre Überzeugungskraft – alles was davon übrig bleibt, ist das Geraune der Bescheidwisser. Für die Plenums- oder Stammtischdiskussion wird’s reichen.

Man müsste zu dem ganzen Mist eigentlich kein Wort verlieren und seine Fans ihrem selbstgewählten Schicksal überlassen, immerhin gibt es momentan weitaus wichtigere Themenfelder für KommunistInnen, und bei nüchterner Herangehensweise an das Werk von Ideologen wie Martin Dornis sollte die gänzliche Inhalts- und Haltlosigkeit seiner Elegien auf die bürgerliche Gesellschaft schnell offenbar werden. Allerdings besteht aufgrund des allgemeinen begrifflichen Defizits der radikalen Linken die Gefahr, dass manche noch durch das ehrliche Bedürfnis auf inhaltliche Klärung in die Sackgasse dieser sich für fundamentale Kritik ausgebenden Ideologie irrgeleitet werden.

Nur um dessentwillen hoffen wir, dass der vorliegende Text seinen Teil zum Ziehen einer Demarkationslinie gegen den Blödsinn tun möge.

Gruppe Black Monday, Mai 2012

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Zitierte Literatur

Susanne: Es gibt tausend gute Gründe, in: CEE IEH 182, Leipzig 2010, veröffentlicht auf: „http://www.conne-island.de/nf/182/25.html

Bonjour Tristesse: „Conne Island“ goes „Zoro“?, veröffentlicht auf http://bonjourtristesse.wordpress.com/2010/12/25/%E2%80%9Econne-island%E2%80%9C-goes-%E2%80%9Ezoro%E2%80%9C/, 2010

Silvia Bovenschen: Die imaginierte Weiblichkeit, Frankfurt/Main 2003

Martin Dornis: Die negative Dialektik des männlichen Subjekts, in: Outside the Box Heft 1, Leipzig 2009, S. 20ff

Martin Dornis: „Sex ist nur ein Konstrukt“. Vortrag zur Kritik des Poststrukturalismus und der Queer Theory, gehalten am 28.07.2011 in Berlin, mp3 von http://audioarchiv.k23.in/Referate/Martin_Dornis/Martin_Dornis-Sex_ist_nur_ein_Konstrukt.Zur_Kritik_an_Poststrukturalismus_und_Queer_Theory.mp3,

Martin Dornis: Diskussion zum Vortrag „Sex ist ein Konstrukt“… am 28.07.2011 in Berlin, mp3 von http://audioarchiv.k23.in/Referate/Martin_Dornis/Martin_Dornis-Sex_ist_nur_ein_Konstrukt-Diskussion.mp3

Martin Dornis: Der Stachel der Kritik, Vortrag am 21.01.2011 in Leipzig, veröffentlicht auf http://redaktion-bahamas.org/aktuell/110121leipzig-dokumentation.html

Martin Dornis: Der Meister aus Deutschland, in: Alex Gruber, Philipp Lenhard (Hg.): Gegenaufklärung, Freiburg 2012, S. 127

Friedrich Engels: Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates, in: MEW 21, Berlin 1962

Robert Kurz: Die antideutsche Ideologie, Münster 2003

Karl Marx: Zur Judenfrage, in: MEW 1, Berlin 1970

Karl Marx, Friedrich Engels: Die Deutsche Ideologie, in: MEW 3, Berlin 1978

Karl Marx: Das Kapital Bd. I, in: MEW 23, Berlin 1971

Karl Marx: Grundrisse der Kritik der Politischen Ökonomie, Berlin 1974, S. 160

Roswitha Scholz: Das Geschlecht des Kapitalismus, Bad Honnef 2000

Carsten Weber: Festung MWW, veröffentlicht auf http://www.exit-online.org/link.php?tabelle=autoren&posnr=452, 2010

Justus Wertmüller: Von Blockwärterinnen und Platzkühen, Vortrag am 27.10.2010 in Halle, veröffentlicht auf http://redaktion-bahamas.org/aktuell/erklaerung-in-halle.html, 2010

1Herausgearbeitet und kritisiert wurde diese falsche Einteilung von Carsten Weber: Festung MWW, veröffentlicht auf http://www.exit-online.org/link.php?tabelle=autoren&posnr=452, 2010. Allgemein ist sie für die antideutsche Ideologie typisch, siehe Robert Kurz: Die antideutsche Ideologie, Münster 2003, S. 45ff.

2Martin Dornis: Die negative Dialektik des männlichen Subjekts, in: Outside the Box 1, Leipzig 2009, S. 21

3Ebd., S. 20

4Ebd.

5Ebd.

6Ebd.

7Ebd., S. 22

8Ebd.

9Martin Dornis: Der Meister aus Deutschland, in: Alex Gruber, Philipp Lenhard (Hg.): Gegenaufklärung, Freiburg 2012, S. 127

10Martin Dornis: Die negative Dialektik…, S. 24

11Martin Dornis: Der Stachel der Kritik, Vortrag am 21.01.2011 in Leipzig, veröffentlicht auf http://redaktion-bahamas.org/aktuell/110121leipzig-dokumentation.html

12Carsten Weber dazu: „Die kapitalistische Dynamik einschließlich ihrer Basisideologien bildet ein historisches Kontinuum, das sich nicht kinderfibelartig in einen „guten“ und zwei „schlechte“ Teile auftrennen lässt.“ (Carsten Weber: Festung MWW).

13Martin Dornis: Die negative Dialektik…, S. 24

14Dazu Carsten Weber: „Dornis tut allen Ernstes so, als seien die Menschen, die vor der blutigen Heraufkunft der kapitalistischen Subjektform gelebt haben, ganz naturverhaftete, triebfixierte Herdentiere bar jeder Individualität gewesen., ganz so, wie es die affirmativen Ideologen der kapitalistischen Gesellschaftsformation in den extremsten Ausprägungen ihrer Fortschrittsmetaphysik behauptet haben.“ (Carsten Weber: Festung MWW).

15Martin Dornis: Die negative Dialektik…, S. 21

16Ebd., S. 24

17Ebd., S. 20

18Ebd., S. 21

19Martin Dornis: Der Stachel der Kritik

20Ebd.

21Ebd.

22Vgl. z.B. Robert Kurz: Die antideutsche Ideologie, S. 67ff

23Martin Dornis: Die negative Dialektik…, S. 23

24Karl Marx: Zur Judenfrage, in: MEW 1, Berlin 1970, S. 364f

25Karl Marx: Das Kapital Bd. I, in: MEW 23, Berlin 1971, S. 189

26Karl Marx und Friedrich Engels: Manifest der kommunistischen Partei, in: MEW 4, Berlin 1969, S. 482

27Martin Dornis: Die negative Dialektik…, S. 22

28Karl Marx: Grundrisse der Kritik der Politischen Ökonomie, Berlin 1974, S. 160

29Initiative Sozialistisches Forum: Einladungstext zum jour fixe im Sommer 2002, veröffentlicht auf: http://isf-freiburg.org/isf/beitraege/isf-kommunismus.israel.html, 2002

30Martin Dornis: Der Stachel der Kritik

31Martin Dornis: Die negative Dialektik…, S. 22

32Martin Dornis: Der Stachel der Kritik

33Ein Beispiel dafür könnte man sich an folgendem Thesenpapier der Gruppe Kritik im Handgemenge nehmen: http://www.junge-linke.org/alle-wollen-frieden-und-darum-gibt-es-krieg

34Martin Dornis: Die negative Dialektik…, S. 24

35Ebd., S. 20

36Ebd., Hervorhebung Dornis

37Ebd., S. 24

38Ebd., S. 21

39Ebd., S. 22

40Dazu ausführlich: Roswitha Scholz: Das Geschlecht des Kapitalismus, Bad Honnef 2000

41Martin Dornis: Der Stachel der Kritik

42Martin Dornis: Die negative Dialektik…, S. 24

43Ebd., S. 23

44Ebd.

45Ebd.

46Ebd., Herv. Dornis

47Martin Dornis: Der Stachel der Kritik

48Martin Dornis: Die negative Dialektik…, S. 24f

49Carsten Weber dazu: „Wie es scheint, stört Dornis sich daran, dass die Abspaltungskritik die Wertabspaltungsvergesellschaftung als kapitalistisches Geschlechterverhältnis begreift, dem sein moralisierendes Geraune von Frauenunterdrückung und -unterwerfung nicht angemessen ist. Die Abschaffung eines gesellschaftlichen Verhältnisses kann eben nicht als heroische Befreiung gefangener Prinzessinnen imaginiert werden.“ (Carsten Weber: Festung MWW).

50Und wenn Dornis an anderer Stelle unvermittelt behauptet: „Von der ersten Lebensminute wurde das Subjekt, da fortgesetzt in Unterwerfung und Herrschaft verstrickt, bereits real dekonstruiert“ (Martin Dornis: Der Meister aus Deutschland, S. 149), so widerspricht er zwar seinem eigenen Geschichtskonstrukt (denn seine „liberale“ Phase verschwindet damit), nicht aber seiner Externalisierung des Verfallsprozesses des Subjekts, für welches die ihm äußerliche Herrschaft verantwortlich sei, in welche es bloß „verstrickt“ wäre.

51Martin Dornis: Die negative Dialektik…, S. 21

52Ebd.

53Ebd.

54Ebd., S. 20, Hervorhebung Dornis

55Vgl. dazu Silvia Bovenschen: „Diese Form des Ehevertrags, die Gleichberechtigung signalisiert, sollte dann für die späteren Rechtsphilosophien des 18. Jahrhunderts zu einem erheblichen Problem werden – schließlich ging es hier einerseits um die Institutionalisierung und Juridifizierung des Eheverhältnisses im Rahmen allgemeiner bürgerlicher Normensysteme, andererseits darum, den inferioren Status der Frauen […] neu zu legitimieren. Das mit der Widersprüchlichkeit dieser Intention gesetzte Dilemma drückt sich beispielsweise in der Kantschen Eherechtskonstruktion aus, der zufolge die Frau als ‚gleichberechtigte‘ Sexualpartnerin zwar den Pakt zum „wechselseitigen Gebrauch der Geschlechtsorgane“ eingehen kann, die aber in flagrantem Kontrast zu denjenigen Aussagen Kants steht, in denen den Angehörigen des weiblichen Geschlechts die Qualifikation zum Rechtssubjekt aberkannt wird.“ (Silvia Bovenschen: Die imaginierte Weiblichkeit, Frankfurt/Main 2003, S. 145).

56Martin Dornis: Die negative Dialektik…, S. 21

57isf: Aktualität des Kommunismus, zitiert nach Martin Dornis: Die negative Dialektik…, S. 23

58Martin Dornis: Die negative Dialektik…, S. 23

59Ebd., S. 21

60Die Antwort gibt z.B. Friedrich Schiller: „Aus der Unschuld Schoß gerissen / Klimmt zum Ideal der Mann / Durch ein ewig streitend Wissen, / Wo sein Herz nicht ruhen kann […] Aber in kindlich unschuldiger Hüllle / Birgt sich der hohe geläuterte Wille / In des Weibes verklärter Gestalt. / Aus der bezaubernden Einfalt der Züge / Leuchtet der Menschheit Vollendung und Wiege“ usw., zitiert nach Silvia Bovenschen: Die imaginierte Weiblichkeit, S. 240f

61Martin Dornis: Die negative Dialektik…, S. 21

62Vgl. Silvia Bovenschen: „Diese Botschaft läuft in einer industrialisiert arbeitsteiligen Gesellschaft notwendig auf die Forderung nach dem Verzicht der Frauen auf alle ökonomischen und politischen Ansprüche, auf die Brachlegung ihrer kreativen Fähigkeiten, auf ein fremdgesteuertes passives Dasein hinaus. Nur so kann sich der Mann beim Anblick der Frau in dem Bild spiegeln, das er vom Weiblichen hat. Der Zynismus dieses Denkens zieht aus den Merkmalen der Unterwerfung durch den Mann eine Utopie für den Mann.“ (Silvia Bovenschen: Die imaginierte Weiblichkeit, S. 34, Herv. Bovenschen).

63Martin Dornis: Der Stachel der Kritik

64Silvia Bovenschen dazu: „Die Sehnsucht nach der Versöhnung mit der Natur, nach einem nichtentfremdeten Dasein wird, ideologisch verzerrt, auf das Weibliche projiziert. Diese Verschiebung – eine häufig anzutreffende Figur – betrifft mithin nur das gedachte Weibliche; die Verwandtschaft der realen Frauen mit der Natur beschränkt sich darauf, dass sie wie diese Objekt der männlichen Zugriffe und Beherrschung sein sollen. Die weibliche ‚Natur‘ wird so einerseits zur Trägerin der ideellen männlichen Harmonie- und Einheitssehnsüchte stilisiert, andererseits schließt ihre Definition das Gebot der Unterwerfung und des Stillhaltens ein. (Silvia Bovenschen: Die imaginierte Weiblichkeit, S. 32).

65Martin Dornis: Die negative Dialektik…, S. 24

66Martin Dornis: Die negative Dialektik…, S. 23

67Martin Dornis: „Sex ist nur ein Konstrukt.“ Vortrag zur Kritik des Poststrukturalismus und der Queer Theory, gehalten am 28.07.2011 in Berlin, mp3 von http://audioarchiv.k23.in/Referate/Martin_Dornis/Martin_Dornis-Sex_ist_nur_ein_Konstrukt.Zur_Kritik_an_Poststrukturalismus_und_Queer_Theory.mp3, 1:23:10 (h:m:s)

68Martin Dornis: Der Stachel der Kritik

69Susanne: Es gibt tausend gute Gründe, in: CEE IEH 182, Leipzig 2010, veröffentlicht auf: http://www.conne-island.de/nf/182/25.html

70Justus Wertmüller: Von Blockwärterinnen und Platzkühen, Vortrag am 27.10.2010 in Halle, veröffentlicht auf http://redaktion-bahamas.org/aktuell/erklaerung-in-halle.html

71Bonjour Tristesse: „Conne Island“ goes „Zoro“?, veröffentlicht auf http://bonjourtristesse.wordpress.com/2010/12/25/%E2%80%9Econne-island%E2%80%9C-goes-%E2%80%9Ezoro%E2%80%9C/, 2010

72Ebd. – Der Antifeminismus offenbart sich schon in diesen unkreativen Wortschöpfungen.

73Dies und die folgenden Zitate aus Martin Dornis: Der Stachel der Kritik

74Martin Dornis: Der Meister aus Deutschland, S. 147

75Ebd.

76Ebd., S. 146 Marx dagegen: „Diese Dinge [die Warenwerte] stellen nur noch dar, daß in ihrer Produktion menschliche Arbeitskraft verausgabt, menschliche Arbeit aufgehäuft ist. Als Kristalle dieser ihnen gemeinschaftlichen Substanz [!] sind sie Werte – Warenwerte.“ (Karl Marx: Das Kapital Bd. 1, S. 52) – Die Substanzlosigkeit von Dornis‘ Wertbegriff hier korrespondiert mit der bereits aufgezeigten Substanzlosigkeit seines Gesellschafts-, Vermittlungs- und Subjektbegriffs.

77Martin Dornis: Der Meister aus Deutschland, S. 147

78Ebd., S. 149

79Um die bedrohliche Notwendigkeit einer Kritik des Werts in dessen negativen Vermittlung mit der realen Gesellschaft loszuwerden, ist Dornis schlussendlich sogar bereit ein Postmoderner zu werden. Denn: „Das Sein als das Ganze ist zwar der Wert, aber die kapitalistische Gesellschaft in ihrer Gänze ist gebrochen. Sie erscheint nur ideologisch und mit Gewalt als Einheit.“ (Ebd., S. 152) Das bleibt natürlich genauso begründungs- und vermittlungslos wie der ganze Rest. Es hat jedoch etwas Apartes, wie Dornis den Zusammenhang von Heidegger’scher Seinslehre und Postmodernismus nicht durch kritische Darstellung, sondern durch das vermittlungslose Umkippen seiner eigenen Ideologie vom einen ins andere beweist.

80Martin Dornis: „Sex ist nur ein Konstrukt“…, 1:12:45 – Glücklicherweise ist der selbsternannte Materialist hier schlauer: „Man kann weder sagen, Geschlecht ist Gesellschaft, noch kann man sagen, Geschlecht ist Natur; es ist beides in Verquickung miteinander. Genauer und spezifischer kann ich es nicht sagen [!].“ (Martin Dornis: Diskussion zum Vortrag „Sex ist ein Konstrukt“… am 28.0.2011 in Berlin, mp3 von http://audioarchiv.k23.in/Referate/Martin_Dornis/Martin_Dornis-Sex_ist_nur_ein_Konstrukt-Diskussion.mp3, 19:00).

81Martin Dornis: „Sex ist ein Konstrukt“…, 1:28:00. Anderswo bezeichnet Dornis die Hamas als der militante Arm der […] postcolonial-, queer- und genderstudies.“ (Martin Dornis: Der Stachel der Kritik.

82Karl Marx, Friedrich Engels: Die Deutsche Ideologie, in: MEW 3, Berlin 1978, S. 102

83Friedrich Engels: Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates, in: MEW 21, Berlin 1962

84Karl Marx: Grundrisse…, S. 22

85Ebd.


1 Antwort auf “Die Kritik des Stachels”


  1. 1 Vortrag mit Martin Dornis: Vom “Sein zum Tode” zum “Lauschen auf den Diskurs” « Café Négation Pingback am 04. Juli 2012 um 13:35 Uhr
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