Archiv der Kategorie 'Flugblätter & Texte'

Hirn statt Hetze!

Seit einem Jahr finden in Dresden die rassistischen Pegida-Proteste statt – und schon seit vielen Monaten ohne nennenswerte Gegenaktionen. Das soll sich zum Jahrestag am 19. Oktober mit einer bundesweit geplanten Großdemonstration ändern, was wir sehr begrüßenswert finden. Die Sprache des Aufrufs „Herz statt Hetze“ zeigt jedoch die Beschränktheit des bürgerlich-demokratischen Antifaschismus, welcher angesichts der Nazibanden auf der Straße und Rechtsparteien im Parlament den grundsätzlichen gesellschaftlichen Widerspruch übersieht:

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Hinweis: neuer Text zum Finanzkapital

Von Markus Winterfeld ist unlängst in der „Kritischen Perspektive“ ein Abriss zur Marxschen Krisen- und Finanzkapitaltheorie im 3. Band des Kapitals erschienen, zu finden hier:

Die Überproduktionskrise, das Finanzkapital und die Gelddruckerei der Zentralbank

Es stimmt keineswegs, dass Marx zu aktuellen Phänomenen wie Börse, Finanzkapital und Zentralbankgeld nichts zu sagen hätte. Ganz im Gegenteil: Marx beschäftigte sich im „Kapital Band III“ auf mehreren hundert Seiten mit nichts anderem als mit Krise, Kredit und staatlicher Geldpolitik. Dieser Aufsatz ist ein Versuch, die von Marx eingeführten Begriffe und Unterscheidungen aufzugreifen und mithilfe derselben eine rationale Theorie der heutigen Krisensituation und ihrer weiteren Perspektive zu skizzieren.

Vortrag am 04.06. Kommunismus oder Barbarei. Zur Notwendigkeit kommunistischer Kritik

Wir werden am Donnerstag, den 4. Juni einen Vortrag beim Offenen Antifa Treffen halten:

Kommunismus oder Barbarei. Zur Notwendigkeit kommunistischer Kritik.

Im Jahre 2007 bestätigte sich mit dem Ausbruch der aktuellen weltweiten Krise aufs Neue die Erkenntnis von Karl Marx, dass der alles beherrschende Zweck der kapitalistischen Wirtschaftsweise – die Akkumulation von toter Arbeit – im unlösbaren Widerspruch zum Mittel seiner Produktion, der Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkräfte, steht. Grund der Krise ist nicht etwa, dass zu wenig, sondern dass zu viel produziert wurde in Bezug auf die Verwertungsmöglichkeiten des Kapitals. Der real existierende und im Überfluss vorhandene konkrete Reichtum – Nahrungsmittel, Wohnraum, uvm. – steht einer Verarmung und Verelendung wachsender Teile der Weltbevölkerung gegenüber. Einhergehend damit spitzen sich rassistische und patriarchale Krisenideologien zu, von Pegida bis zum Islamismus.

Anstatt aber dieser wahnwitzigen Gesellschaftsform, welche zunehmend die Lebensgrundlagen der Menschheit untergräbt, den Kampf anzusagen, zieht sich der linke Diskurs zur Krise großteils zurück auf demokratische Phrasen und auf den Mythos der Möglichkeit einer Teilhabe im Bestehenden. Der Kommunismus, also die Ersetzung der Herrschaft des Werts und des Patriarchats durch die kollektive Selbstverwaltung der Menschheit, ist verbannt in die bloße Parole, wenn nicht sogar in den nostalgischen Blick zurück auf die kapitalistischen Modernisierungsdiktaturen des sogenannten Realsozialismus.

All dem entgegen möchten wir mit unserem Vortrag auf der Notwendigkeit der radikalen Kritik des Bestehenden beharren. In einem kurzen Durchgang durch die Marxsche Ökonomiekritik soll ein Erklärungsansatz für die aktuelle Situation gegeben, sowie auf die grundlegenden Bedingungen für eine Gesellschaft jenseits von Herrschaft und Profit eingegangen werden. Dass die Zeit dafür eilt, liegt auf der Hand: während die kapitalistisch sozialisierten Individuen, denen ihre Gesellschaft unter den Füßen wegbricht, quasi automatisch zu Pegida oder dem IS laufen, braucht Kommunismus eine bewusste Reflexion und Diskussionsprozesse, die nicht von selbst entstehen.
Ein besonderes Augenmerk gilt dabei auch der Kritik aktuell erfolgreicher Erklärungsmodelle im Zuge der Postwachstums-Bewegung. Diese erkennt zwar den Irrsinn einer Notwendigkeit von beständiger Ausweitung der Produktion auf Kosten der Menschheit, als Antwort auf diesen hat sie jedoch nur die schlechte Utopie einer kleinteiligen, ökologisch nachhaltigen Marktwirtschaft parat.

Datum: Donnerstag, 4.6.2015
Ort: AZ Conni, Rudolf-Leonhard-Str. 39, Dresden
Beginn: 20:00 Uhr

Fetischwettbewerb – Zur reaktionären Haltung der Gewerkschaften in Zeiten der Krise

Einem sinkenden Schiff hilft kein Kurswechsel: Eine Erwiderung auf Stephan Schulmeisters keynesianistische Krisenideologie, vorgetragen in der Gewerkschaftszeitung der GEW.

In der Februarausgabe der E&W (02/15) unternimmt der Ökonom Stephan Schulmeister den Versuch, die gegenwärtige Krise als das Resultat einer fehlgeleiteten Ideologie – des Neoliberalismus – darzustellen. Es handelt sich bei seinem Beitrag (Fetisch „Wettbewerb“) um einen typischen Versuch der staatszentrierten Linken zur Rückbesinnung auf einen vermeintlich „guten Kapitalismus“, einen Aufruf zum Zurück zu den seligen Zeiten des Wirtschaftswunders, bevor in den 70er Jahren scheinbar völlig unvermittelt die „Interessen des Finanzkapitals“ das Ruder übernommen haben. (mehr…)

Das Scheitern von Syriza und der linken Illusionen

Syriza war als „Partei der radikalen Linken“ angetreten und hatte als solche die Wahlen in Griechenland gewonnen. Einen Monat nach Regierungsantritt gibt es keinen Punkt mehr, an dem diese Partei nicht gescheitert wäre und nicht sich selbst verraten hätte. In den Verhandlungen zur Verlängerung der EU-Kredite für Griechenland hatte Syriza alle ihre vormaligen Ziele und Wahlversprechen aufgegeben. Der von Syriza geforderte Schuldenschnitt für Griechenland war bereits Anfang Februar offiziell umgewandelt in „Umschuldungen“, „Fristverlängerungen“ usw. Am Freitag, den 20.01. wurde auch der andere Punkt aufgegeben: das Ende der Troika und der EU-Spardiktate. In den Verhandlungen hatte Syriza zugestimmt, dass sie keine von der EU diktierten „Reformmaßnahmen“ der Vorgängerregierung zurücknehmen und auch keinerlei weitere Schritte unternehmen würde, die der Troika zuwiderlaufen. In den „Reformmaßnahmen“, die Syriza der EU am 23.02. vorlegen musste, bleibt vom sozialen Programm nur die Ausgabe von Essensmarken übrig.

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Wer von Pegida spricht, darf vom Kapitalismus nicht schweigen!

  1. Die Pegida-Bewegung ist nicht allein Ausdruck des Dresdner Alltagsrassismus und der nach wie vor bedrohlichen ostdeutschen Neonaziszene. Die politische und mediale Auseinandersetzung mit Pegida beschränkt sich zwar thematisch auf Pegidas Kampf gegen eine vermeintliche „Islamisierung des Abendlandes“ und gegen ”Wirtschaftsflüchtlinge“. Der Zulauf und die weitverbreitete gesellschaftliche Sympathie für diese Bewegung sind aber auf diese Weise nicht zu erklären.
  2. Die Pegida-Bewegung besitzt ihren Nährboden in der Krise des Kapitalismus. Ökonomische Ungewissheit, staatlich verordnete Prekarisierung, Zerfall sozialer Sicherheiten und steigender Leistungsdruck bei geringerer Lebensqualität bewirken eine massive gesellschaftliche Verunsicherung. Die Angst vor der eigenen wie gesellschaftlichen Zukunft trifft jede(n) einzelne(n). Als Reaktion auf diese gesellschaftliche Grundstimmung ist Pegida weit über Dresden hinaus zur Projektionsfläche eines vermeintlichen Sozialprotests geworden – gegen die Herrschenden, gegen die allgemeinen gesellschaftlichen Lebensverhältnisse, und gegen die politische und mediale Entmündigung. In der Heterogenität der Pegida-Ideologie kann sich fast jeder gesellschaftliche Unmut wiederfinden.
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Wahllos glücklich, begriffslos traurig

Zum Aufruf zur „Wahllos glücklich“-Demo der Ura Dresden

Am Vorabend des Wahltags zu einer Demonstration gegen die bürgerliche Demokratie aufzurufen, ist ein Anliegen, mit dem wir durchaus sympathisieren, noch dazu in Dresden, wo linksradikale Kritik und Aktivitäten sich solange wir denken können auf die Organisation von Antifa-Events beschränken.

Wenn wir den Aufruf der Undogmatischen radikalen Antifa (Ura) Dresden lesen, finden wir allerdings recht wenig, woran sich anknüpfen ließe, vielmehr fragen wir uns, zu welchem Zweck Leute einen solchen Aufruf publizieren und eine solche Demo veranstalten wollen.

Der anderthalbseitige Aufruf ist ein assoziatives Gemisch von tatsächlich recht bürgerlich-demokratischen Phrasen: es geht gegen den Konsum-Konformismus; die mangelnde Mitbestimmung außerhalb der Wahlperiode; (mehr…)

Zum Tod von Robert Kurz

Vorbemerkung: Robert Kurz ist am 18. Juli 2012 im Alter von 68 Jahren an den Folgen einer Operation gestorben, wie die Redaktion von Exit! und verschiedene Presseberichte mitteilten. Es kommt mir nicht zu, einen Nachruf auf diesen Menschen zu schreiben, den ich persönlich nicht weiter kannte. Gleichwohl hatte ich nach dem Lesen verschiedener Blog-Beiträge, die seinem theoretischen Werk m.E. nicht gerecht wurden, das Bedürfnis einer kurzen Würdigung für einen Menschen, dessen kritische Theorie mein eigenes Denken tief geprägt hat.

Robert Kurz trug in den vergangenen dreißig Jahren wie kein anderer zur Formulierung einer radikalen und kompromisslosen Kritik der modernen kapitalistischen Gesellschaft bei. Seine unglaubliche Leistung auf dem Gebiet der kritischen Gesellschaftstheorie begann 1986 mit grundlegenden Arbeiten zum Marxschen Wert- und Fetisch-Begriff, aus denen sich eine weitreichende Neubestimmung des kritischen Verständnisses des Kapitalismus ergab: nicht Privateigentum und subjektive Ausbeutung durch die Kapitalistenklasse bildeten das Wesen der kapitalistischen Gesellschaft, sondern die gesellschaftlichen Formen von Wert und abstrakter Arbeit, welche die gesamte Gesellschaft einem objektiven Akkumulationszwang unterwarfen. (mehr…)

Die Kritik des Stachels

Gegen Martin Dornis, die antideutsche Ideologie, und ihre linken Adepten.

„Heute löken die meisten mit dem Stachel.“
– Theodor W. Adorno, Minima Moralia

Der folgenden Artikel entstand anlässlich der Einladung des wohl dümmsten aller antideutschen Nachwuchs-Ideologen – Martin Dornis – zu einem Vortrag zur „Kritik des Poststrukturalismus“ durch den Vorbereitungskreis des „Café Negation“ in Dresden. Trotz ausführlicher Gespräche und Darstellungen waren die Leute vom Café Négation nicht davon zu überzeugen, der geistigen Niete Dornis die Möglichkeit für die Darstellung seiner zusammengebastelten Ideologie zu verweigern. Dies ist Anlass genug, nicht nur den Inhalt der antideutschen Ideologie am Beispiel des verleumderischen und unwahren Geschwätzes von Dornis darzustellen, sondern auch das Verhältnis derselben zu ihrem Szene-Publikum zu beleuchten.

Artikel als PDF: DieKritikdesStachels.pdf

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Zeitschrift „Steigende Fluten“ erschienen

Wir möchten an dieser Stelle auf die unlängst erschienene Zeitschrift „Steigende Fluten“ verweisen: http://steigendefluten.wordpress.com.