Black Monday http://blackmonday.blogsport.de Gruppe Black Monday Thu, 22 Oct 2015 18:05:23 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Hirn statt Hetze! http://blackmonday.blogsport.de/2015/10/18/hirn-statt-hetze/ http://blackmonday.blogsport.de/2015/10/18/hirn-statt-hetze/#comments Sun, 18 Oct 2015 14:25:29 +0000 Administrator Flugblätter & Texte http://blackmonday.blogsport.de/2015/10/18/hirn-statt-hetze/ Seit einem Jahr finden in Dresden die rassistischen Pegida-Proteste statt – und schon seit vielen Monaten ohne nennenswerte Gegenaktionen. Das soll sich zum Jahrestag am 19. Oktober mit einer bundesweit geplanten Großdemonstration ändern, was wir sehr begrüßenswert finden. Die Sprache des Aufrufs „Herz statt Hetze“ zeigt jedoch die Beschränktheit des bürgerlich-demokratischen Antifaschismus, welcher angesichts der Nazibanden auf der Straße und Rechtsparteien im Parlament den grundsätzlichen gesellschaftlichen Widerspruch übersieht:

„Seit nunmehr einem Jahr haben in Dresden Hass, Rassismus und Gewalt ihre abendländische Heimat gefunden. Von hier strahlt die Menschenfeindlichkeit ins ganze Land. Die Grundfesten unseres Zusammenlebens geraten in Gefahr.“ 1

Nein! Nein! Und nochmals Nein! Nicht erst seit einem Jahr haben in Dresden Hass, Rassismus und Gewalt eine Heimat gefunden. Sie waren hier immer schon zu Hause. Oder habt ihr schon die Nazidemos vergessen, die ihr über Jahre hinweg selbst blockiert habt? Habt ihr die Prügel und die Verfolgung von den Bullen vergessen, die seltsamerweise immer nur euch traf und nicht die Faschos? Habt ihr den Hass und die Verachtung in Schulen, Ämtern und in euren Büros nicht mitbekommen, den alles traf, was irgendwie anders war?

Der Hang zum Menschenhass verbreitet sich auch nicht von Pegida in Dresden auf das Umland, sondern hat dort schon seit je her sein Hinterland, in Pirna, Hoyerswerda, Löbau und so ziemlich jedem sächsischen Scheißkaff, in dem keine Migrant*innen wohnen, dafür aber das „sächsische Volk“ mit angeschlossener Schlägertruppe im ortseigenen Neonazi-Jugendclub.

Und schließlich ist das hier auch nicht „unser Zusammenleben“, was von „denen“ gefährdet wird. Vielmehr ist das, was dort marschiert, in dem von euch so bezeichneten „Zusammenleben“ gewachsen. Der neofaschistische Mob, gegen den ihr euch richtet, ist Produkt desselben kapitalistischen Systems, desselben Deutschlands, desselben „Elbflorenz“ für das ihr mal wieder in die Bresche springt.

Zum Kotzen auch die scheinheilige Moral, die ihr das „Herz unserer Gesellschaft“ nennt. Wir haben Hochachtung vor allen, die ihre Zeit und Ressourcen für die Unterstützung der Notleidenden einsetzen. Doch einer Gesellschaft in der Tausende darauf angewiesen sind, dass ihnen aus moralischen (also letztlich beliebigen) Gründen Almosen zu teil werden und sie jeder Zeit fürchten müssen, elend zu verrecken, gehört niedergerissen!

Eine Gesellschaft die Kriege führt, die ganze Weltregionen ökonomisch und militärisch zerstört und deren Flüchtlinge an ihren Grenzen verrecken lassen will, gehört niedergerissen!
Eine Gesellschaft die alle Menschen in Konkurrenz zueinander setzt – von wegen „unser Zusammenleben“! – und somit „einen sozialen Krieg Aller gegen Alle“ erzeugt und dadurch Hass, Rassismus und Gewalt selbst aus sich hervorbringt, gilt es nicht zu verteidigen, sondern niederzureißen.

Das Problem heißt Kapitalismus!

BM

PS: Für den 19. Oktober gilt es natürlich trotzdem, Pegida in die Festsuppe zu spucken. Lasst knallen!

  1. http://www.dresden-nazifrei.com/index.php/pegida/721-herz-statt-hetze [zurück]
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Hinweis: neuer Text zum Finanzkapital http://blackmonday.blogsport.de/2015/08/22/hinweis-neuer-text-zum-finanzkapital/ http://blackmonday.blogsport.de/2015/08/22/hinweis-neuer-text-zum-finanzkapital/#comments Sat, 22 Aug 2015 20:40:58 +0000 Administrator Flugblätter & Texte http://blackmonday.blogsport.de/2015/08/22/hinweis-neuer-text-zum-finanzkapital/ Von Markus Winterfeld ist unlängst in der „Kritischen Perspektive“ ein Abriss zur Marxschen Krisen- und Finanzkapitaltheorie im 3. Band des Kapitals erschienen, zu finden hier:

Die Überproduktionskrise, das Finanzkapital und die Gelddruckerei der Zentralbank

Es stimmt keineswegs, dass Marx zu aktuellen Phänomenen wie Börse, Finanzkapital und Zentralbankgeld nichts zu sagen hätte. Ganz im Gegenteil: Marx beschäftigte sich im „Kapital Band III“ auf mehreren hundert Seiten mit nichts anderem als mit Krise, Kredit und staatlicher Geldpolitik. Dieser Aufsatz ist ein Versuch, die von Marx eingeführten Begriffe und Unterscheidungen aufzugreifen und mithilfe derselben eine rationale Theorie der heutigen Krisensituation und ihrer weiteren Perspektive zu skizzieren.

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Vortrag am 04.06. Kommunismus oder Barbarei. Zur Notwendigkeit kommunistischer Kritik http://blackmonday.blogsport.de/2015/05/27/vortrag-am-04-06-kommunismus-oder-barbarei-zur-notwendigkeit-kommunistischer-kritik/ http://blackmonday.blogsport.de/2015/05/27/vortrag-am-04-06-kommunismus-oder-barbarei-zur-notwendigkeit-kommunistischer-kritik/#comments Wed, 27 May 2015 19:40:47 +0000 Administrator Flugblätter & Texte http://blackmonday.blogsport.de/2015/05/27/vortrag-am-04-06-kommunismus-oder-barbarei-zur-notwendigkeit-kommunistischer-kritik/ Wir werden am Donnerstag, den 4. Juni einen Vortrag beim Offenen Antifa Treffen halten:

Kommunismus oder Barbarei. Zur Notwendigkeit kommunistischer Kritik.

Im Jahre 2007 bestätigte sich mit dem Ausbruch der aktuellen weltweiten Krise aufs Neue die Erkenntnis von Karl Marx, dass der alles beherrschende Zweck der kapitalistischen Wirtschaftsweise – die Akkumulation von toter Arbeit – im unlösbaren Widerspruch zum Mittel seiner Produktion, der Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkräfte, steht. Grund der Krise ist nicht etwa, dass zu wenig, sondern dass zu viel produziert wurde in Bezug auf die Verwertungsmöglichkeiten des Kapitals. Der real existierende und im Überfluss vorhandene konkrete Reichtum – Nahrungsmittel, Wohnraum, uvm. – steht einer Verarmung und Verelendung wachsender Teile der Weltbevölkerung gegenüber. Einhergehend damit spitzen sich rassistische und patriarchale Krisenideologien zu, von Pegida bis zum Islamismus.

Anstatt aber dieser wahnwitzigen Gesellschaftsform, welche zunehmend die Lebensgrundlagen der Menschheit untergräbt, den Kampf anzusagen, zieht sich der linke Diskurs zur Krise großteils zurück auf demokratische Phrasen und auf den Mythos der Möglichkeit einer Teilhabe im Bestehenden. Der Kommunismus, also die Ersetzung der Herrschaft des Werts und des Patriarchats durch die kollektive Selbstverwaltung der Menschheit, ist verbannt in die bloße Parole, wenn nicht sogar in den nostalgischen Blick zurück auf die kapitalistischen Modernisierungsdiktaturen des sogenannten Realsozialismus.

All dem entgegen möchten wir mit unserem Vortrag auf der Notwendigkeit der radikalen Kritik des Bestehenden beharren. In einem kurzen Durchgang durch die Marxsche Ökonomiekritik soll ein Erklärungsansatz für die aktuelle Situation gegeben, sowie auf die grundlegenden Bedingungen für eine Gesellschaft jenseits von Herrschaft und Profit eingegangen werden. Dass die Zeit dafür eilt, liegt auf der Hand: während die kapitalistisch sozialisierten Individuen, denen ihre Gesellschaft unter den Füßen wegbricht, quasi automatisch zu Pegida oder dem IS laufen, braucht Kommunismus eine bewusste Reflexion und Diskussionsprozesse, die nicht von selbst entstehen.
Ein besonderes Augenmerk gilt dabei auch der Kritik aktuell erfolgreicher Erklärungsmodelle im Zuge der Postwachstums-Bewegung. Diese erkennt zwar den Irrsinn einer Notwendigkeit von beständiger Ausweitung der Produktion auf Kosten der Menschheit, als Antwort auf diesen hat sie jedoch nur die schlechte Utopie einer kleinteiligen, ökologisch nachhaltigen Marktwirtschaft parat.

Datum: Donnerstag, 4.6.2015
Ort: AZ Conni, Rudolf-Leonhard-Str. 39, Dresden
Beginn: 20:00 Uhr

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The failure of Syriza (and of the Left’s illusions) http://blackmonday.blogsport.de/2015/04/23/the-failure-of-syriza-and-of-the-lefts-illusions/ http://blackmonday.blogsport.de/2015/04/23/the-failure-of-syriza-and-of-the-lefts-illusions/#comments Thu, 23 Apr 2015 19:53:17 +0000 Administrator In English http://blackmonday.blogsport.de/2015/04/23/the-failure-of-syriza-and-of-the-lefts-illusions/ (Click here for German version.)

Syriza participated in the Greek elections of January 2015 as the „party of the radical left“ and as such it became elected. Now, one month after taking office and after endless negotiations with the European Union, there is not a single point in which this party hasn‘t failed or hasn‘t betrayed its goals and promises. The debt cut, which Syriza initially demanded, had been officially changed into „refinancing“, „payment extensions“ etc. already in early February. On Friday, 20th January, Syriza’s second key promise was also given up: the end of the Troika and the EU austerity dictates. In the negotiations, Syriza had conceded not to move back on any of the „reform measures“ dictated by the EU and implemented by the previous government, and furthermore not to take any steps which might run contrary to the Troika. In the list of its own „reform measures“, which Syriza had to submit to the EU on the 23.02.2015, the only remainder of its grandly announced social program is the handing out of food stamps.

Syriza’s failure couldn‘t be more complete. No one is immune against the possibility of failure. Mistakes are made, situations are misjudged. But what is one to expect from Syriza now? First of all, that they admit their failure: out of honesty and liability towards all the people in Greece, which Syriza was to represent, and whose further impoverishment they are now to execute for an indefinite time. They could, after all, still make use of their option to withhold their approval to the EU measures, or they could simply step back. – But what do these new big men at the head of the state do instead? They bluntly report their obvious failure as a victory. On the 21.02.2015, just one day after their unconditional surrender, Tsipras actually had the impudence to declare: „Yesterday we have taken a decisive step. We leave the austerity measures, the bailout program and the Troika behind us.“ And this was meant to be the portrayal of an „agreement“, on which even Schäuble commented that it would be difficult for Syriza „to explain that to its voters“.

It is high time for a realistic evaluation of this „party of the radical left“ and to get rid of all the „left-wing“ illusions attached to it. The impudence, in which they lie to themselves, and to all those whose impoverishment they will now carry forward for the next years, shows that there is nothing left to expect of Syriza. This supposedly „radical left“ had, from the very beginning, nothing to do with any actual social critique, with any critique of the necessary crisis and the absurdity of capitalist production – a production solely for profit, never for human needs. Syriza never wanted to talk about the irrationality of this capitalist system of profit production, which ruins people not because there is too little being produced, but because there is too much produced and the individual worker becomes thus superfluous and dispensable for capital. It never wanted to talk about all that which are silent preconditions of profit production’s beautiful „rationality“ in the Western centers: not about the patriarchal and sexist delegation of reproduction to women, not about the racist exclusions. Syriza’s pseudo-Marxist finance minister Varoufakis never aimed at any refusal of the absurd constraints, which capitalism puts on human social life. The goal, from the very beginning was nothing but an alternative capitalist economic program: just like all parliamentary and democratic parties, Syriza had committed itself to the capitalist recovery, to business profits and the creation of „employment“ in capitalist enterprises. The „alternative“ was not about the question of what would be the goal, but only about the question how this was to be achieved: Syriza always understood and still understands itself as the advocate of an alternative economic ideology, which instead of „save costs and work more“ has the alternative credo of „borrow, create more „employment“ and work more“ as its maxim. In both cases, the goal is as pointless as it is impossible to achieve.

It is clear that the „Keynesianist“ economic program – named after the British economic „scientist“ John Maynard Keynes and aiming at public spending by the state to support the economy – cannot work any more today. The current crisis is not caused by a lack of capital, but by an absolute abundance, an over-accumulation of capital: on the one hand, billions of Euro can‘t find a „profitable“ investment opportunity, while on the other, capitalist industrial production is paralyzed by saturated markets, a surplus supply of commodities (indicated already by the low prime rate of interest for all the money that can‘t find any demand).

The intrinsic logic and necessity of the crisis thus can‘t be beaten by these seemingly „well-meaning“ capitalist economic programs. What is necessary today and what is imminent to the logic of the crisis is the complete devaluation of the superfluous capital, the erasure of the unprofitable billions of Euros – a still pending erasure, which was only delayed, but not prevented after the economic crash of 2009. In the current situation, an additional public lending program, i.e. an increase of the superfluous capital, would in turn only increase the overproduction and underemployment. The crash is inevitable and with every „bailout package“, with every „financial injection“, its impact on the masses of people will only be more devastating.
This is not the right place for a complete exposition of crisis theory. It is nevertheless necessary to firmly grasp that even in case of a success in the negotiations with the EU, Syriza’s program could not overcome the current logic of crisis, overproduction, underemployment and impoverishment, but would rather continue the downward spiral of mass poverty.

The fact that Syriza never even imagined a break-out from the capitalist-democratic coercive system is also obvious when it comes to the very way in which Syriza entered negotiation with the Troika and the EU governments. Syriza’s „constructive“ negotiation with the reigning institutions have nothing in common with the radical left. The initial, almost naive rumbling in the corridors of the EU could never hide the fact that Syriza joined the negotiations as an utterly normal bourgeois party, and thus accepted all facets of the system and its „rules of the game“. It had thus accepted, that the life and survival of the people in Greece was dependent upon the premise that the interests of the different European capitalist factions – represented by the European finance ministers – were to be satisfied. It had thus accepted that even the hope for a relief of the social misery for the people in Greece was dependent upon the premise, that concessions to the bourgeois parties of Europe, representing again the interests of capital, were made. Walking the way of every social-democratic party, it was more important for Syriza to honor these bourgeois game rules, than to put its own social goals into practice.

Thus, Syriza at last had no choice but to also bury its „alternative“ economic program – which was nothing but a poor relaunch of „Keynesianist“ illusions – last week. On the next lower level of „compromise“, this allegedly left-wing alternative now has accepted that cost saving is to be done – and again wants to falsely assert its „sovereignty“ by deciding about the „how“: instead of cost-cutting social welfare, the money shall be collected by fighting corruption, tax avoidance etc. This is an endless game, and it is plain to see that the needed billions will never be gathered that way (or in any other way that avoids a debt cut). It is thus as well plain to see, that the austerity politics will be continued. Syriza has failed.

Now, what lessons are to be learned from this self-abandonment and failure of Syriza?

  1. Of all the different „left wing parties“ which stand for election in the different European countries, Syriza was the most „left-wing“ and most „radical“. Its complete failure anticipates the failure of the German „Die Linke“, of the Spanish „Podemos“, of the „unconditional basic income“, the „post-growth economy“ and all other capitalist sham alternatives. Compared with Syriza, these parties don‘t even have the aspiration to touch any part of the economic order or policy. Just like Syriza, all of them are committed to the valorisation of capital, the system of property ownership and the interests arising from them.
  2. Syrizas shameful failure shows the failure of parliamentarism and all left-wing state illusions: the bourgeois state is and will always remain an apparatus of domination: capitalist, racist, patriarchal, sexist. Whoever aspires to wield its power has to accept its necessities – first of all, the necessity that it remains solvent, i.e., that it can finance itself from successful capital accumulation and the successful exploitation of the workers. The commitment to the success of national capital valorization and accumulation – the only source of all state budgets and political power! –, means the rejection of any radical social change, which would always endanger this valorisation and the public tax income derived from it. In order to step out of this cycle, social movements need to free themselves from the bondage of „affordability“ and show that all the goods needed for social reproduction are already present or can be produced with the present production facilities. The barrier to their production – and thus to the fulfillment of basic human needs – is only a relative one, namely that of capitalist profitability.
  3. The mechanism of Syriza’s betrayal of its own goals and of the people in Greece is itself part of the „beautiful system“ of representative democratic capitalism. Once elected, the new „big men“ Tsipras and Varoufakis are formally no longer bound to the well-being of their voters, but to the functioning of the capitalist state. Their new „partners“ are the reigning elites within the EU, NATO etc. The ballot box is not the usage of the power of the individual, but its abdication.
  4. The EU’s enforcing of Syriza’s unconditional surrender shows itself the weakness of the capialist-democratic domination. The possibility of resolving the conflict within the system, the transformation of all critique into a mere alternative within the system, reaches its own limits during the crisis. The system thereby shows its own limits and instability: whoever wants to stop the mounting impoverishment of the people, whoever wants any social improvement, can no longer expect any results from delegating it to parlamentarians, no matter what „radical“ image they portray of themselves.
  5. So what is the left to do now? (I.e., the radical left movement, not the German or other left-wing parties.) – It must finally start to take its social destiny into its own hand. It has to fundamentally reject any notion of handing over its goals to these „big men“ and to watch their success or failure just like a soccer game on TV. In Greece, it could be advantageous to exploit the current confusion of the Greek democratic reigning elite: it still hasn‘t accepted its role as bloodhound of the European and Greece bourgeoisie, it still isn‘t determined to quell any protests. Now would be the time for more appropriations, more factory occupations, more squatting, and a decisive advance against the fascists of „Golden Dawn“ at all levels. This offensive practice is ever more urgent, since the current Greek confusion might be over in a couple of month.
  6. And the radical left in Germany? – It is far away from contributing anything that might be of direct support for the people in Greece. Instead of absorbing itself now in an immanent and merely symbolic pseudo-practice or putting its hope in another relaunch of supposedly „revolutionary“ upheaval in the peripheral regions, it should stand up to its historic responsibilty as the left and strive for an education and explanation of the current conditions: now is the time not to keep the knowledge about the inner workings and tendencies of capitalist society to oneself, but to offensively and publicly confront and denounce the reigning bourgeois and democratic interpretations of the crisis and of capitalist society in general. Here and now. This is the only way in which the German left may gain strength, in order to become capable of social intervention.

We are now in an epoch, in which every person in the radical left needs to ask herself, what she or he has contributed in our times, in which everything was dependent on the fact that those who know the workings of capitalist society do no longer keep it to themselves, but wield it against the reigning system and its self-interpretation. If the silence of the radical left isn‘t overcome now, the left will be confined to only lamenting and philosophizing on the social conditions for yet another generation.

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Fetischwettbewerb – Zur reaktionären Haltung der Gewerkschaften in Zeiten der Krise http://blackmonday.blogsport.de/2015/03/17/fetischwettbewerb-zur-reaktionaeren-haltung-der-gewerkschaften-in-zeiten-der-krise/ http://blackmonday.blogsport.de/2015/03/17/fetischwettbewerb-zur-reaktionaeren-haltung-der-gewerkschaften-in-zeiten-der-krise/#comments Tue, 17 Mar 2015 19:37:56 +0000 Administrator Flugblätter & Texte http://blackmonday.blogsport.de/2015/03/17/fetischwettbewerb-zur-reaktionaeren-haltung-der-gewerkschaften-in-zeiten-der-krise/ Einem sinkenden Schiff hilft kein Kurswechsel: Eine Erwiderung auf Stephan Schulmeisters keynesianistische Krisenideologie, vorgetragen in der Gewerkschaftszeitung der GEW.

In der Februarausgabe der E&W (02/15) unternimmt der Ökonom Stephan Schulmeister den Versuch, die gegenwärtige Krise als das Resultat einer fehlgeleiteten Ideologie – des Neoliberalismus – darzustellen. Es handelt sich bei seinem Beitrag (Fetisch „Wettbewerb“) um einen typischen Versuch der staatszentrierten Linken zur Rückbesinnung auf einen vermeintlich „guten Kapitalismus“, einen Aufruf zum Zurück zu den seligen Zeiten des Wirtschaftswunders, bevor in den 70er Jahren scheinbar völlig unvermittelt die „Interessen des Finanzkapitals“ das Ruder übernommen haben.

Dabei greift er bewusst auf die Marx’sche Rhetorik des „Fetischs“ zurück, womöglich um zu zeigen, dass „der Wettbewerb“ seit den 70er Jahren eine gleichsam religiöse Götzenstellung für die politischen und ökonomischen Entscheidungsträger eingenommen hat.1

Schulmeisters Aufsatz zeichnet sich zuvorderst dadurch aus, dass er die an und für sich profitgetriebene Verwertungslogik des kapitalistischen Wirtschaftssystems an keiner Stelle in Frage stellt. Wenn er auch vom „Fetisch ‚Wettbewerb‘“ abweicht, so teilt er den viel grundlegenderen Fetisch von „Marktwirtschaft“ und Profitproduktion. Schulmeisters Kritik beschränkt sich lediglich auf die „neoliberal-finanzkapitalistische ‚Spielanordnung‘“, die er für die Hauptursache der gegenwärtigen Krise hält. Diese „Spielanordnung“ nun meint er, mit der üblichen keynesianistischen Triade von Staatsinvestition, Lohnsteigerung und Finanzmarktregulierung im Sinne eines vermeintlich guten alten Kapitalismus einfach aufheben zu können.

Seiner Meinung nach wäre der „Euro als politisches Projekt zur ‚europäischen Integration‘“ lediglich unter den falschen (also neoliberalen) Vorzeichen angegangen worden und hätte so zu einer Schwächung der Realwirtschaft zu Gunsten der „entfesselten Finanzmärkte“ geführt. Seit dem in den 1990er Jahren mit den Maastricht-Kriterien der Politik die Vorrangstellung vor dem Markt genommen worden wäre, entfalte sich, ausgehend vom Herd des Neoliberalismus (Deutschland), eine Politik, „die das Gewinnstreben von der Realwirtschaft zur Finanzalchemie verlagern“ würde. So entstand ein krisenhaftes Ungleichgewicht zwischen Deutschland, wo insbesondere die Senkung der Reallöhne durch Hartz IV eine Senkung der Lohnkosten erwirkt hätte, und den Ländern Südeuropas, für die Schulmeister indirekt einräumt, dass die Gewerkschaften dort, im Gegensatz zu ihren Schwestern in Deutschland, tatsächlich noch so etwas wie Lohnerhöhungen durchsetzen konnten. Die schulmeisterliche Analyse brilliert sodann mit folgender Milchmädchenrechnung:

„Wie gefährlich diese Entwicklung war, wurde auch deshalb nicht erkannt, weil sie beiden Seiten zu nützen schien: In Deutschland erhielt die Wirtschaft dringend benötigte Impulse vom Importboom der übrigen Euro-Länder, letztere profitierten von einer besseren Versorgung mit Gütern „made in Germany“. Tatsächlich wurde so aber ein Krisenpotenzial aufgebaut, das sich nach Ausbruch der Finanzkrise entladen musste.“

Nachdem Schulmeister für uns den Schleier gelüftet und festgestellt hat, dass die Waren, die die deutschen Unternehmen im Ausland verkaufen, auch gleichzeitig dort gekauft werden, fordert er im klassisch keynesianistischen Sinne einen „New Deal für Europa“ – das übliche Tamtam von öffentlichen Investitionen in Bildung usw. bis expansiver Fiskal- und Lohnpolitik –, um schließlich zu jenem Punkt zu kommen, der dem hart arbeitenden Deutschen sicher am meisten auf der Seele brennt und die ganze Verlogenheit der DGB-Gewerkschaften auf den Punkt bringt:

„Geschieht dies nicht, wird Deutschland einen Großteil seiner angehäuften Leistungsbilanzüberschüsse verlieren. Denn ein Gläubigerland kann nur dann seine Forderungen erstattet bekommen, wenn es den Schuldnern die Möglichkeit der Tilgung einräumt. Dazu muss es seine Leistungsbilanz in ein Defizit drehen, dem Ausland also mehr abkaufen als es selbst verkauft. Gelingt dies dem Gläubigerland nicht, so werden seine über viele Jahre akkumulierten Netto-Exporte zu Geschenken an das Ausland – „Exportweltmeistertum“ endete in der Wirtschaftsgeschichte immer so.“

Das gilt es in jedem Fall zu verhindern: Dass „Deutschland“ (also das deutsche Kapital) den ganzen Schrott im europäischen Süden auf Pump verkauft und die Ökonomien dann auch noch daran zugrunde gehen (und die Leute verhungern), bevor sie die Rechnung bezahlt haben, das verträgt der hart arbeitende Deutsche nicht. Die Leserschaft an der volksgemeinschaftlichen Ehre gepackt, versöhnt Schulmeister sie schlussendlich mit den Verhältnissen:

„Gewiss: Auch die Produktion von Geschenken an das Ausland schafft Arbeitsplätze, doch wäre es nicht besser, wenn sich Deutschland selbst beschenkt? Etwa mit Investitionen in das Bildungs- und Sozialsystem, in Umwelt und Infrastruktur und mit Verbesserungen der Lebens- und Entfaltungschancen junger Menschen.“

Die Argumentation steht geradezu beispielhaft für die Befangenheit der staatszentrierten (oder in anderen Worten: sozialdemokratischen) Linken in Deutschland im System der gelingenden Kapitalverwertung, von dem sie ebenso abhängig ist, wie die Unternehmen und das politische System selbst. Anstatt dem von ihm kritisierten „Fetisch“ den Boden zu entziehen, steigt Schulmeister mit seinem eigenen in den Ring.

Das Publikum weiß er bei diesem Fetischwettbewerb hinter sich, schließlich sind die Forderung nach „höheren Löhnen“ und die Bekämpfung der „Finanzalchemie“ Balsam auf die von Rückzugskämpfen geschundene Gewerkschafterseele.

Welche Kritik lässt sich nun an Schulmeisters Beitrag exemplarisch entfalten?

1. Seine Argumentation ist unhistorisch und vergisst die notwendige Entwicklung des Kapitalismus hin zur Krise:

Schulmeister hält die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung seit den 1970er Jahren für eine willkürlich Ideologie-getriebene und deshalb letztlich auch durch anderes Denken rückgängig zu machende. Dabei erkennt er in seinem Beitrag doch an, dass die wirtschaftliche Lage in Deutschland noch vergleichsweise rosig aussieht, gerade weil die Löhne im Vergleich zu den südeuropäischen Staaten in den letzten Jahrzehnten unterdurchschnittlich gestiegen sind. Jeder Ökonom wird ihm bestätigen, dass gerade durch die strukturellen Verarmungsgesetze (Agenda 2010, die sicher nicht die letzte „Alternativlosigkeit“ bleiben wird) die Arbeitsmarktsituation in Deutschland augenscheinlich noch nicht derart desaströs aussieht, wie in Griechenland, Portugal oder Italien. Obwohl ein Blick in die Statistik zeigen wird, dass auch in der BRD die strukturelle Arbeitslosigkeit und die strukturelle Staatsverschuldung seit den 1970ern steigen.
Eine systematische Analyse der krisenhaften Entwicklung, wie sie beispielsweise Robert Kurz ansatzweise vorgenommen hat (Schwarzbuch Kapitalismus u.a.) wird ergeben, dass der Neoliberalismus keine beliebige und unvermittelt daherkommende Ideologie ist, die man durch eine andere (z.B. die keynesianistische) ablösen kann, sondern dass das Denken des sog. Neoliberalismus die Konsequenz aus der historischen Entwicklung des Kapitalismus selbst ist. Schließlich erwuchs der Neoliberalismus gerade aus dem Scheitern des Keynesianismus in den 1970ern, durch das die Nachkriegswirtschaft zum ersten Mal wieder in die Krise rutschte. Während die Arbeitslosigkeit in allen westlichen Ländern strukturell wuchs und wesentliche Sektoren der Industrieproduktion schrumpften, verpufften die staatlich-keynesianistischen Geldspritzen wirkungslos.
Es war gerade der Neoliberalismus, der seit den 1970ern die ins Stocken geratene kapitalistische Produktion künstlich aufrecht erhielt – durch den Verkauf staatlicher Sektoren und die Unterwerfung derselben unter den freien Markt; durch Rückbau des Sozialstaats; durch die fundamentale Ausweitung des Kreditsektors (und Kreditgeldes); schließlich durch Deregulierung der Finanzmärkte, so dass die mangelnde Profitabilität der „Realwirtschaft“ durch Spekulationsgeschäfte und Staatskredit eine Zeit lang überbrückt werden konnte. Die zugrundeliegende Krisentendenz wurde damit natürlich nicht überwunden, wohl aber erfolgreich um einige Jahrzehnte aufgeschoben, um nun auf viel größerer Stufenleiter umzuschlagen.
Was wir in den Ländern Südeuropas, aber auch anderen Staaten der kapitalistischen Peripherie sehen, ist folglich auch nicht die Konsequenz der neoliberalen Ideologie, sondern unsere Zukunft, ob „keynesianistisch“ oder „neoliberal“ verpackt.

2. Schulmeisters Beitrag ist „deutsche Ideologie“:

Er unterscheidet bei seiner „Analyse“ des Wirtschaftssystems zwischen der ‚guten, ehrlichen Arbeit‘, die verdientermaßen einen Teil des Verwertungskuchens abbekomme („Realkapital“) und dem ’schlechten, das Eigentliche schädigende Finanzkapital‘ (oder „Finanzalchemie“). Dass er sich hier in den Fängen des von ihm kritisierten Fetischs befindet, drückt bereits seine Rhetorik von der besagten „Finanzalchemie“ aus: Als ob es sich beim Finanzkapital um eine Art magische Hexenküche handelte, die von bösen Zauberern beherrscht würde.
Dass er hier (vermutlich unbemerkt) die bereits im Nationalsozialismus gängige Argumentation von „gutem schaffendem“ (der ehrlichen Arbeit) und „bösen raffendem“ Kapital (den gierigen Banken und Finanzmärkten) aufnimmt, ist nichts anderes als zu behaupten, dass das Wirtschaftssystem rein aus der Sphäre der Produktion bestehe und alles was mit ihrer Vermittlung zu tun hat – Verkauf, Finanzierung, Investition, kurz: das Geld – nichts damit zu tun hätte. Die Entwicklung des Banken- und Finanzsektors ist ein notwendiges historisches Resultat des kapitalistischen Systems als ganzem und nicht das Werk finsterer Mächte, die sich an den „ehrlichen Arbeitern“ bereichern wollten. So schafft die keynesianistische Krisenideologie die Quadratur des Kreises (oder einfach eine Umkehrung der Götzen): Sie verewigt eine Grundbedingung des kapitalistischen Systems (den Arbeitszwang) und verdammt gleichzeitig eine andere, nämlich die den Arbeitszwang vermittelnde Sphäre des Geldes.

3. Schulmeister nimmt an, dass die Folgen der Krise aufgehoben werden können, dabei ist sie noch gar nicht richtig ausgebrochen:

Es ist hier nicht der Ort für eine umfangreiche Krisenanalyse, doch ist es offenkundig, dass uns (insbesondere den Menschen in der BRD) der eigentliche „Entwertungsschock“ und seine verheerenden Konsequenzen noch bevor stehen. Mit den milliardenschweren „Rettungspaketen“ (die nicht „die Griechen“ retten, sondern u.a. den deutschen Bankensektor) und der indirekten Staatsfinanzierung durch die EZB (durch den Beschluss, monatlich Staatsanleihen im Wert von 60 Mrd. € zu kaufen) wird dieser Entwertungsschock für unprofitables Kapital nicht nur aufgeschoben. Vielmehr werden seine Konsequenzen noch verschärft. Auf der anderen Seite zeigt sich der ideologische (und hoffnungslose!) Charakter des Keynesianismus eben daran, dass die von ihm geforderte „expansive Fiskalpolitik“ bereits längst Realität ist. Und auch sie wird die bevorstehende Krise nicht verhindern können.

4. Auch nach der kommenden Entwertungskrise wird die sog. nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik (der „New Deal für Europa“) nicht greifen:

Historisch betrachtet hat der Keynesianismus nur ein einziges Mal funktioniert und zwar nach dem Zusammenbruch der Weltwirtschaft von 1929ff in den USA und, mit Unterbrechung durch die Verwüstungen des Zweiten Weltkrieges, in Europa. Wesentlich beruhte dieses Konzept auf der Ausdehnung der Märkte, die zu jenem Zeitpunkt noch möglich war:

Einerseits stellte die Zerstörung Europas im Zweiten Weltkrieg eine ungeheure Kapitalentwertung dar. Allein die durch den Marshallplan angekurbelte erneute Akkumulation zur Wiederherstellung des Ausgangszustandes musste eine gewisse Phase der ökonomischen Prosperität bedeuten. Unterstützt wurde diese durch die rasche globale Ausdehnung der Märkte in den sogenannten Entwicklungsländern und postkolonialen Staaten Südamerikas sowie in Asien, insbesondere China. Der im Norden Europas akkumulierte Reichtum hatte sein notwendiges Gegenstück im Elend der „Dritten Welt“, deren Verfall seit den 1960ern einsetzte. Und zuletzt konnte sich nach dem Zweiten Weltkrieg die fordistische Massenproduktion und -konsumtion in Europa endgültig durchsetzen, womit eine Ausdehnung der Märkte nach innen („weiße Ware“ und „braune Ware“ als Massenkonsumgüter) vonstatten ging. Diese permanente Expansion des Kapitalismus, verbunden mit der Flutung der ganzen Welt mit Waren, waren die Grundbedingungen für die kurze Phase der ökonomischen Prosperität in Westeuropa ab den 1950ern.

Mittlerweile haben sich diese Grundbedingungen aber aufgelöst. Der Kapitalismus, der nur durch Wachstum ist, hat seine Grenzen nicht nur erreicht, er hat sie (auf Kredit) bereits überschritten:
Die kapitalistische Produktion ist heute eine globale und kann sich nicht mehr territorial ausdehnen; sie ist tendenziell voll automatisiert, weswegen auch immer weniger Menschen im Verwertungsprozess tatsächlich notwendiger Arbeit nachgehen müssen, folglich also immer mehr Menschen (global betrachtet) für den Kapitalismus „überflüssig“ und aus der Konsumtion ausgeschlossen werden. Sie ist schlussendlich übersättigt: Die keynesianistische wie die neoliberale Wirtschaftsideologie gehen davon aus, dass der „stockende Motor“ der Produktion einfach irgendwie „angekurbelt“ werden müsste und sich folglich der automatische Verwertungskreislauf selbst wieder in Schwung bringen würde. Der Fehler hierbei: Das Stocken der Produktion ist gerade Folge davon, dass bereits zu viel produziert wird, d.h. immer weniger menschliche Arbeit für die Produktion notwendig ist. Die Unternehmen bleiben auf ihren Waren zunehmend sitzen, da die Märkte bereits damit überfüllt sind und die „Überflüssigen“ zwar ein „Bedürfnis“ danach haben, aber eben keine zahlungskräftige Nachfrage, keinen „Bedarf“.
Nun zu behaupten: „Gebt den Leuten doch das nötige Geld!“ ist ein Fehlschluss, denn:
Selbst wenn es so möglich wäre: Was wäre die Konsequenz aus einer weitergehenden Ausdehnung der Produktion – die wahrlich ungeheure Ausmaße annehmen müsste – anderes als die noch schneller fortschreitende Zerstörung unserer ökologischen Lebensgrundlagen? Widerspräche nicht das bloße Ankurbeln der Konsumtion zu Gunsten der haltlosen Produktion allen Vorstellungen von den „Grenzen des Wachstums“ und der Zerstörung des Planeten, die wir in den letzten Jahrzehnten erfahren mussten? Diese Fragen stellen sich aber nur rein theoretisch, denn
auf der anderen Seite wird durch so eine einseitige Erhöhung der Löhne zusätzlich die Produktion stillgelegt, da es eben in diesem System nicht darum geht, dass alles aufgegessen wird – sonst müsste ja heute schon niemand mehr hungern –, sondern um die gelingende Kapitalverwertung: Höhere Löhne schmälern Unternehmensgewinne, da letztere immer aus der Mehrarbeit der Arbeitenden gezogen werden. Steigt daher das Lohnniveau, sinkt gleichzeitig die Gewinnmarge der Unternehmen und die Produktion wird in heute schon kaum rentablen Unternehmen stillgelegt, da nichts produziert wird, was keinen Gewinn verspricht. Folglich würden durch die von Schulmeister geforderte „expansive Lohnpolitik“ erst recht unrentable Produktionszweige ausgemustert.

Fazit

Dies ist kein Plädoyer für die Fortführung der neoliberalen Wirtschaftspolitik; aber eben auch keines für linke, staatszentrierte Rettungsversuche des Verwertungssystems. Es ist die Zeit gekommen, da sich die Mitglieder von Gewerkschaften die Frage stellen müssen, ob sie sich dem Niedergang in dem sich ihre Organisationen befinden (ein Blick in die Entwicklung der Mitgliederzahlen der DGB-Gewerkschaften genügt) tatsächlich mit Rezepten entgegen stellen wollen, die das System von „Arbeit“, „Wert“ und „Profit“ aufs unendliche fortschreiben wollen und, wie oben kurz angedeutet, bereits im Voraus zum Scheitern verurteilt sind.
Das Schiff namens Kapitalismus ist im Sinken begriffen, da hilft auch kein Kurswechsel (und da ihm die Gewerkschaften mit Leib und Seele verschrieben sind, werden sie mit ihm untergehen).

Max Bluhme, März 2015

Anmerkungen

  1. Nebenbei verwechselt er jedoch den Fetisch mit einer bloßen (und letztlich beliebigen) Ideologie. Im Unterschied zum „falschen Bewusstsein“ nimmt der Fetisch für die in ihm befangenen Menschen ja tatsächlich Realität an, so auch für die Befürworter des Keynesianismus, wie Stephan Schulmeister. [zurück]
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Das Scheitern von Syriza und der linken Illusionen http://blackmonday.blogsport.de/2015/02/25/das-scheitern-von-syriza-und-der-linken-illusionen/ http://blackmonday.blogsport.de/2015/02/25/das-scheitern-von-syriza-und-der-linken-illusionen/#comments Wed, 25 Feb 2015 20:22:33 +0000 Administrator Flugblätter & Texte http://blackmonday.blogsport.de/2015/02/25/das-scheitern-von-syriza-und-der-linken-illusionen/ Syriza war als „Partei der radikalen Linken“ angetreten und hatte als solche die Wahlen in Griechenland gewonnen. Einen Monat nach Regierungsantritt gibt es keinen Punkt mehr, an dem diese Partei nicht gescheitert wäre und nicht sich selbst verraten hätte. In den Verhandlungen zur Verlängerung der EU-Kredite für Griechenland hatte Syriza alle ihre vormaligen Ziele und Wahlversprechen aufgegeben. Der von Syriza geforderte Schuldenschnitt für Griechenland war bereits Anfang Februar offiziell umgewandelt in „Umschuldungen“, „Fristverlängerungen“ usw. Am Freitag, den 20.01. wurde auch der andere Punkt aufgegeben: das Ende der Troika und der EU-Spardiktate. In den Verhandlungen hatte Syriza zugestimmt, dass sie keine von der EU diktierten „Reformmaßnahmen“ der Vorgängerregierung zurücknehmen und auch keinerlei weitere Schritte unternehmen würde, die der Troika zuwiderlaufen. In den „Reformmaßnahmen“, die Syriza der EU am 23.02. vorlegen musste, bleibt vom sozialen Programm nur die Ausgabe von Essensmarken übrig.

Das Scheitern könnte vollständiger nicht sein. Ein Scheitern kann jeden treffen, Fehler werden gemacht, Verhältnisse falsch eingeschätzt. Was sollte man von Syriza nun erwarten? Dass sie ihr Scheitern zugeben: aus Ehrlichkeit und Verantwortung gegenüber sich selbst, ihren Zielen und nicht zuletzt den Menschen in Griechenland, die sie repräsentieren wollten, und deren weitere Verelendung sie nun auf unbestimmte Zeit mit fortgeschrieben haben. Sie könnten immer noch den EU-Maßnahmen ihre Zustimmung verweigern oder zurücktreten. – Aber was machen diese neuen großen Männer an der Spitze des Staates stattdessen? Sie lügen ihr vollkommenes Misslingen als Erfolg um. Tsipras besaß tatsächlich die Dreistigkeit, am 21.02., also einen Tag nach seiner bedingungslosen Kapitulation, zu verkünden: „Gestern haben wir einen entscheidenden Schritt gemacht. Wir lassen die Sparmaßnahmen, das Rettungsprogramm und die Troika hinter uns“. Und dies als Darstellung einer „Einigung“, von der selbst Schäuble anmerkte, dass Syriza es schwer haben würde, „das ihren Wählern zu erklären“!

Es ist an der Zeit, mit dieser „Partei der radikalen Linken“ und allen daran hängenden Illusionen abzurechnen. Die Dreistigkeit, mit der sie sich selbst und diejenigen belügen, deren Verelendung sie auf unbestimmte Zeit nun fortschreiben, zeigt, dass von Syriza nichts mehr zu erwarten ist. Diese angeblich „radikale Linke“ verkörpert an keiner Stelle eine tatsächliche Sozialkritik, eine Kritik an der Krisenhaftigkeit und Sinnlosigkeit der kapitalistischen Produktion. Sie wollte nie reden über die Irrationalität des kapitalistischen Profitsystems, welches die Menschen in das Elend treibt, nicht weil zu wenig, sondern weil zu viel produziert wird und der/die Einzelne damit fürs Kapital „überflüssig“ wird. Sie wollte nie reden über das, was stumme Voraussetzung der „Rationalität“ der Profitproduktion in den westlichen Zentren ist: nicht über die patriarchale Wegdelegation der Reproduktion an Frauen, nicht über die rassistische Ausgrenzung. Was der pseudo-marxistische Finanzminister Varoufakis anstrebte, war nie und nimmer eine Ablehnung kapitalistischer Zumutungen, sondern ein alternatives kapitalistisches Wirtschaftsprogramm: wie alle parlamentarisch-demokratischen Parteien fühlte sich Syriza dem kapitalistischem Aufschwung, den Unternehmensprofiten und „Arbeitsplätzen“ in kapitalistischen Betrieben verpflichtet. Die „Alternative“ bestand nicht im was, sondern allein im wie: Syriza verstand und versteht sich als Vertreterin einer alternativen Wirtschaftsideologie, die anstatt von „Sparen und mehr arbeiten“ eben „Kredite aufnehmen, um mehr ‚Arbeit´ zu schaffen“ als Maxime vertritt. Das Ziel bleibt beide male so unsinnig wie sein Erreichen unmöglich ist: Das „Ankurbeln“ der kapitalistischen Wirtschaft in der ohnehin schon zuviel produziert wird, mittels einer Ausdehnung der Produktion.

Dieses altbekannte keynesianistische Wirtschaftsprogramm – benannt nach dem britischen Wirtschafts-“Wissenschaftler“ John Maynard Keynes – funktioniert heute aber nicht mehr. Die aktuelle Krise ist nicht die eines Mangels an Kapital, sondern eines Zuviel, einer Überakkumulation von Kapital: Billionen von Euro finden keine „profitable“ Anlagemöglichkeit mehr, während die Industrieproduktion mit einer Überfüllung der Märkte, einem Überangebot an Waren kämpft, ablesbar allein an den niedrigen Leitzinsen für Geld, das offenbar keinen Abnehmer mehr findet.

Was heute gemäß der Logik fällig wäre, die der kapitalistischen Krise innewohnt – und nach dem beginnenden Krach von 2009 nur aufgeschoben wurde –, ist eine Entwertung und Vernichtung dieses überflüssigen Kapitals, ein Verschwinden dieser unprofitablen Billionen. Ein zusätzliches staatliches Kreditprogramm, eine Vergrößerung dieses bereits im Übermaß vorhandenen Kapitals durch den Staat würde dessen Überproduktion und Unterbeschäftigung nur erweitern. Der Krach wird kommen und mit jedem „Rettungspaket“, mit jeder „Finanzspritze“ werden seine Auswirkungen auf die Menschen verheerender werden.

Es ist hier nicht der Ort für eine vollständige Herleitung der Krisentheorie. Wir müssen aber festhalten, dass selbst bei einem Erfolg in den EU-Verhandlungen Syrizas Programm keinen Ausweg aus der Verelendung mit sich gebracht hätte, sondern allenfalls eine Fortsetzung der Verarmungsspirale bedeutet hätte.

In dieser Hinsicht zeigt auch die „Verhandlungsführung“ Syrizas, dass diese Partei mit der radikalen Linken nichts zu tun hat. Das anfängliche, geradezu naive Gepolter von Syriza auf den diplomatischen Fluren der EU konnte über eines nicht hinwegtäuschen: Syriza hat sich als ganz normale bürgerliche Partei an den Verhandlungstisch der EU-Troika gesetzt und damit das System und seine Spielregeln anerkannt; hat damit akzeptiert, dass das Leben und Überleben der Menschen in Griechenland davon abhängt, dass die Interessen des EU-Kapitals – vertreten durch die EU-Finanzminister – befriedigt werden; hat anerkannt, dass allein die Hoffnung auf die Linderung des Elends für die Menschen in Griechenland davon abhängt, dass Zugeständnisse an die das Kapital vertretenden bürgerlichen Parteien in Rest-Europa gemacht werden. Den Weg einer jeden sozialdemokratischen Partei beschreitend, war es Syriza wichtiger, diesen bürgerlichen Spielregeln die Ehre zu erweisen, als ihre eigenen sozialen Ziele zu verwirklichen.

Letzte Woche musste Syriza also zuletzt ihr „alternatives“ Wirtschaftsprogramm – das sowieso nur ein magerer Aufguss „keynesianistischer“ Illusionen war – beerdigen. Auf der nächsttieferen „Kompromissstufe“ hat die vermeintlich linke Alternative nun anerkannt, dass gespart werden muss – und möchte hier noch einmal ihre Souveränität dadurch ausüben, angeblich über das „Wie“ entscheiden zu dürfen: statt Kürzungen bei Sozialleistungen soll das Geld durch Bekämpfung von Korruption, Steuerflucht usw. eingetrieben werden. Dass dadurch die notwendigen Milliarden nie zusammenkommen werden (wie auch sonst ohne Schuldenschnitt nicht), ist klar. Und damit auch, dass die Verelendungspolitik weiter fortgesetzt werden wird. Syriza ist gescheitert.

Was ist aus dieser Selbstaufgabe und diesem Scheitern von Syriza nun zu lernen?

  1. Syriza war von allen, in den verschiedenen EU-Staaten zur Wahl stehenden „Linksparteien“ die „linkeste“ und „radikalste“. Ihr vollständiges Scheitern nimmt das der deutschen Linkspartei („Die Linke“), der spanischen Podemos, des „bedingungslosen Grundeinkommens“, der „Postwachtumsökonomie“ und aller anderen kapitalistischen Scheinalternativen vorweg. Sie alle haben im Vergleich zu Syriza noch nicht einmal den Anspruch, die Verhältnisse irgendwie anzutasten. Sie alle sind wie Syriza dem Gelingen der Kapitalverwertung, der Eigentumsordnung und den daraus entspringenden Interessen verpflichtet.
  2. Syrizas wirklich beschämendes Scheitern zeigt das Scheitern des Parlamentarismus und aller linken Staatsillusion: Der bürgerliche Staat ist und bleibt ein Herrschaftsapparat: kapitalistisch, rassistisch, patriarchal. Wer die Macht über ihn haben will, muss dessen Zwänge akzeptieren – zuvorderst den Zwang, dass dieser Staat zahlungsfähig bleibt, d.h. sich über die gelingende Verwertung und damit über die Ausbeutung der Arbeitenden finanziert. Die damit eingegangene Selbstverpflichtung, zum Gelingen der nationalen Kapitalverwertung – der einzigen Quelle aller Staatshaushalte und politischen Handlungsfähigkeit! – beizutragen, bedeutet die Absage an alle grundlegenden gesellschaftlichen Veränderungen, die diese Verwertung und die aus ihr entspringenden Steuereinnahmen gefährden könnten.
  3. Der Mechanismus dieses Verrats von Syriza an den eigenen Zielen und den Menschen in Griechenland ist selbst Teil des „schönen Systems“ der repräsentativen Demokratie unter kapitalistischen Bedingungen. Einmal gewählt, sind die neuen „großen Männer“ Tsipras und Varoufakis dem Funktionieren des kapitalistischen Staats verpflichtet, nicht dem Wohl oder Glück der Wählenden. Ihre neuen „Partner“ sind die Herrschaftseliten innerhalb EU, NATO etc. Der Gang zur Wahlurne ist nicht die Anwendung der Macht des Einzelnen, sondern ihre Entäußerung.
  4. Die von der EU durchgesetzte bedingungslose Kapitulation von Syriza verweist zugleich auf die Schwäche der kapitalistisch-demokratischen Herrschaft. Die Möglichkeit zur Konfliktbewältigung innerhalb des Systems, zum Umbiegen aller Kritik am System in eine bloße Alternative innerhalb desselben, kommt damit an ihre Grenze. Das System zeigt damit schlussendlich auch seine eigene Schwäche und Instabilität. Wer die zunehmende Verelendung der Menschen aufhalten, wer irgendeine soziale Verbesserung will, kann nicht erwarten, dass sie dadurch zustande kommt, dass man sie an die ParlamentarierInnen delegiert.
  5. Was sollte die Linke nun machen? (D.h., die linke Bewegung, nicht die deutsche Linkspartei.) – Sie muss dazu übergehen, ihr gesellschaftliches Geschick in ihre eigenen Hände zu nehmen. Sie muss sich davon abwenden, das Gelingen oder Misslingen ihrer eigenen Ziele in der Hand dieser „großen Männer“ wie ein Fußballspiel im Fernsehen zu verfolgen. In Griechenland gilt es, die Konfusion der neuen demokratischen Herrschaftselite auszunutzen: noch hat sie sich nicht zum Bluthund der europäischen und griechischen Bourgeoisie gemacht, noch kann sie den Protest nicht ersticken. Jetzt gilt es, mehr Aneignungen durchzusetzen, mehr Fabrik- und Hausbesetzungen, ein entschlosseneres Vorgehen gegen die „Goldene Morgenröte“-FaschistInnen auf allen Ebenen. Diese offensive Praxis ist umso dringender, als dass die aktuelle griechische Konfusion in wenigen Monaten vorbei sein könnte.
  6. Und die Linke in Deutschland? – Sie ist weit entfernt, irgendetwas zur wirksamen Unterstützung der Menschen in Griechenland leisten zu können. Anstatt sich nun auf eine immanente und symbolische Pseudo-Praxis zu stürzen oder ihre Hoffnungen in die x-te Wiederauflage vermeintlich „revolutionärer“ Umwälzungen in der Peripherie zu setzen1, hat sie die historische Verantwortung, ihr Wissen um die Zusammenhänge der kapitalistischen Gesellschaft nicht für sich zu behalten, sondern offensiv nach außen zu tragen und die demokratisch-mediale Welterklärung der kapitalistischen Zwänge anzugreifen und zu denunzieren. Hier und jetzt. Dies ist der einzige Weg, durch den sie die Stärke gewinnen kann, um überhaupt handlungsfähig zu werden.

Wir stehen in einer Epoche, wo sich jede und jeder Linke fragen muss, was er oder sie eigentlich beigetragen hat in dieser Zeit, wo es galt, die bessere Einsicht in die Verhältnisse nicht für sich zu behalten, sondern gegen das herrschende System zu wenden. Wenn das Schweigen der radikalen Linken jetzt nicht aufhört, wird die Linke in den kommenden Krisenjahren sich für eine weitere Generation aufs Lamentieren beschränken dürfen.

  1. Im ursprünglichen Text stand hier die Formulierung: „Anstatt sich nun auf eine immanente und symbolische Pseudo-Praxis zu stürzen oder ihre Hoffnungen auf vermeintlich gelingende Sozialexperimente in Bürgerkriegsgebieten zu setzen“ usw.

    Gemeint war und ist die, in der Linken zur strömungsübergreifenden Mode gewordene Begeisterung für die Befreiungsbewegung im syrischen Kurdistan. Wir halten diese romantische Verklärung des kurdischen Widerstands gegen den IS und seine türkischen Unterstützer für grundlegend falsch und für eine matte Neuauflage der verschiedenen, immer wieder enttäuschten „Solidaritätswellen“ für die „Befreiungsbewegungen“ der 60er, 70er und 80er (Vietnam, Sandinistas, Palästina usw.). Von der behaupteten Widerspruchsfreiheit und moralischen Überlegenheit, bis hin zur ad hoc gelingenden Frauenbefreiung und Basisdemokratie – im gegenwärtigen linken Weltbild sind alle Elemente der alten Solidaritätskampagnen unter dem Schlagwort „Rojava“ wieder aufgewärmt.

    Unsere Bezeichnung des kurdischen Aufstands als „Sozialexperiment“ war jedoch falsch, und drückt nicht aus, dass es in Rojava zuerst ganz schlicht um’s Überleben im Kampf gegen den Islamischen Staat und dessen internationale Unterstützer geht (was durch unsere ungünstige Formulierung leider verniedlicht wurde). [zurück]

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Wer von Pegida spricht, darf vom Kapitalismus nicht schweigen! http://blackmonday.blogsport.de/2015/02/07/wer-von-pegida-spricht-darf-vom-kapitalismus-nicht-schweigen/ http://blackmonday.blogsport.de/2015/02/07/wer-von-pegida-spricht-darf-vom-kapitalismus-nicht-schweigen/#comments Sat, 07 Feb 2015 00:09:16 +0000 Administrator Flugblätter & Texte http://blackmonday.blogsport.de/2015/02/07/wer-von-pegida-spricht-darf-vom-kapitalismus-nicht-schweigen/
  • Die Pegida-Bewegung ist nicht allein Ausdruck des Dresdner Alltagsrassismus und der nach wie vor bedrohlichen ostdeutschen Neonaziszene. Die politische und mediale Auseinandersetzung mit Pegida beschränkt sich zwar thematisch auf Pegidas Kampf gegen eine vermeintliche „Islamisierung des Abendlandes“ und gegen ”Wirtschaftsflüchtlinge“. Der Zulauf und die weitverbreitete gesellschaftliche Sympathie für diese Bewegung sind aber auf diese Weise nicht zu erklären.
  • Die Pegida-Bewegung besitzt ihren Nährboden in der Krise des Kapitalismus. Ökonomische Ungewissheit, staatlich verordnete Prekarisierung, Zerfall sozialer Sicherheiten und steigender Leistungsdruck bei geringerer Lebensqualität bewirken eine massive gesellschaftliche Verunsicherung. Die Angst vor der eigenen wie gesellschaftlichen Zukunft trifft jede(n) einzelne(n). Als Reaktion auf diese gesellschaftliche Grundstimmung ist Pegida weit über Dresden hinaus zur Projektionsfläche eines vermeintlichen Sozialprotests geworden – gegen die Herrschenden, gegen die allgemeinen gesellschaftlichen Lebensverhältnisse, und gegen die politische und mediale Entmündigung. In der Heterogenität der Pegida-Ideologie kann sich fast jeder gesellschaftliche Unmut wiederfinden.
  • Dass Pegida in den Augen vieler ihrer SympathisantInnen eine Reaktion auf reale soziale Probleme darstellt, darf jedoch nicht dazu verleiten, bei Pegida irgendeine kritische, aufgreifbare Position auszumachen. Genau so wenig entschuldigt sie den offensichtlichen und brandgefährlichen Rassismus, den Pegida auf die Straße trägt und legitimiert. Auch wenn die Gründe, die die Leute zu Pegida führen, real sind, ist der Ausdruck derselben gänzlich abzulehnen.
  • Es ist nun bezeichnend für den Zustand der Linken, dass die tausenden Pegida-GegnerInnen diesen offensichtlichen Status von Pegida als Verarbeitung der gesellschaftlichen Krise – so falsch, verlogen und projektiv diese Verarbeitung sein mag – überhaupt nicht zur Kenntnis nehmen und geradezu tabuisieren. In der Kritik an Pegida – auf der Straße, im Internet, oder sonstwo – spielt diese Problematik praktisch keine Rolle. Die Anziehungskraft von Pegida bleibt in der Folge nicht nur unverstanden, sondern wird auch noch verstärkt dadurch, dass sich ein Großteil der Pegida-SympathisantInnen durch einen Gegenprotest nicht getroffen fühlt, welcher allein auf die Antirassismuskarte setzt. Gegenprotest, Medien und Politik reduzieren die Auseinandersetzung um Pegida allesamt auf das Schema „Pro oder gegen mehr Einwanderung“ (mit den leichten Variationen „Pro oder gegen mehr Weltoffenheit“ (CDU) und „Pro oder gegen mehr Rassismus“ (Antifa)). Dieses Schema verbleibt im Raster der politisch-demokratischen Positionen und Parteiprogramme und lässt sich endlos und folgenlos in „konträren“ Debatten bearbeiten, an denen Pegida-Professor Werner Patzelt seine helle Freude hätte.
  • Aller hineinprojizierten Sozialkritik zum Trotze ist die unhintergehbare Grundlage aller Forderungen von Pegida, dass sie zur bestehenden kapitalistisch-patriarchalen Ordnung im 21. Jahrhundert keine Alternative ausmachen können und wollen. Die staatliche Krisenreaktion in Form von Niedriglohn, Arbeitsdruck und Repression sowie die zunehmende Technokratisierung der Politik gelten ihnen nicht als Grund zum Zweifel an einer Ordnung, in welcher der Mensch nur als Mittel zur Mehrwertproduktion zählt. Stattdessen wenden sie die konformistische deutsche Ideologie eines auf Arbeit und Aufopferung begründeten Rechts auf Teilhabe rassistisch gegen die “Fremden”. Sie werfen der Politik Pflichtvergessenheit vor, wenn diese ihre Herrschaft nicht als Dienst am eigenen Volk veranstaltet und dazu noch arme Schlucker aus aller Welt durchfüttert. Die blinde Sachzwanglogik der kapitalistischen Mehrwertproduktion, aber auch die politischen, juristischen und geschlechterpolitischen Zwänge, denen auch ihr eigener kapitalistischer Staat gehorchen muss, können und wollen sie nicht verstehen. Ihre Parole “Wir sind das Volk” bringt ihren Wunsch, weiterhin Untertan des Staats und menschliche Ressource für die Wirtschaft zu sein, ganz klar auf den Nenner.
  • Zu Pegidas Verteidigung des gesellschaftlichen Status quo und des Abendlandes gehört notwendig auch die Verteidigung der heterosexuell-weißen Dominanzkultur und ihres patriarchalen Geschlechterarrangements. Dass der Hass gegen Feministinnen („Genderwahn“) sich völlig unvermittelt im „offiziellen“ Flüchtlingspolitik-Programm der Pegida niederschlägt, ist daher keinesfalls verwunderlich. Überhaupt wird – auf Pegida-Demonstrationen wie im Internet – voller Leidenschaft gegen “linke Faschisten” und all diejenigen gegrölt, die in den Augen der Pegida-AnhängerInnen einen Ausbruch aus der festgeschriebenen Normalität darstellen. Auch wenn einerseits im Bezug auf den Islam große Töne von Frauenrechten gespuckt werden, bleibt die Emanzipation à la Pegida bestenfalls auf eine Anerkennung innerhalb der kapitalistisch-patriarchalen Strukturen beschränkt. Frauen dürfen gleichberechtigte Mitglieder einer Gesellschaft sein, deren dominante Sphären (Politik, Wirtschaft usw.) und Spielregeln von Männern gemacht sind. An den gegenüber ihnen im Alltag bestehenden Zumutungen soll sich trotz aller formaler Gleichstellung (oder gerade deshalb) nichts ändern.
  • Es mag zwar gelingen, die Pegida durch eine massive Gegenmobilisierung zu vertreiben, oder sie mag durch inhaltliche bzw. personelle Aufnahme in die nächste sächsische CDU-AfD-Regierung entschärft werden, oder sie mag sich aufgrund persönlicher Streitereien und Skandale ihrer FührerInnen-Gestalten auflösen. Das Potential und das „Problem Pegida“ verschwinden damit nicht. Vielmehr deuten alle Zeichen der Zeit darauf hin, dass „Protestbewegungen“ vom Format der Pegida in Zukunft weiter massiven Zuspruch erwarten können. Zu den absehbaren Entwicklungen der nächsten Jahre gehört nicht nur das weiter drastische Anschwellen der Flüchtlingsströme (in keinem der Zusammenbruchsgebiete zwischen Nordafrika, dem nahen Osten und Osteuropa zeichnet sich eine Wende ab), sondern auch eine wesentliche Verschärfung der kapitalistischen Krise. Der Kapitalismus stößt nicht erst heute an seine Wachstumsschranke, vielmehr zeigt sich, dass er schon darüber hinaus ist. Nach ihren eigenen Kriterien wäre ein Großteil der kapitalistischen Produktion unrentabel und damit still zu legen (sprich: Bankrotte, Werksschließungen, Massenentlassungen). Dieses Szenario lässt sich durch staatliche Gelddruckerei hinauszögern, bleibt aber im Rahmen des Gesellschaftssystems selbst unabwendbar.
  • Selbst in der Auseinandersetzung mit Pegida zeigt sich, dass die Linke nicht umhin kommt, endlich das Problem an der Wurzel zu packen. Es gilt wieder den Kampf gegen eine patriarchale Ökonomie und „Zivilisation“ aufzunehmen, in welcher der alleinige Zweck der Produktion die Akkumulation von Kapital ist, und in welcher das menschliche Bedürfnis sich dem alles beherrschenden Befürfnis nach Profit unterordnen muss. Die Irrationalität einer Produktionsweise, welche nicht darüber in die Krise gerät, dass zuwenig, sondern dass zuviel produziert wird; die zunehmende Gefahr durch rassistische und menschenfeindliche Krisenideologien; der amoklaufende Hass der prekären männlichen Subjekte auf Frauen und „Andere“ sowie die zunehmende Untergrabung der ökologischen Lebensgrundlagen der Menschheit durch die Herrschaft des Kapitals drängen alle hin auf den selben Punkt: die Notwendigkeit einer Bewegung, auf deren Fahnen die Abschaffung von Wert, Geld, Kapital und Staat ebenso wie von Geschlechterordnung, „Rasse“ und Nation steht, sowie die Errichtung einer Gesellschaft, deren oberster Zweck die Menschheit selbst ist.
  • So eine Bewegung ist notwendig global und muss auch eine Antwort auf den Islamismus finden. Dieser ist nämlich nicht die Ausgeburt eines fremden Sterns, und daher logisch und moralisch völlig entkoppelt von unserer westlichen Zivilisation. Gerade die fortgeschritten kapitalistischen Länder haben politisch, ökonomisch und militärisch ihren Anteil an der Perspektivlosigkeit und Barbarisierung der betroffenen Regionen geleistet. Zumindest in ihrer Wahrnehmung reagieren jene nun auf die imperialistischen Verheerungen.
  • Eine derartige Bewegung entsteht nicht ad hoc, sondern durch die zähe, gemeinsame und selbständige Arbeit vieler an vielen Punkten. Hier einige Vorschläge aus unserer Sicht bezüglich dessen, was heute notwendig und zugleich möglich wäre:
    1. Jeder und jede Linke sollte für einen Moment die Augen schließen, und sich vorstellen, wie Pegida bei einer offiziellen Arbeitslosenquote nicht von 5 % (Deutschland) sondern von 25 % (Griechenland) aussähe. Die Frage die sich anschließt: was kann und muss ab sofort getan werden, um das zu erwartende Alptraumszenario aktiv zu verhindern?
    2. Klare soziale Positionierung der Nopegida-Proteste: gegen staatliche Krisenverwaltung, gegen ökonomische Diktate, gegen das Flüchtlingsregime, gegen die neuen Zumutungen an Frauen und gegen die mediale imperialistische Propaganda. Wir vermissen hierzu klare Slogans in den Aufrufen, aber auch auf Pappschildern, Transparenten und im Internet finden wir fast nichts dazu. Statt Reduktion des Programms auf „Weg mit Pegida“ (und zurück zur „Normalität“!?) wären hier linke Forderungen einzubringen. Bedenkenswert wäre hier auch, ob die Nopegida-Demonstrationen noch ein paar Wochen fortzuführen sind, nach (hoffentlich baldigem) Ende der „Pegida“.
    3. Linke Intervention nicht nur als Feuerwehrpolitik, sondern auch bei allgemeinen gesellschaftlichen Themen. Verpasste Gelegenheiten, zu denen hätte Stellung bezogen werden können, sind aus unserer Sicht z.B. die GDL-LokführerInnenstreiks 2014, oder die Anti-Prostitutionsdebatte 2013.
    4. Die Linke muss allgemein aufhören, sich auf ihre „Spezialgebiete“ zu beschränken und muss Antworten finden auf die drängenden Fragen der Zeit: Wie erklärt sich die aktuelle kapitalistische Krise und welchen weiteren Verlauf wird sie nehmen? – Wie hängen Kapitalismus und Patriarchat zusammen? – Unter welchen sozio-ökonomischen Bedingungen entsteht der religiöse Irrationalismus des „Islamischen Staats“? – Welche emanzipatorische Perspektive haben linke Parteien, z.B. in Griechenland, oder lokale Autonomiebewegungen, z.B. in Kurdistan? Können sie die Zwänge des Kapitalismus überwinden?

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    Wahllos glücklich, begriffslos traurig http://blackmonday.blogsport.de/2013/09/15/wahllos-gluecklich-begriffslos-traurig/ http://blackmonday.blogsport.de/2013/09/15/wahllos-gluecklich-begriffslos-traurig/#comments Sun, 15 Sep 2013 15:08:01 +0000 Administrator Flugblätter & Texte http://blackmonday.blogsport.de/2013/09/15/wahllos-gluecklich-begriffslos-traurig/ Zum Aufruf zur „Wahllos glücklich“-Demo der Ura Dresden

    Am Vorabend des Wahltags zu einer Demonstration gegen die bürgerliche Demokratie aufzurufen, ist ein Anliegen, mit dem wir durchaus sympathisieren, noch dazu in Dresden, wo linksradikale Kritik und Aktivitäten sich solange wir denken können auf die Organisation von Antifa-Events beschränken.

    Wenn wir den Aufruf der Undogmatischen radikalen Antifa (Ura) Dresden lesen, finden wir allerdings recht wenig, woran sich anknüpfen ließe, vielmehr fragen wir uns, zu welchem Zweck Leute einen solchen Aufruf publizieren und eine solche Demo veranstalten wollen.

    Der anderthalbseitige Aufruf ist ein assoziatives Gemisch von tatsächlich recht bürgerlich-demokratischen Phrasen: es geht gegen den Konsum-Konformismus; die mangelnde Mitbestimmung außerhalb der Wahlperiode; die Einschränkung der Demonstrations- und Meinungsfreiheit durch die Staatsorgane; und das brutale staatliche Migrationsregime. Wenn wir einmal außer acht lassen, dass abgesehen vom letzten Punkt das alles auch auf einer der inzwischen üblichen „Meinungsfreiheit“-Demos der „freien“ Rechten gefordert werden könnte, ist klar, dass es sich hierbei nicht um eine Kritik an Staat und Demokratie, sondern an einigen unschönen Auswüchsen derselben handelt.

    Interessanter wird’s auf den ersten Blick, wenn es um’s Kapital geht, aber auch hier bleibt die Kritik bloß phrasenhaft. Kritisiert wird, dass von den wählbaren Parteien „die Besitzverhältnisse nicht tangiert“ werden und sich die Parteien „im Rahmen der kapitalistischen Logik bewegen.“ Dagegen will man selbst Staat und Kapital bekämpfen, „da wir“ – wie es heißt – „in einer Welt leben möchten, in der Reichtum nicht ungerecht verteilt ist, in der Menschen nicht selektiert werden nach Herkunft, Aussehen, Konformität und Verwertbarkeit und in der Lebenskonzepte fern irgendeiner Norm Platz haben.“ Nun, mensch braucht heutzutage kein_e Marxkenner_in zu sein, um zu wissen, dass eine flache Kritik an Besitz- und Verteilungsverhältnissen den Kapitalismus kaum „tangiert“, eben weil derselbe ein Produktionsverhältnis ist, nämlich eine geschlechtlich besetzte Produktion von Waren. Wenn man sich am Ende darauf beschränken möchte, innerhalb dieser Welt etwas umzuverteilen, sagt man implizit nur, dass man sich eine Welt ohne Arbeit, Ware, Kapital und geschlechtlicher Abspaltung nicht vorstellen kann. Und so bleibt die „Demokratiekritik“ doch nur im Rahmen von Demokratie und bürgerlicher Politik; die ganze Phraserei erinnert irgendwie an die Plakate des Herrn Gysi von der Linkspartei, der mit der Ura übereinstimmt: „Es ist an der Zeit, von oben nach unten zu verteilen.“ Ja, es ist beim Aufruf der Ura am Ende total unklar, was sie davon abhält, einfach die Linkspartei zu wählen, in deren Programm das doch auch alles vorkommt. Was die von ihnen kritisierten Phänomene mit dem Kapitalismus, dem Staat und der Wählerei zu tun haben sollen, können sie nicht angeben – was doch von Leuten zu erwarten wäre, die zu einer radikalen Opposition gegen das Bestehende aufrufen!

    Mit einer tatsächlichen Kritik der Verhältnisse hat das, was hier formuliert wird (und folglich wohl leider auch die Demo, zu der hier aufgerufen wird) nichts zu tun. Genauso wie eine tatsächliche Kritik des Kapitalismus eine Kritik der Warenproduktion und geschlechtlichen Abspaltung voraussetzen würde, so müsste eine tatsächliche Kritik der grassierenden Ideologien deren Bezug zur herrschenden Vernunft und Subjektivität herstellen, insbesondere auch deren Einordnung in die aktuellen Krisenentwicklungen mit ihrem Absturz der Mittelschichten leisten. Eine Kritik der Demokratie schließlich hätte unserer Meinung nach als zentrale Punkte die von Marx in „Zur Judenfrage“ formulierte Kritik an der Spaltung des Menschen in abstrakten Staats- und Zivilbürger und überhaupt an den bürgerlichen Idealen von Freiheit und Gleichheit aufzugreifen.

    Aber darum schert man sich hier überhaupt nicht. Schlussendlich sagt man selbst, dass man eine Kritik weder leisten kann, noch will. (Stünde nicht, wer zu einer Demonstration aufruft, dazu eigentlich in der Pflicht?) So endet der Aufruf allen Ernstes mit: „Und ja, dieser Aufruf ist immens verkürzt. Doch der Rahmen eines Aufrufes gibt es nicht her, alles was hier und überhaupt schief läuft, halbwegs seriös [!?] analysieren und aufzeigen zu können.“ Mensch will oder kann zwar nicht auf den Begriff bringen, wofür oder wogegen demonstriert werden soll, Hauptsache aber es wird demonstriert, und zwar entschlossen: „Deswegen wollen wir am 21.09. um 17 Uhr entschlossen, laut und gut gelaunt rauskotzen was uns stinkt! Wenn es euch genauso geht, dann kommt rum!“

    Nach der Lektüre dieses „Aufrufs“ stellt sich für uns die Frage: Ura, was wollt ihr eigentlich? Welche Aussage hat euer Aufruf, und welche Aussage hat eure Demonstration? Zur kritischen Praxis gehört doch notwendig die theoretische Erkenntnis des Kritisierten! Solange diese ausbleibt, ist jede Praxis notwendig zum Rückfall ins Kritisierte verdammt – wie es auch bei diesem „Aufruf“ schlussendlich als öde Demokratisierungs- oder Umverteilungsideologie hervorschaut.

    Falls die bitter nötige Überwindung des Kapitalismus, des Staates, des Geschlechterverhältnisses und des Rassismus in den nächsten Jahren auch nur vorstellbar sein soll, braucht es eine lange, zähe und ernste Vorarbeit vieler Menschen, und zwar auf theoretischer, organisatorischer und praktischer Ebene. Nicht nur gilt es, das Bestehende wirklich zu kritisieren und beim Namen zu nennen, sondern auch eine tatsächliche Alternative – jenseits von „Gleichberechtigung“, „Freiheit“, „Gerechtigkeit“ und „Umverteilung“ – zu entwickeln. Solange mensch nicht gewillt ist, dies ernsthaft zu betreiben, ist derartiger Politaktionismus nichts weiter als traurige Zeitverschwendung.

    Gruppe Black Monday, 15.09.2013

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    Zum Tod von Robert Kurz http://blackmonday.blogsport.de/2012/07/27/zum-tod-von-robert-kurz/ http://blackmonday.blogsport.de/2012/07/27/zum-tod-von-robert-kurz/#comments Fri, 27 Jul 2012 15:29:38 +0000 Administrator Flugblätter & Texte http://blackmonday.blogsport.de/2012/07/27/zum-tod-von-robert-kurz/ Vorbemerkung: Robert Kurz ist am 18. Juli 2012 im Alter von 68 Jahren an den Folgen einer Operation gestorben, wie die Redaktion von Exit! und verschiedene Presseberichte mitteilten. Es kommt mir nicht zu, einen Nachruf auf diesen Menschen zu schreiben, den ich persönlich nicht weiter kannte. Gleichwohl hatte ich nach dem Lesen verschiedener Blog-Beiträge, die seinem theoretischen Werk m.E. nicht gerecht wurden, das Bedürfnis einer kurzen Würdigung für einen Menschen, dessen kritische Theorie mein eigenes Denken tief geprägt hat.

    Robert Kurz trug in den vergangenen dreißig Jahren wie kein anderer zur Formulierung einer radikalen und kompromisslosen Kritik der modernen kapitalistischen Gesellschaft bei. Seine unglaubliche Leistung auf dem Gebiet der kritischen Gesellschaftstheorie begann 1986 mit grundlegenden Arbeiten zum Marxschen Wert- und Fetisch-Begriff, aus denen sich eine weitreichende Neubestimmung des kritischen Verständnisses des Kapitalismus ergab: nicht Privateigentum und subjektive Ausbeutung durch die Kapitalistenklasse bildeten das Wesen der kapitalistischen Gesellschaft, sondern die gesellschaftlichen Formen von Wert und abstrakter Arbeit, welche die gesamte Gesellschaft einem objektiven Akkumulationszwang unterwarfen. Hatte der traditionelle Marxismus diese Kategorien gerade zur transhistorischen Grundlage aller menschlichen Gesellschaftlichkeit erklärt, die es im Sozialismus zu verwirklichken gälte, so wurden gerade Wert und Arbeit nun in den Fokus der Kritik gerückt.

    Ausgehend von dieser theoretischen Basisinnovation folgte für Robert Kurz – zusammen mit den TheoretikerInnen der damaligen Krisis-Gruppe – eine beispiellose Radikalisierung der Kritik, welche sich schrittweise und in mühsamen Absetzbewegungen durch eine Kategorie der Moderne nach der anderen durchfraß, und auf diesem Weg „Arbeit“, Klassenkampf, Subjekt, Staat, Demokratie und abstrakte Vernunft als spezifisch kapitalistische Daseinsformen kritisierte. Persönliche Verdienste von Robert Kurz waren dabei insbesondere die theoretische Aufnahme und Förderung der von Roswitha Scholz entwickelten Theorie der geschlechtlichen Abspaltung; die Kritik der kapitalistischen Subjektform und der Aufklärungsideologie; sowie die Fortführung der bei Marx nur fragmentarisch angedachten Theorie einer kategorialen Krise der Kapitalakkumulation aufgrund des Abschmelzens der Arbeits- und Wertsubstanz. Publizistische Bekanntheit erlangte Robert Kurz vor allem durch seine historisch-kritischen Darstellungen zum Zusammenbruch des Realsozialismus („Der Kollaps der Modernisierung“, 1991) und zur Konstitutions-, Durchsetzungs- und Krisengeschichte des Kapitalismus („Schwarzbuch Kapitalismus“, 1999).

    Seine theoretischen Anstrengungen galten nicht der Rechtfertigung dieser oder jener abgegrenzten Theorie, sondern vielmehr einem negativen, „alle Ebenen der Reflexion und alle Lebensbereiche übergreifenden umstürzlerischen Großprojekt“ („Blutige Vernunft“, 2002). Voraussetzungen für dieses einmalige Lebenswerk einer ungebremst fortschreitenden, mit jedem Schritt sich ausweitenden und radikalisierenden theoretischen Kritik waren zwei Erkenntnisse, die sich durch das gesamte Werk von Robert Kurz ziehen:

    1. Dass eine Theorie der modernen Gesellschaft nur als negative, d.h. als kritische, möglich ist, die sich nicht auf transhistorische Prinzipien berufen könne, sondern allein aus der Erfahrung des destruktiven Gegenstands – der modernen kapitalistischen Gesellschaft – ihre Legitimation beziehen müsse.
    2. Dass sich die kritische Theoriebildung aufgrund dieses ihr vorgeschriebenen negativen Charakters jeder Anbiederung an eine vorgefundene Praxis zu enthalten habe, um nicht ihren eigenen Wahrheitsanspruch zugunsten der ideologischen Legitimation irgendeiner, notwendig beschränkten Praxis aufzugeben.

    Diese beiden Einsichten, die zwar bei Marx und Adorno angelegt waren, deren Zeitkern sie laut Robert Kurz aber erst durch die Erfahrung der Krise klar formulierbar werden ließ, machten den entscheidenden Unterschied zwischen Robert Kurz und allen ihm vorausgegangenen TheoretikerInnen aus. Sie bildeten gleichsam den Kompass für seine theoretische Reise, die ihn Meile um Meile jenseits der bis dahin gehaltenen Gewissheiten führte. Und sie unterschieden ihn ebenso von der Masse seiner aufgeschreckten Gegner, welche sich nicht selten mit revolutionärem Pathos auf Marx beriefen, und heute meist Programmvorschläge für die Linkspartei oder Lobreden auf den Imperialismus schreiben.

    Robert Kurz‘ Werk bleibt nicht nur unvollendet in dem Sinne, wie er es selbst formulierte: dass nämlich kritische Theorie als schlussendliches Ziel die praktische Überwindung ihres Gegenstands, der kapitalistischen Gesellschaft – und somit auch ihrer selbst als Theorie – besitzt. Vielmehr unterbricht sein frühzeitiger Tod seine in den letzten Jahren begonnenen und in der Theoriezeitschrift Exit! publizierten Arbeiten zum Ausbau und zur Fundierung der wertkritischen Krisen- und Staatstheorie. Ebenso unvollendet bleibt sein Versuch, ein erweitertes begriffliches Vokabular für die „fetischistische Matrix“ der Moderne zu erarbeiten, welches die verbleibende Widersprüchlichkeit in der Marxschen Darstellung hinter sich lässt.

    Robert Kurz hat in dreißigjähriger Anstrengung der kapitalistischen, auf Arbeit, Wert und geschlechtlicher Abspaltung beruhenden Gesellschaft eine theoretische Kritik entgegengehalten, die ihresgleichen sucht. Er hat die Überwindung des warenproduzierenden Systems als Bedingung menschlicher Emanzipation ausgesprochen und die Kriterien für eine solche Überwindung vorausgedacht. Robert Kurz‘ Theorieleistung wird alle, die an der Überwindung der kapitalistischen Gesellschaft und ihrer Grundlagen arbeiten, noch lange begleiten; sie kann, wie Robert Kurz über die Marxsche Theorie sagte, „in Frieden nur sterben zusammen mit ihrem Gegenstand, der kapitalistischen Produktionsweise“ („Marx lesen!“, 2008).

    Den WeggefährtInnen und FreundInnen von Robert Kurz gilt mein tiefstes Mitgefühl.

    Markus Winterfeld, 27. Juli 2012

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    Die Kritik des Stachels http://blackmonday.blogsport.de/2012/05/13/die-kritik-des-stachels/ http://blackmonday.blogsport.de/2012/05/13/die-kritik-des-stachels/#comments Sun, 13 May 2012 19:41:31 +0000 Administrator Flugblätter & Texte http://blackmonday.blogsport.de/2012/05/13/die-kritik-des-stachels/ Gegen Martin Dornis, die antideutsche Ideologie, und ihre linken Adepten.

    „Heute löken die meisten mit dem Stachel.“
    – Theodor W. Adorno, Minima Moralia

    Der folgenden Artikel entstand anlässlich der Einladung des wohl dümmsten aller antideutschen Nachwuchs-Ideologen – Martin Dornis – zu einem Vortrag zur „Kritik des Poststrukturalismus“ durch den Vorbereitungskreis des „Café Negation“ in Dresden. Trotz ausführlicher Gespräche und Darstellungen waren die Leute vom Café Négation nicht davon zu überzeugen, der geistigen Niete Dornis die Möglichkeit für die Darstellung seiner zusammengebastelten Ideologie zu verweigern. Dies ist Anlass genug, nicht nur den Inhalt der antideutschen Ideologie am Beispiel des verleumderischen und unwahren Geschwätzes von Dornis darzustellen, sondern auch das Verhältnis derselben zu ihrem Szene-Publikum zu beleuchten.

    Artikel als PDF: DieKritikdesStachels.pdf

    Der Zustand der antideutschen Ideologie heute heißt Martin Dornis

    Wollte man den desolaten geistigen Zustand der antideutschen Ideologie heute beschreiben, so genügte in jeder Hinsicht der Verweis auf ihre neueste Koryphäe: einen Herrn namens Martin Dornis, ehemaliger Philosophie-Student und heute bescheiden erfolgreicher „freier Autor“ aus Leipzig. Innerhalb der intellektuell seit jeher auf den Hund gekommenen antideutschen Szenesuppe hat sich Dornis offenbar einen Namen erworben durch mehrere haarsträubende Traktate gegen Poststrukturalismus, Antirassismus, Queerfeminismus und Wertabspaltungskritik, welche nach Ansicht dieses selbsternannten „Kritikers“ eine Repetierung oder Fortsetzung des deutschen Nationalsozialismus – natürlich Seite an Seite mit dem Islamismus – darstellen sollen.

    Das wirre Geschriebsel Dornis‘ ist eigentlich zu blöd, um sich ernsthaft damit auseinandersetzen zu müssen. Es ist ein unkreativ-mechanisches Amalgam aus geschichtsverdrehenden Lügen, identitätslogischem und undialektischem Denken, falschen Zuschreibungen und rein assoziativen falschen Analogieschlüssen. Formal und inhaltlich steht diese Ideologieware außerhalb jeder Tradition kritischer Theorie seit Marx. Der traurige Grund, näher auf Dornis eingehen zu müssen, ist daher nicht der Gehalt seiner Thesen (welcher nicht existiert), sondern allein sein sich vermassendes Jung- und Dummvolk: grau gewordene linksalternative Soziologie- und Philosophie-StudentInnen Mitte Zwanzig, welche leider zu spät zu kommen drohen, um ihre Erfüllung szenegemäß in Beruf, Kleinfamilie und den verschiedenen Verlaufsformen des linksdeutschen Spießertums zu finden. In ihrem durchsichtigen Versuch, ihrer eigenen Inkompetenz doch noch irgendeinen identitären Mehrwert abzutrotzen, möchten sie sich mit dem falschen Gestus radikaler Kritik und Negation schmücken; in der Folge verstellen und verzerren sie Begriff und Inhalt von dem, was heute dringend notwendig wäre: die radikale und rücksichtslose Kritik der Grundlagen des Krisenkapitalismus und seiner fetischistischen Aufklärungsvernunft. Darin besteht das eigentliche Ärgernis, welches es leider notwendig macht, sich mit dem antideutschen Lügner Dornis zu beschäftigen.

    Das Märchen von der Erfindung des Kapitalismus

    Die verschämte legitimatorische Grundlage seiner ideologischen Glaubenssätze ist das lahme Konstrukt einer Aufteilung der kapitalistischen Geschichte in drei Epochen1: am Beginn der bürgerlichen Gesellschaft stünde „das sich begründende männliche Subjekt“2: „In der Form des Subjekts unterwirft das Individuum seine Triebe der Selbstbeherrschung und begründet sich [!] als identisches Wesen, individuiert sich überhaupt erstmalig, setzt sich [!] als ein sich in der Zeit durchhaltendes, einheitliches und einzigartiges Wesen.“3 Aber nicht genug damit, dass sich das bürgerliche Subjekt in diesem hanebüchenen aufklärerischen Geschichtsmythos an den eigenen Haaren aus dem Sumpf der vormodernen Herrschaftsverhältnisse ziehen soll; das war erst der Anfang, denn „das Subjekt […] begründet damit zugleich […] die modernen versachlichten Formen von Herrschaft“4, also Wert und Staat, ja, das sich selbst „setzende“ Subjekt zieht als nächstes noch sein ganzes Pferd mit aus dem Sumpf! Wie dieses kleine Schöpfungswunder hätte geschehen sollen, darüber kann und will der Leipziger Lügenbaron natürlich nichts sagen (und sein Geraune, dass dies irgendwie mit dem männlichen Charakter dieses Subjekts und der „Frauenunterwerfung“5 verbunden wäre, erklärt hier überhaupt nichts, doch dazu weiter unten).

    Nachdem das bürgerliche Subjekt sich auf märchenhafte Weise vermittlungslos selbst „gesetzt“ hätte, „stieß es Emanzipationsprozesse in Gang, die immer größere Bevölkerungskreise in ihren Bann zogen und zunehmende Möglichkeiten für die Gestaltung des menschlichen Lebens schufen.“6 Doch die Freiheit des bürgerlichen Subjekts in dieser zweiten Epoche war „nur Schein, hätte aber durch einen revolutionären Umbruch […] verwirklicht werden müssen.“7 Ganz getreu der klassischen dramatischen Dichtung, die Dornis hier als Muster seiner Erzählung verwendet, kommt es nun in der dritten Epoche zum Klimax: „Ende des 19. Jahrhunderts erlitt die kapitalistische Produktionsweise […] einschneidende Veränderungen. […] Unter Konstituierung einer zweiten Natur bildete sich ein organischer Kapitalismus heraus“8, welcher laut Dornis gekennzeichnet ist durch Massenorganisationen, Monopole und Trusts.9 Es folgt die Katastrophe: „aufgrund des ausbleibenden Bruchs mit der versachlichten Herrschaft kam es zum Verfall des Subjekts […] Jegliche befreienden Momente, die es einst enthielt, wurden zerstört.“10 Was daher für Dornis heute übrig bleibt, ist die Verteidigung von „Individualität in Zuständen, die keine solche mehr zulassen.“11

    Eine solche Märchengeschichte mag zur identitären Erbauung und ideologischen Selbstvergewisserung des linken Adeptenpublikums dienen, wahr ist daran allerdings kein Körnchen.12 Tatsächlich ist die spezifisch moderne Form des menschlichen Selbstverhältnisses, als „Beherrschung innerer und äußerer Natur“13 zum einen keinenfalls damit zu verwechseln, dass der Mensch erstmalig in der Moderne als Individuum aufgetreten wäre, wie dieser Geschichtsmythos es unterstellen will.14 Zum anderen aber entstand diese fetischistische Subjektform nicht durch vermittlungsloses (und logisch unmögliches) Sich-Selbst-Setzen der bürgerlichen Subjekte in der abstrakten Zeit, sondern war das Ergebnis eines alle gesellschaftlichen Ebenen umfassenden Umwälzungsprozesses im Übergang des Feudalismus zur Moderne. Wesentliche Momente dieses Prozesses waren der Übergang des bisherigen religiösen in einen säkularisierten Fetischismus im Rahmen der protestantischen Ethik und der Aufklärung, die Gewaltorgien der Kreuzzüge und des frühen Kolonialismus, sowie die gewaltförmig durchgesetzte kapitalistische Produktionsweise mit ihren enclosures, den Arbeitslagern und der Fabrikdisziplin. Das bürgerliche Subjekt ist damit das gerade Gegenteil der Dornis’schen „Möglichkeit von Freiheit, Autonomie, Glück, Liebe“,15 und nichts als die zwanghafte Unterwerfung unters Fetischprinzip der Wertabspaltungsvergesellschaftung. Es ist das ordinäre Arbeits-, Zirkulations-, Rechts- und Abspaltungssubjekt, dem der antideutsche Ideologe „befreiende Momente“16 andichten will, und für welche er die Realität des bürgerlichen Zwangs- und Gewaltsubjekts zu einer abstrakten Selbstsetzung entwirklichen muss.

    Schöner kritisieren ohne Kapitalismuskritik

    Bezeichnend für die dargestellte Dornis’sche Geschichtsphilosophie ist der Fakt, dass der kapitalistische Produktionsprozess (die Verausgabung abstrakter Arbeit zum Zweck der Wert- und Mehrwertproduktion) in diesem Geschichtskonstrukt überhaupt nicht vorkommt. Im ersten Dornis’schen Geschichtsakt, der „Setzung“ des Kapitalismus als Nebenprodukt der vermittlungslosen und wunderbaren Selbstsetzung des bürgerlichen Subjekts, spielte der Kapitalismus logischerweise noch keine Rolle. In der folgenden phantastierten Glanzzeit des liberalen Kapitalismus im 18. und 19. Jahrhundert soll es dann zwar aufgrund der ebenfalls durch das Subjekt begründeten „versachlichten Formen von Herrschaft und Unterwerfung“17 nur den „Schein von Freiheit und Autonomie des Subjekts“18 gegeben haben; was aber mit dem abgeschmackten Hohlbegriff der „versachlichten Herrschaft“ gemeint sein soll und was daraus folgen würde – dazu findet sich bei Dornis nur vielsagendes Schweigen. Die Verfallsepoche sodann definiert sich gerade nicht über die Vermittlung durch den Wert, sondern durch die Auflösung dieser Vermittlung: „Seine immanente Dynamik treibt das Identitätsprinzip [d.h., die Wertform] in deutscher Konsequenz [!] zur Zerstörung seiner selbst [!]. Wird die innere Spannung der bürgerlichen Gesellschaft nicht mehr ausgehalten, die Vermittlung kassiert, so weitet sich das Identitätsprinzip zur Totalität aus.“19 Damit aber, so lernt man bei Dornis, wäre eine Gesellschaftsformation neuer Ordnung entstanden: „Nicht in erster Linie Herrschaft und Ausbeutung, sondern Kastration, Angst und Tod [!] sind die Basiskategorien der neuen Gesellschaft.“20 Die „Aufgabe materialistischer Gesellschaftskritik“ wäre es demnach ausgerechnet, „die Versachlichung [also Wert und Subjekt] gegen ihre barbarische Auflösung zu verteidigen.“21 Der Wert kommt dem antideutschen Maulhelden und seiner „materialistischen Kritik“ pikanterweise erst an der Stelle in den Sinn, an der er gegen seine angebliche Zerstörung verteidigt werden müsse.

    Das ganze ist natürlich wieder ideologischer Unfug allerdümmster Sorte; genausowenig wie das Subjekt sich abstrakt-mythisch selbst „setzte“, ebensowenig führte die Wertform ausgerechnet während des liberalen Kapitalismus irgendwie ein Schattendasein; vielmehr herrschte sie während dieser Epoche der gesamten Gesellschaft ihren fetischistischen Selbstzweck auf – gesellschaftlich vermittelt durch intensive und extensive Ausdehnung der Wertverwertung und flankiert von staatlichem Terror. Die folgende angebliche Selbstzerstörung des Identitätsprinzips ausgerechnet qua Naturalisierung ist schon logisch überhaupt nicht möglich (denn eine Identität zwischen Nichtidentischem kann es, das sollte Dornis doch wissen, ohne Vermittlung nicht geben); darüberhinaus ist dieser antideutsche Mythos, dass der NS irgendetwas anderes als Kapitalismus gewesen sein soll, analytisch unhaltbar und tausendfach widerlegt.22 Die ganze nicht sonderlich einfallsreiche Konstruktion ist im Kern nichts anderes als ein schnödes Ausspielen verschiedener, ideologisch verdinglichter Aggregatzustände des Kapitalismus gegeneinander.

    Der „Kommunismus“ der idealisierten bürgerlichen Gesellschaft

    Dornis‘ ideologische Unfähigkeit, den Kapitalismus zu kritisieren, setzt sich fort in seiner Bestimmung des „Kommunismus“. Glaubte man dem antideutschen Ideologen, so hätte Marx in seinem „Programm zur Abschaffung der kapitalistischen Gesellschaft“ nämlich der versachlichten Herrschaft „die völlige Freiheit des Individuums“ (!) entgegengesetzt: „alle Verhältnisse sollen abgeschafft werden, in denen der einzelne [!] immer noch ein unfreies [!] Wesen ist.“23 Wenn man das so liest, man könnte glatt glauben, die Marx’sche Kritik der Politischen Ökonomie sei nichts anderes gewesen als eine mit revolutionärem Pathos aufgeladene Version des FDP-Parteiprogramms! Man lasse es sich auf der Zunge zergehen: Marx vertrat die völlige Freiheit des Individuums! Wir wollen den alten Trierer selbst zu dieser lachhaften Idee Stellung nehmen lassen. Aus seiner Schrift „Zur Judenfrage“:

    […] das Menschenrecht der Freiheit basiert nicht auf der Verbindung des Menschen mit dem Menschen, sondern vielmehr auf der Absonderung des Menschen von dem Menschen. Es ist das Recht dieser Absonderung, das Recht des beschränkten, auf sich beschränkten Individuums. [] Die praktische Nutzanwendung des Menschenrechtes der Freiheit ist das Menschenrecht des Privateigentums. [] Das Menschenrecht des Privateigentums ist also das Recht, willkürlich [], ohne Beziehung auf andre Menschen, unabhängig von der Gesellschaft, sein Vermögen zu genießen und über dasselbe zu disponieren, das Recht des Eigennutzes. Jene individuelle Freiheit, wie diese Nutzanwendung derselben, bilden die Grundlage der bürgerlichen Gesellschaft.“24

    Peinlich für Dornis, denn das, was er uns als Ziel des Kommunismus verkaufen möchte: die Idee einer völligen, unbeschränkten Freiheit des Individuums, zeigt Marx als eine der grundlegenden Ideologien der bürgerlichen Gesellschaft auf – einer Gesellschaft also, in der die Individuen ganz auf sich selbst gestellt und auf die ihnen eigenen Revenuequellen (Lohn, Profit, Rente) zurückgeworfen sind und in der allgemeinen Konkurrenz des Marktes ihre Zwecke gegeneinander durchzusetzen suchen müssen: in eben jener Sphäre von „Freiheit, Gleichheit, Privateigentum“ 25 genießt jedes (noch so gemeingefährliche) Bedürfnis völlige Freiheit – aber auch nur, solange es durch entsprechende Zahlungsfähigkeit gedeckt ist! KommunistInnen streben stattdessen eine Gesellschafts- und Produktionsweise an, in der „die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist“26 – eine Gesellschaft also, deren Grundlage nicht die individuelle Freiheit, das heißt, die uneingeschränkte Verfügung der isolierten Monade über das Privateigentum, ist, ohne Beziehung auf andre Menschen, unabhängig von der Gesellschaft“, sondern: die gemeinschaftliche Verfügung über die Produktivkräfte und damit die kollektive, bewusste Bestimmung der Menschheit über ihren gesellschaftlichen Lebensprozess.

    Weiter bei Dornis:

    Marx hielt der kapitalistischen Gesellschaft vor Augen, dass sie ihr Glücksversprechen [!] nicht einlöste, dass Herrschaft und Ausbeutung nur dem Scheine nach beseitigt sind.“27

    Lieferte die liberale Ideologie das Modell für die Kritik der Gegenwart, so soll der utopische Sozialismus das für die Zukunft liefern ausgerechnet der utopische Sozialismus, den die Begründer des „wissenschaftlichen Kommunismus“ für immer in die Mottenkiste verbannen wollten: Hayek und Fourier statt Marx und Engels.

    Zu der albernen linken Methode, die Ideale der bürgerlichen Gesellschaft „pursuit of happiness!“, „liberte, egalite, fraternite!“ usw. usf. – gegen die unangenehme Realität der Verhältnisse auszuspielen, die doch ihre materielle Grundlage bilden, hat Marx schon alles notwendige geschrieben,28 wir wollen uns nur kurz zu dem der US-amerikanischen Unabhängigkeitserklärung entnommenen Glücksversprechen, dem deutsche Linke neuerdings einen quasi kommunistischen Inhalt andichten, äußern. Dieses bezeichnet nämlich keineswegs irgendein – auch nur ideelles – Anrecht auf Bedürfnisbefriedigung, sondern nichts weiter als die allseits bekannte Phrase, dass doch jeder „seines eigenen Glückes Schmied“ sei, soll heißen: im Hauen und Stechen der kapitalistischen Konkurrenz muss jeder selber sehen, wo er bleibt, und verfügt über keine anderen Mittel zur Reproduktion seiner selbst als die, die ihm von (erster und vor allem zweiter) Natur aus zukommen. Für den Großteil der Bewohner dieses Planeten erschöpfen sich diese Mittel bereits in ihrer Arbeitskraft, die sie zum Zwecke der Vermehrung fremden Geldreichtums auf dem Arbeitsmarkt feilbieten müssen – und dass so ein Geschäft selten Glück verspricht, die Erfahrung mag auch schon der eine oder andere „materialistische Ideologiekritiker“ gemacht haben.

    Arbeiterstaat Israel?

    Geht es um die im Staat Israel vorgeblich angelegten Momente der menschlichen Emanzipation, ist man seitens antideutscher „Kritiker“ ja schon an einiges an Unsinn gewöhnt. Man denke z.B. an die Analogie der Freiburger isf im Jahre 2002 zwischen dem spanischen Revolutionär Buenaventura Durruti und dem ehemaligen Ministerpräsidenten Israels, Ariel Sharon, der überhaupt „am Kommunismus näher dran“ sei als seine Kritiker29. Leider ist unser Herr Dornis für diese goldene Zeit der „Ideologiekritik“ zu spät gekommen, und daran wird’s wohl auch liegen, dass er zum Thema noch pompösere Gedankenblitze nachlegen muss, um das Publikum mitzureißen. Man lese und staune:

    Israels Agieren ist einer der wenigen Fälle, in denen Politik im bürgerlich-emphatischen Sinne noch existiert. Genau in diesem Sinne ist Israel wirklich der „Vorschein des Kommunismus“, insofern die verwirklichte befreite Gesellschaft auf bürgerlicher Versachlichung gründet und diese ein Vorschein des Kommunismus ist.“30

    Also nicht nur – so damals die isf – „Versuch der Juden, den Kommunismus lebend zu erreichen“, nein: Israel ist gar Vorschein des Kommunismus!

    Eine steile These, und man fragt sich schon, was diese eigentlich stützen soll: herrscht in Israel denn kein „organischer Kapitalismus“31 mit den laut Dornis so verheerenden Auswirkungen aufs bürgerliche Subjekt? Gibt es in Israel denn nicht auch PoststrukturalistInnen und ähnlich barbarische „subjektlose Menschen“32 in den Gesellschaftswissenschaften? Oder woran soll es sonst liegen, dass dort, so Dornis, die bürgerliche Subjektivität ein so hohes Mindesthaltbarkeitsdatum genießt?

    Es wäre Aufgabe materialistischer Staatskritik, die Widersprüche herauszuarbeiten zwischen dem Begriff bürgerlicher Staatlichkeit in ihrem idealen Durchschnitt auf der einen und der besonderen Bestimmung Israels auf der anderen Seite: einmal Israel als ganz normal funktionierender bürgerlicher Staat, das heißt als „ideeller Gesamtkapitalist“, der das nationale kapitalistische Gesamtinteresse in Innenpolitik verwaltet und nach außen hin in der Geopolitik durchsetzt, aber zugleich die Geschichte des Zionismus als Reaktion auf antisemitische Verfolgung, die im Grauen der Shoah gipfelte, und darauf die Gründung des Staates Israel zur Abwehr neuer Versuche, die „Endlösung der Judenfrage“ durchzusetzen.33

    Fest steht jedenfalls, dass Israel den hehren Ansprüchen, die ihm seine jungen linksdeutschen Fans unterstellen, kaum gerecht werden kann und wie sollte es das auch? Weder könnte es dem unterstellten Verfall des Subjekts etwas entgegenhalten, der – so Dornis – doch dessen „ureigenstes [!] Produkt“34 sei, noch können wir große Hoffnung darauf hegen, dass in absehbarer Zeit in der Knesset die klassenlose Gesellschaft ausgerufen wird. Die albernen Ideen, die Dornis & Co. über den Staat Israel hegen, erinnern nicht von ungefähr an den Philosemitismus der BRD-Linken der Nachkriegsjahre, der mit dem Sechstagekrieg unvermittelt in Antizionismus und Antisemitismus umschlug. Man kann nur hoffen, dass sich hier die Tragödie nicht als Farce wiederholen möge!

    Die negative Dialektik der männlichen Heuchelei

    Bei der einführenden Darstellung des Dornis’schen Geschichtsmythos vom „sich selbst setzenden“ Subjekt wurde seine Charakterisierung dieses Subjekts als männliches ausgespart. Darauf ist nun zurückzukommen, denn nach Dornis „begründet sich“ das Subjekt nicht nur selbst, sondern tut dies (jedenfalls „anfänglich“) „durch den Ausschluss von Frauen aus der Gesellschaft und ist daher als ein männliches zu denunzieren.“35 Das Subjekt sei, so Dornis, die frauenunterwerfende Institution der Moderne“36 und „die grundlegenden Kategorien der kapitalistischen Gesellschaft sind ohne die Unterwerfung [!] von Frauen weder denk- noch praktizierbar.“37

    Dornis glaubt hier offenbar, dass er sich durch bloße Phraserei mit dem Schein einer radikalen Kritik des Geschlechterverhältnisses schmücken könnte, über welche er tatsächlich in keinster Weise verfügt. Die „Frauenunterwerfung“ kann bei ihm überhaupt nicht wesentlich für Kapitalismus und Subjekt, sondern bloß akzidentiell sein schon deshalb, weil seine Antwort auf die Frage, warum die „Frauenunterwerfung“ denn notwendig sei, für jede seiner drei Geschichtsepochen eine andere ist: so erstrebte „das sich begründende Subjekt“ vor allem anderen „die Naturbeherrschung. Das konnte ihm – selbst ein naturhaftes Wesen – nur in der Doppelform einer Herrschaft über Frauen und Natur gelingen. Um sich, seine eigene Natur zu beherrschen, unterwirft es einen Teil der Menschheit als Natur. Frauen hatten dafür einzustehen, dass der Mensch sich beherrschen muss, um im emphatischen Sinne wirklich Mensch [!] […] zu werden.“38 Das ist zwar unglaublich „tiefsinnige“ Faselei, doch die Frage, warum denn nun die Naturbeherrschung nur durch „Unterwerfung“ der Frauen hätte gelingen können, kann und will Dornis gerade nicht beantworten.

    Der Grund für Dornis‘ Unfähigkeit, das hierarchische kapitalistische Geschlechterverhältnis auch nur ansatzweise zu erklären, ist ein dreifacher: zum ersten fehlt bei Dornis jede tatsächliche Analyse der Subjektform, ihres inhaltlichen Gehalts und ihrer Momente. Das Dornis’sche „Subjekt“ ist ein ebensolcher Hohlbegriff wie sein substanzloser, zirkulativ verkürzter „Kapitalismus“ und soll ganz inhaltslos einfach darin bestehen, dass die Menschen in dieser Form „sich bedeutend ähnlicher sind als ein Ei dem Anderen.“39 Aus der angeblich inhaltslosen Abstraktion folgt keine „männliche“ Bestimmung, und daraus kann rein logisch nie eine solche folgen. Die (tatsächlich vorhandene) männliche Bestimmung von Wert und Subjekt im Kapitalismus lässt sich halt nicht durch begriffsloses und sprachlich ungehobeltes Herumassoziieren erklären, sondern verlangt eine spezifische Analyse des Subjekts als der fetischistischen Form des Selbst-, Natur-, und Gesellschaftsbezugs im Kapitalismus. Dieses Subjekt ist wesentlich bestimmt durch seine Funktion als „bewusster“ Agent des kapitalistischen Arbeits- und Tauschprozesses (von dem Dornis ja nichts wissen möchte) und daher bereits auf der ökonomischen Ebene notwendig verbunden mit der Abspaltung aller darin nicht aufgehenden Momente und ihrer Delegation an Frauen.40 Ebenso wie der Wert verkörpert das Subjekt eine abstrakte Transzendenz, einen fetischistischen Selbstzweck, und besitzt daher ein negatives Verhältnis zu seiner von ihm abgespaltenen Sinnlichkeit. Die abstrakte Gleichheit ist Moment der Subjektform, aber nicht deren inhaltsloser Kern.

    Vor dem Hintergrund seiner eigenen Ausführungen ist die These eines wesentlich „männlichen“ Charakters der Subjektform überhaupt nicht begründbar. Das aber bezweckt Dornis zum zweiten gerade: denn eine tatsächliche Analyse des (männlichen) Subjekts in der Moderne kommt nicht darum herum, dieses als fetischistische, durch nichts zu rechtfertigende Herrschaft an sich selbst einer radikalen Kritik zu unterziehen; dadurch würden jedoch Dornis‘ Lügenmärchen über dessen Emanzipationspotentiale notwendig zusammenstürzen. Zum dritten nämlich „vergisst“ Dornis selbst den ach-so-frauenfeindlichen Charakter seines Subjekts, sobald es um die Verteidigung desselben geht: schon in Epoche zwei, im Liberalismus, sollte „die zunächst [!] nur von Männern angeeignete […] Subjektivität […] die gesamte Menschheit umfassen“41, und es herrschte eine „Gleichheit aller Menschen“ in der Männer lediglich „gleicher waren als Frauen“42 (was auch immer damit gemeint sein soll). Im Ergebnis war das Subjekt offenkundig doch „ohne Unterwerfung von Frauen“ „denk- und praktizierbar“.

    In der dritten Geschichtsphase, dem spätkapitalistischen Verfall, darf dann endlich wieder „kritisiert“ werden, denn hier „konstituiert sich der Sexismus als Basisideologie der naturalisierten kapitalistischen Gesellschaft. Die Männerwelt fühlt sich durch die […] nachrückenden Frauen bedroht. Als nunmehr zwar zur Gesellschaft Zugelassene werden Frauen nun sexistisch […] diskriminiert.“43 Warum die aufgeklärte Männerwelt auf diesen eigenartigen Gedanken kam, Frauen „als biologisch minderwertig“44 anzusehen und so die „befreienden Momente“ des Subjekts zurückzunehmen, bleibt hier offen. Ein tatsächlicher Blick auf den Gegenstand würde nämlich auch hier aufzeigen, dass der Sexismus nicht erst mit Nietzsche und dem Verfall der Aufklärung Ende des 19. Jahrhunderts entstand, wie Dornis meint45, sondern ebenso wie die geschlechtliche Arbeitsteilung und das androzentrische Unbewusste zum Wesen des Kapitalismus von Anbeginn gehörte. Die einschlägig bekannten bösartigen sexistischen Ausfälle von Aufklärerungsideologen wie Rousseau und Kant widerlegen Dornis‘ billige Geschichtsverfälschung.

    Mit seiner hohlen Phraserei von der „Frauenunterwerfung“ durch’s männliche Subjekt ging es Dornis also, wie sich zeigte, perfiderweise nie auch nur um den unvollständigen Ansatz einer Kritik des kapitalistischen Geschlechterverhältnisses und des männlichen Subjekts, sondern – entgegen seinen anderslautenden Aussagen – dumm-apologetisch allein darum, dieses bürgerliche Subjekt gegen den wertabspaltungskritischen Begriff desselben als männlich-westlich-weißes zu „clearen“, vor ihm in Schutz zu nehmen. Denn, so schreibt er gegen Robert Kurz und Roswitha Scholz, das Subjekt sei nicht „rassistisch, sexistisch, …, weil es männlich und weiß ist, sondern es wird rassistisch, sexistisch, …, weil es männlich und weiß ist. Es generiert diese regressiven [!] Ideologien, weil es […] in eine unheilvolle Dynamik getrieben [!] wurde.“46 Daher verwehrt sich Dornis auch gegen den Patriarchatsbegriff, den er auf eine „personale Herrschaft47 verkürzen will und möchte sich „strikt gegen Theorien einer Verquickung von kapitalistischer Gesellschaft und Patriarchat wenden.“48 Was er im „Austausch“ dafür anbieten möchte, ist sein Leerbegriff des „männlichen Subjekts“, von dem er an jeder Stelle gerade zeigt, dass es mit „Frauenunterwerfung“ gar nichts am Hut hat.49

    Dornis‘ marktschreierisch angepriesene „Negative Dialektik des männlichen Subjekts“ ist somit nicht nur alles andere als negativ – denn das Subjekt wird durchgehend schamlos affirmiert. Es handelt sich auch um keine Dialektik – denn das, was das Subjekt laut Dornis schlussendlich zerstört, ist gerade nicht das Subjekt selbst, sondern vielmehr die ihm äußerliche und zufällige kapitalistische Gesellschaftlichkeit, die es am Ende, wie der böse Wolf auffrisst.50 Das Dornis’sche Subjekt ist zuletzt auch kein männliches – denn die Bestimmung seiner Männlichkeit ist ihm bloß akzidentiell und im Kern schon längst überwunden. Es handelt sich also um einen vollendeten Schwindel, den Dornis auch hier betreibt.

    Genau wie Dornis es aber nicht schafft, die männlich konnotierte Subjektform in ihren materiellen, kulturellen und ideologischen Momenten zu beleuchten, misslingt ihm auch jede ernstzunehmende Analyse der widersprüchlichen Stellung von Frauen in der warenproduzierenden Moderne. Frauen besaßen schon in der klassischen Moderne eine widersprüchliche Präsenz in der fetischistischen Subjektform, insofern sie – entgegen aller männlich-aufklärerischen Ideologie und Ausgrenzungsversuche – schon aufgrund ihrer häuslichen Funktionen auf vermittelte Weise am gesellschaftlichen Leben teilhaben mussten, sie darüber hinaus nie vollständig von Lohnarbeit, geistiger und künstlerischer Bildung ausgeschlossen waren. Statt diese Konstellation aber zum Ausgangspunkt einer bestimmten Kritik der fetischistischen Moderne zu machen, will Dornis den Frauen mit identitätslogischer Gewalt jeden gesellschaftlichen Status nehmen: mit dem Entzug der Subjektform einher geht bei ihm das Absprechen der Eigenschaft, „im emphatischen Sinne wirklich Mensch“51 (!) zu sein. Dornis‘ dämliche Vokabel der „Frauenunterwerfung“ soll suggerieren, dass die Frauen tatsächlich das gewesen wären (und sind), was ihnen die aufklärerische Ideologie seit dreihundert Jahren zuschreibt: unterworfene Natur, die derartig noch nichteinmal zum Kinderhüten und Schrubben getaugt hätte. Dornis‘ Aufgehen- und Verschwindenlassen der realen Frauen in dieser Zuschreibung ist schlussendlich das genaue Gegenteil einer Kritik dieser Zuschreibung und der aus ihr entspringenden (und gesellschaftlich wirkmächtigen) Praxis; was Dornis hier vorlegt ist vielmehr sein persönlicher ideologischer Beitrag zur selbigen.

    Weibliche Emanzipation à la Martin Dornis: Hexenmord, Liebesduselei und Fresse halten

    An dieser Stelle darf es nicht erspart bleiben, auf einige besondere Scheußlichkeiten des antideutschen Ideologen Dornis einzugehen. Erstens nämlich soll der Heraustritt des männlichen Subjekts aus dem Naturzusammenhang der Vormoderne genau und allein durch die Hexenverfolgung geschehen sein: „Das freie und autonome Subjekt […] entsprang den Folterexzessen der Hexenverfolgung in der frühen Neuzeit […] die Scheiterhaufen der Hexenverfolgung waren das Zündfeuer für die Fackel der Aufklärung.“52 Diese heroisch-pathetische Fackel- und Feuerdramatik bleibt, nach dem bekannten Muster, nicht nur komplett unbegründet; Dornis strebt – und hier offenbart sich zum ersten Mal das explizit Mörderische seiner „Geschichtsphilosophie“ – damit gerade eine zynische Apologie der Hexenverfolgung an, denn „prinzipiell abzulehnen ist jegliche Glorifizierung des „magischen“ Naturumgangs oder eines feministisch daherkommenden Hexenkultes, weil ein derartiger Bezug nur gegen die mit dem Subjekt ebenfalls entstandenen Möglichkeiten von Freiheit und Glück gerichtet ist.“53 Wären wir heute im 14. Jahrhundert, Dornis würde die Verbrennung von Frauen fordern – im Namen von „Glück“ und „Freiheit“!

    Zum zweiten zeigt Dornis gerade selbst auf, wie Aufklärung und Sexismus zusammenhängen. Denn die tatsächlich einzige Stelle in seinen ätzenden Traktaten, an der Frauen plötzlich Individuen und Subjekte sein sollen, ist abgeschmackterweise – in der Liebe: „Sie gründet auf der Möglichkeit von Individualität des Einzelnen, macht es damit denkbar, diesen einen Menschen und keinen anderen zu lieben, hemmungslos und aller Realität zum Trotze dem Schein zu verfallen, es gäbe für die eine oder den einen nur ihn bzw. nur sie.“54 Dass Dornis hier nicht auffällt, dass seine legitimatorische Liebeskonstruktion überhaupt nicht funktionieren kann, wenn einer der beiden Partner – die Frau – kein Subjekt und kein Individuum sein soll, ist ein Hinweis auf den Status, den diese Konstruktion innerhalb Dornis‘ Geschichtsphilosophie besitzt. Denn diese Aporie, dass die ausgegrenzten Frauen der guten bürgerlichen Ordnung wegen an einem einzigen Punkt unvermittelt Subjektstatus zugesprochen bekommen müssen, verbindet Dornis mit einem anderen Exponenten der aufklärerischen Frauenausgrenzung – Immanuel Kant, der genau diesem Muster bereits in seiner Ehedefinition folgte.55

    Das aber erzwingt einen schärferen Blick auf das Motiv hinter der Dornis’schen (im Rahmen seines Geschichtskonstrukts auf den ersten Blick sinnlosen) Idealisierung der Liebe. Denn wenn Dornis die „Emanzipationskraft der bürgerlichen Gesellschaft“ im eigentümlichen Begriffspaar vom „Streben nach […] Überwindung […] der Todesangst“ und jener romantischen „Liebe“56 finden will, so unterliegt hier sein assoziatives Denken erneut dem mächtigen Strom der Aufklärungsideologie. Schließlich ist die mit diesem dichotomischen Begriffspaar verbundene Vorstellung von zwei Wegen zur „Versöhnung“ (in der klassischen Aufklärungsideologie: zur Tugend) vor allem eins – geschlechtlich konnotiert. Während die Todesüberwindung, der ruhelose Kampf zur erneuten „Allianz mit der Natur“57 nach dem mystisch-vorzeitlichen Heraustritt aus ihr, also der Kampf zur „Überwindung der Spaltung der Gattung“58 in der Aufklärungsideologie – und eben auch bei Dornis – schon immer den Männern vorbehalten sein soll, soll es noch einen zweiten Weg zu dieser „Versöhnung“ geben. Dieser zweite Weg bleibt von den großen geschichtlichen Bewegungen unberührt, er braucht das Haus und die eigene naturhafte Irrationalität nicht zu verlassen, er kann „hemmungslos […] dem Schein […] verfallen“ und sich mit selbigem zufrieden geben, ist nicht kämpferisch-dynamisch, sondern statisch und in sich ruhend, fristet nach Dornis „ein verkümmertes Schattendasein […], das noch seiner Befreiung harrt.“59 Ja, die Liebe! Und dreimal darf geraten werden, für welches Geschlecht dieser „zweite“ Weg natürlich vorbehalten bleiben soll.60

    Die stille Einfalt und Stasis, zu welcher die westliche Aufklärungsideologie die Frauen seit dreihundert Jahren verdammt, wird bei Dornis damit gerade nicht Gegenstand der Kritik, vielmehr muss seine plumpe Idealisierung der schlecht-romantischen Liebe in eine Apologie der praktischen Ausgrenzung von Frauen aus der bürgerlichen Gesellschaft münden. Denn dass öffentliche Funktionen, Arbeitsalltag und geistige Bildung den schönen „Schein“ (von dem die Liebe „aller [männlichen!] Realität zum Trotze“ ja abhängt!) schnell zerstören und damit „die letzten Reste der Möglichkeit von Befreiung“61 zunichte machen könnten, übersetzte sich seit Beginn des Kapitalismus in die ideologische Forderung nach der Ausgrenzung und dem Verhindern der geistigen Entwicklung von Frauen.62 Dornis bewegt sich hier voll und ganz auf der Falllinie der Aufklärungsideologie, d.h., der legitimatorischen, unkritischen und sinnstiftenden Verarbeitung der Widersprüche der kapitalistischen Gesellschaft. Eben wie die Aufklärungsmänner „die innere Spannung der bürgerlichen Gesellschaft nicht [aushalten]“63 können, wird das Weibliche zur Projektions- und Abstoßungsfläche jener Einheit und Harmonie, zu welcher der männliche Mensch nur durch kulturschaffende Arbeit gelangen können soll. Partizipierte Dornis‘ Behauptung der vollständigen und gelungenen Unterwerfung des Weiblichen unter’s Subjekt bereits an der Projektion von absoluter Naturhaftigkeit auf’s Weibliche, so folgt nun – ebenfalls ganz in aufklärerischer Tradition – mit der Idealisierung der (weiblichen) Emanzipationskraft der Liebe das ideologische Komplement.64 Weit davon entfernt, eine Kritik der modernen Frauenausgrenzung zu formulieren, affirmiert Dornis diese vielmehr als angebliche Voraussetzung der Emanzipation.

    Der widerliche Tiefpunkt des antideutschen Ideologen wartet jedoch noch. Zum dritten nämlich formuliert Dornis mit seiner Geschichtstheorie ein perfides Redeverbot für Frauen damals und heute. Frauen, die sich im Gegensatz zum männlichen Subjekt laut Dornis ja nicht als „in der Zeit durchhaltendes, einheitliches Wesen“ und als „Mensch im emphatischen Sinn“ „individuieren“ konnten, besitzen bei Dornis, dessen Denken keine Widersprüche auszuhalten vermag, nicht eine gebrochene und widersprüchliche Präsenz in der fetischistischen Subjektform, sondern noch nicht einmal menschliche Individualität; sie sind hier bestenfalls eine Art domestizierte Natur. Und als die Frauen dann doch den Subjektstatus erkämpfen konnten, war es bereits zu spät, denn „das Subjekt befand sich zum Zeitpunkt der bürgerlichen Emanzipation der Frauen bereits in seinem Verfall“65, und „Frauen wurden Subjekte in einer Zeit, in der das freie und gleiche Rechtsubjekt in klassischer Form überhaupt nicht mehr existierte.“66 Es bleibt also auch im heutigen „Spätkapitalismus“ bei der Nicht-Subjektivität von Frauen.

    Das aber hat Folgen. Denn einzig unter Voraussetzung der „Existenz von Geld, Subjekt und Staat […] treten Individuen als handlungs- und kritikfähige Subjekte auf“67, so Dornis. Genau daran aber mangelt es nicht nur Frauen, sondern ebenso allen anderen nicht-männlichen, nicht-weißen Menschen, vor denen nach Dornis nur gewarnt werden kann: „Subjektlose Menschen werden als Subjekte losgelassen – das ist die Reaktionsform des Nazifaschismus […] Hier zeigt sich praktisch, dass nach Auschwitz [!] die Sympathie mit irgendwelchen Marginalisierten [und das schließt bei Dornis auch Frauen ein] unmöglich geworden ist.“68

    Wie die daraus entspringende, auf Ausgrenzung und Erniedrigung von Frauen abzielende Praxis real aussieht, wie den „subjektlosen Menschen“ also über den Mund gefahren werden soll, davon hat Dornis selbst ein schändliches Beispiel geliefert mit seiner Beteiligung an der Bonjour Tristesse-Veranstaltung „Gegen den linken Konsens“ am 21. Januar 2011 in Leipzig. Anlass war die in jeder Hinsicht richtige, gegen die bürgerliche Redefreiheit verstoßende Weigerung, Justus Wertmüller in den Räumen des linken Zentrums Conne Island in Leipzig einen Ort für die Verbreitung seines bösartigen Geschwätzes zu geben. Dies und eine (leider viel zu zahnlose) Kritik an Wertmüller im Conne Island Newsflyer69 waren der antideutschen Camarilla Anlass für eine Strafexpedition gegen eine legitimatorisch herbeiphantastierte Verschwörung von „Platzkühen“,70 „antifaschistischen Frauen-Blockwärterinnen“71 und „Zensursulas des AFBL [Antifa-Frauenblock Leipzig].“72 Dornis entblödete sich nicht, zu dieser antifeministischen Hetzjagd vor über zweihundert (!) dümmlichen Antifa-Jugendlichen nebst Schaulustigen einen Vortrag mit dem unzweideutigen Titel „Der Stachel der Kritik“73 beizutragen, in dem er nicht nur den männlichen und „zudringlichen Charakter“ der Kritik gegen diejenigen, die ihr „den kritischen Stachel rauben“ (!) wollten, verteidigte. Über den geschlechtlichen Charakter der „Handlungs- und Kritikfähigkeit“ wurde er explizit, sei doch „Der Mann des Nazifaschismus [der ja genauso ein „verfallenes“ Subjekt wie die Frauen gewesen sein soll] […] kastriert [!] wie zuvor ‚das Weib‘“. Dagegen bestünde die Rettung der Individuen (also der Subjekte) gerade in der „Einheit ihrer Individualität, Geschlecht [!], Lust, Sexualität“ (die „Rasse“ muss er vergessen haben!), worin geradezu ihre „Substanz“ (!) liegen soll. Dornis haut es schlussendlich raus: sein Subjekt, weit entfernt, für seine fetischistisch-gesellschaftlich konstruierte Männlichkeit kritisiert zu werden, soll gerade in seiner plattesten Männlichkeit verteidigt und biologisiert werden. Dornis‘ Ideologie ist nicht der „Stachel der Kritik“, sondern die Kritik des Stachels, der ideologische Versuch, den eigenen Arsch und den eigenen Schwanz zu retten. Was Dornis und der Rest der männerbündischen Bahamas-Clique in Leipzig veranstalten wollten, und wofür ihr Jung- und Dummvolk sogar aus Dresden anreiste, spricht Dornis dann selbst aus: Ziel seiner bösartigen Verleumdungen sei es, „das Gegenüber zu treffen, in seinem Wesen zu erschüttern, in Marxscher Diktion ja sogar: zu vernichten [!].“ Der falsche Verweis auf Marx schützt hier nicht: es ging um eine öffentlich inszenierte Hexenverbrennung. Durch den intellektuellen Mord an Frauen suchte Dornis seinen nichtexistenten Wert als „Kritiker“ zu steigern. Und die Antideutschen aus Berlin, Dresden, Halle, Leipzig und anderswo vergaßen kurzzeitig ihre Fundamentalkritik gegen die Einfühlung ins barbarische Kollektiv und applaudierten stürmisch.

    Das Sein ist der Wert – Dornis goes Heidegger!

    Es bliebe zu Dornis noch mehr zu sagen, allen voran zu seinem peinlichen Versuch einer Heidegger-Kritik, auf den hier nur kurz eingegangen werden soll. Stinken schon Dornis‘ dummer Geschichtsmythos (eine Aneinanderreihung von vermittlungslosen Selbst-“Begründungen“ und unerklärbaren Sprüngen) und seine Darstellungsweise (ein vermittlungsloses metaphysisches Gestammel und Geraune) nach „deutschem“ Tiefgang und Vermittlungslosigkeit, so fällt Dornis in seiner Abwehr der Wertabspaltungskritik nichts dümmeres ein, als sich auf Heidegger zu berufen! Denn nachdem Dornis den Wert von allem Inhalt, aller Vermittlung und allem Seienden entkleidet hat „Was ist immer sich selbst gleich? Was [] reduziert die Dinge auf Nichts [!]?“74 stellt der antideutsche „Kritiker“ fest, dass Heidegger doch gar nicht so unrecht hatte: „Heideggers Sein ist der Wert.“75 Ja, so hätte es der antideutsche Mystiker gern: „Der Wert der Ware ist gerade keine Substanz an ihr.“76 Was Dornis, um seine dämliche Sprache zu verwenden, „scheut [] wie der Teufel das Weihwasser“77, ist die materielle Substanz des Wertes, die vergegenständlichte abstrakte Arbeit, die darauf verweist, dass der Wert nicht nur „Sein“ ist, sondern realgesellschaftliche Wirkmächtigkeit, Seiendes, d.h., dass das „Vermittlungsprinzip“, welches Dornis verteidigen will, real und real destruktiv, seine Verteidigung somit das Gegenteil von Kritik ist.

    Durch die Einbannung des Werts in die Ebene des abstrakten, vermittlungslosen Seins versucht Dornis, jede Notwendigkeit einer Kritik der Wertform, einer theoretischen Vermittlung zwischen ihr als Wesen und der gesellschaftlichen Erscheinung zu vernebeln. Was bei Dornis an „Kritik“ gegenüber den gesellschaftlichen Phänomenen übrig bleibt, ist ein positivistisches und moralisch reduziertes (und damit unwahres) Beheulen von Frauendiskriminierung und MigrantInnenschicksal das notwendige Komplement zu Dornis‘ ideologischer Trennung von Sein und Seiendem. Was Dornis daher über Heideggers Seins-Abstraktion sagt, trifft tatsächlich voll und ganz auf seinen eigenen, zirkulativ verkürzten Wertbegriff zu: „Will man sich darunter [und das gilt für Dornis‘ gesamtes Gequake!] aber irgendwas vorstellen, ist man wieder mit dem Problem der Erkenntnis konkrontiert, begibt sich auf die Ebene der Vermittlung, die aber gerade das Bedrohliche darstellt.“78 Bedrohlich ist für Dornis nur der Gedanke, der Wert könnte doch irgendetwas mit der realen Gesellschaftlichkeit zu tun haben, und seine todesbleiche Gestalt könnte beim angerichteten antideutschen Besäufnis zu „Freiheit“ und „Pursuit of Happiness“ plötzlich am Tisch auftauchen und die Gäste verschrecken. Statt eine Heidegger-Kritik zu liefern, läuft Dornis so geradewegs in eine Heidegger-Apologetik hinein.79

    Schlussendlich bleibt diesem Denken als Mittel der Auseinandersetzung nur die gehässige Verleumdung, der Rufmord. Denn genauso unfähig wie Dornis zu einer Kritik an Heidegger ist, ebenso misslingt es ihm, auch nur einen begründeten und inhaltlich korrekten Kritikpunkt gegen den Dekonstruktivismus der angeblichen Heidegger-Anhängerin Judith Butler vorzubringen was leider schon damit beginnt, dass Dornis offenbar nicht in der Lage ist, ihre Theorie zu verstehen und intelligibel wiederzugeben: In einem fast zweistündigen assoziativen Selbstgespräch ist Dornis nicht in der Lage, mehr zu liefern als die vollkommen unbegründete und unvermittelte Behauptung, Judith Butler stelle „ein dichotomes Verhältnis von Natur und Gesellschaft auf“80 (das sagt der richtige!). Wenn Dornis seinen begrifflichen Blackout und seinen Mangel an geistiger Syntheseleistung dann durch die haltlose Verleumdung überdecken will, dass der deutsche Nationalsozialismus „sich heute mit Autoren wie Butler vollendet“81 (!), so zeigt sich auch hier, dass es dem antideutschen Konkurrenz-Stachel nie um Kritik und Inhalte ging, sondern um den Verkauf seiner bescheuerten und wertlosen Ideologieware – und dafür ist ihm offenbar jedes Mittel recht. (Erneut übrigens, wie nicht anders zu erwarten, lautstarker Applaus vom Publikum.)

    Fazit: Kritischer Gestus als Gegenteil von Kritik

    Wir wollen noch einmal zum Ausgangspunkt unseres Textes zurückkehren, in dem wir bekräftigt hatten, dass die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit den wunderlichen Ideen des Herrn Dornis nicht mit irgendeinem positiven Inhalt zusammenhängt, der diesen beizumessen sei und zu debattieren wäre. Stattdessen betonten wir, dass das eigentliche Ärgernis an den Gedankenblitzen unseres Ideologiekritikers die Schar von jungen Adepten ist, welche diese – Ausdruck einer ideologischen Tendenz, die ihre Glanzzeiten verdientermaßen längst hinter sich hat – nach wie vor anziehen. Allein Dornis‘ Methode der Darstellung geht Hand in Hand mit den Bedürfnissen dieses Publikums.

    In seiner Ableitung der Geschichte der bürgerlichen Gesellschaft sowie der Realität des Gegenwartskapitalismus aus der philosophischen Kategorie des Subjekts (früher hieß die noch „der Einzige“, nebst seinem „Eigentum“82) verwirft er die materialistische Lehre, dass „das in letzter Instanz bestimmende Moment in der Geschichte“ die „Produktion und Reproduktion des unmittelbaren Lebens“83 sei: Dornis fällt mit seiner „materialistischen Ideologiekritik“ auf eine Schwundstufe des deutschen Idealismus zurück. In seinen wüsten Assoziationsketten taucht die Empirie, das heißt die konkrete Realität des Weltkapitalismus der Spätmoderne, welche es gilt sich durch das Denken als konkrete anzueignen, sie also „als ein geistig Konkretes zu reproduzieren“84, nur als verschämtes Beiwerk auf, als Lückenbüßer bei der postulierten „Selbstsetzung“ des bürgerlichen Subjekts, eines Produkts der Gedanken also, das auf der Überholspur zur Wirklichkeit dränge.

    Muss daher bei der theoretischen Methode des wissenschaftlichen Kommunismus „das Subjekt, die Gesellschaft, als Voraussetzung stets der Vorstellung vorschweben“85, so ist Dornis in seinem voraussetzungs- und begriffslosen Wüten nur sich selbst verpflichtet. Nicht umsonst kommt in seinen Werken auch kein einziges Argument an die steile These heran, die er im Moment belegen will: Dornis vermag nicht zu überzeugen, er ist stets auf den erklärten Willen seiner Rezipienten angewiesen, auch die dümmste seiner Behauptungen – Judith Butler im Bündnis mit Nationalsozialisten usw. usf! – als irgendetwas originelles, das Wesen der Sache polemisch treffendes für wahr zu nehmen.

    Was sich in diesem Akt befriedigt sieht, ist das klassisch linksradikale Bedürfnis des Bescheidwissertums. Dieses stößt sich nie daran, dass die vorgelegten Thesen zusammenhangslos und absurd sind, dies gilt stattdessen als ein Ausdruck von „Tiefgründigkeit“. Aufgabe von Kritik ist hier nicht Einsicht in die Funktion des verkehrten Bestehenden zum Zwecke seiner Abschaffung, stattdessen verkommt sie zur kritischen Haltung, zu einem Gestus – der Selbstvergewisserung, dass sich die jungen Adepten der „Bauchlinken“ überlegen fühlen dürfen, wenn es der Kleidungsstil, die richtige Musikrichtung oder der sonstige Lebensstil nicht mehr tut. Das geht stets einher mit der Empfänglichkeit einer vom „Abrutsch“ in die Proletarisierung bedrohten jungen akademischen Mittelschicht für sozialrassistische und kulturalistische Ideologien, die Dornis mit seiner These vom Ansturm der marginalisierten, d.h. migrantischen, Nichtsubjekte im Bund mit Hamas und Nationalsozialisten auf das von allen Seiten bedrohte bürgerliche Subjekt reichlich bedient.

    Bei den Adepten, die ehrfürchtig in der Saalveranstaltung sitzen oder die neuesten textlichen Offenbarungen studieren, bleibt da zwar meist recht wenig hängen, und, einmal in eigenen Worten wiedergegeben, verlieren die „ideologiekritischen“ Assoziationsketten zur Gänze ihre Überzeugungskraft – alles was davon übrig bleibt, ist das Geraune der Bescheidwisser. Für die Plenums- oder Stammtischdiskussion wird’s reichen.

    Man müsste zu dem ganzen Mist eigentlich kein Wort verlieren und seine Fans ihrem selbstgewählten Schicksal überlassen, immerhin gibt es momentan weitaus wichtigere Themenfelder für KommunistInnen, und bei nüchterner Herangehensweise an das Werk von Ideologen wie Martin Dornis sollte die gänzliche Inhalts- und Haltlosigkeit seiner Elegien auf die bürgerliche Gesellschaft schnell offenbar werden. Allerdings besteht aufgrund des allgemeinen begrifflichen Defizits der radikalen Linken die Gefahr, dass manche noch durch das ehrliche Bedürfnis auf inhaltliche Klärung in die Sackgasse dieser sich für fundamentale Kritik ausgebenden Ideologie irrgeleitet werden.

    Nur um dessentwillen hoffen wir, dass der vorliegende Text seinen Teil zum Ziehen einer Demarkationslinie gegen den Blödsinn tun möge.

    Gruppe Black Monday, Mai 2012

    ***

    Zitierte Literatur

    Susanne: Es gibt tausend gute Gründe, in: CEE IEH 182, Leipzig 2010, veröffentlicht auf: „http://www.conne-island.de/nf/182/25.html

    Bonjour Tristesse: „Conne Island“ goes „Zoro“?, veröffentlicht auf http://bonjourtristesse.wordpress.com/2010/12/25/%E2%80%9Econne-island%E2%80%9C-goes-%E2%80%9Ezoro%E2%80%9C/, 2010

    Silvia Bovenschen: Die imaginierte Weiblichkeit, Frankfurt/Main 2003

    Martin Dornis: Die negative Dialektik des männlichen Subjekts, in: Outside the Box Heft 1, Leipzig 2009, S. 20ff

    Martin Dornis: „Sex ist nur ein Konstrukt“. Vortrag zur Kritik des Poststrukturalismus und der Queer Theory, gehalten am 28.07.2011 in Berlin, mp3 von http://audioarchiv.k23.in/Referate/Martin_Dornis/Martin_Dornis-Sex_ist_nur_ein_Konstrukt.Zur_Kritik_an_Poststrukturalismus_und_Queer_Theory.mp3,

    Martin Dornis: Diskussion zum Vortrag „Sex ist ein Konstrukt“… am 28.07.2011 in Berlin, mp3 von http://audioarchiv.k23.in/Referate/Martin_Dornis/Martin_Dornis-Sex_ist_nur_ein_Konstrukt-Diskussion.mp3

    Martin Dornis: Der Stachel der Kritik, Vortrag am 21.01.2011 in Leipzig, veröffentlicht auf http://redaktion-bahamas.org/aktuell/110121leipzig-dokumentation.html

    Martin Dornis: Der Meister aus Deutschland, in: Alex Gruber, Philipp Lenhard (Hg.): Gegenaufklärung, Freiburg 2012, S. 127

    Friedrich Engels: Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates, in: MEW 21, Berlin 1962

    Robert Kurz: Die antideutsche Ideologie, Münster 2003

    Karl Marx: Zur Judenfrage, in: MEW 1, Berlin 1970

    Karl Marx, Friedrich Engels: Die Deutsche Ideologie, in: MEW 3, Berlin 1978

    Karl Marx: Das Kapital Bd. I, in: MEW 23, Berlin 1971

    Karl Marx: Grundrisse der Kritik der Politischen Ökonomie, Berlin 1974, S. 160

    Roswitha Scholz: Das Geschlecht des Kapitalismus, Bad Honnef 2000

    Carsten Weber: Festung MWW, veröffentlicht auf http://www.exit-online.org/link.php?tabelle=autoren&posnr=452, 2010

    Justus Wertmüller: Von Blockwärterinnen und Platzkühen, Vortrag am 27.10.2010 in Halle, veröffentlicht auf http://redaktion-bahamas.org/aktuell/erklaerung-in-halle.html, 2010

    1Herausgearbeitet und kritisiert wurde diese falsche Einteilung von Carsten Weber: Festung MWW, veröffentlicht auf http://www.exit-online.org/link.php?tabelle=autoren&posnr=452, 2010. Allgemein ist sie für die antideutsche Ideologie typisch, siehe Robert Kurz: Die antideutsche Ideologie, Münster 2003, S. 45ff.

    2Martin Dornis: Die negative Dialektik des männlichen Subjekts, in: Outside the Box 1, Leipzig 2009, S. 21

    3Ebd., S. 20

    4Ebd.

    5Ebd.

    6Ebd.

    7Ebd., S. 22

    8Ebd.

    9Martin Dornis: Der Meister aus Deutschland, in: Alex Gruber, Philipp Lenhard (Hg.): Gegenaufklärung, Freiburg 2012, S. 127

    10Martin Dornis: Die negative Dialektik…, S. 24

    11Martin Dornis: Der Stachel der Kritik, Vortrag am 21.01.2011 in Leipzig, veröffentlicht auf http://redaktion-bahamas.org/aktuell/110121leipzig-dokumentation.html

    12Carsten Weber dazu: „Die kapitalistische Dynamik einschließlich ihrer Basisideologien bildet ein historisches Kontinuum, das sich nicht kinderfibelartig in einen „guten“ und zwei „schlechte“ Teile auftrennen lässt.“ (Carsten Weber: Festung MWW).

    13Martin Dornis: Die negative Dialektik…, S. 24

    14Dazu Carsten Weber: „Dornis tut allen Ernstes so, als seien die Menschen, die vor der blutigen Heraufkunft der kapitalistischen Subjektform gelebt haben, ganz naturverhaftete, triebfixierte Herdentiere bar jeder Individualität gewesen., ganz so, wie es die affirmativen Ideologen der kapitalistischen Gesellschaftsformation in den extremsten Ausprägungen ihrer Fortschrittsmetaphysik behauptet haben.“ (Carsten Weber: Festung MWW).

    15Martin Dornis: Die negative Dialektik…, S. 21

    16Ebd., S. 24

    17Ebd., S. 20

    18Ebd., S. 21

    19Martin Dornis: Der Stachel der Kritik

    20Ebd.

    21Ebd.

    22Vgl. z.B. Robert Kurz: Die antideutsche Ideologie, S. 67ff

    23Martin Dornis: Die negative Dialektik…, S. 23

    24Karl Marx: Zur Judenfrage, in: MEW 1, Berlin 1970, S. 364f

    25Karl Marx: Das Kapital Bd. I, in: MEW 23, Berlin 1971, S. 189

    26Karl Marx und Friedrich Engels: Manifest der kommunistischen Partei, in: MEW 4, Berlin 1969, S. 482

    27Martin Dornis: Die negative Dialektik…, S. 22

    28Karl Marx: Grundrisse der Kritik der Politischen Ökonomie, Berlin 1974, S. 160

    29Initiative Sozialistisches Forum: Einladungstext zum jour fixe im Sommer 2002, veröffentlicht auf: http://isf-freiburg.org/isf/beitraege/isf-kommunismus.israel.html, 2002

    30Martin Dornis: Der Stachel der Kritik

    31Martin Dornis: Die negative Dialektik…, S. 22

    32Martin Dornis: Der Stachel der Kritik

    33Ein Beispiel dafür könnte man sich an folgendem Thesenpapier der Gruppe Kritik im Handgemenge nehmen: http://www.junge-linke.org/alle-wollen-frieden-und-darum-gibt-es-krieg

    34Martin Dornis: Die negative Dialektik…, S. 24

    35Ebd., S. 20

    36Ebd., Hervorhebung Dornis

    37Ebd., S. 24

    38Ebd., S. 21

    39Ebd., S. 22

    40Dazu ausführlich: Roswitha Scholz: Das Geschlecht des Kapitalismus, Bad Honnef 2000

    41Martin Dornis: Der Stachel der Kritik

    42Martin Dornis: Die negative Dialektik…, S. 24

    43Ebd., S. 23

    44Ebd.

    45Ebd.

    46Ebd., Herv. Dornis

    47Martin Dornis: Der Stachel der Kritik

    48Martin Dornis: Die negative Dialektik…, S. 24f

    49Carsten Weber dazu: „Wie es scheint, stört Dornis sich daran, dass die Abspaltungskritik die Wertabspaltungsvergesellschaftung als kapitalistisches Geschlechterverhältnis begreift, dem sein moralisierendes Geraune von Frauenunterdrückung und -unterwerfung nicht angemessen ist. Die Abschaffung eines gesellschaftlichen Verhältnisses kann eben nicht als heroische Befreiung gefangener Prinzessinnen imaginiert werden.“ (Carsten Weber: Festung MWW).

    50Und wenn Dornis an anderer Stelle unvermittelt behauptet: „Von der ersten Lebensminute wurde das Subjekt, da fortgesetzt in Unterwerfung und Herrschaft verstrickt, bereits real dekonstruiert“ (Martin Dornis: Der Meister aus Deutschland, S. 149), so widerspricht er zwar seinem eigenen Geschichtskonstrukt (denn seine „liberale“ Phase verschwindet damit), nicht aber seiner Externalisierung des Verfallsprozesses des Subjekts, für welches die ihm äußerliche Herrschaft verantwortlich sei, in welche es bloß „verstrickt“ wäre.

    51Martin Dornis: Die negative Dialektik…, S. 21

    52Ebd.

    53Ebd.

    54Ebd., S. 20, Hervorhebung Dornis

    55Vgl. dazu Silvia Bovenschen: „Diese Form des Ehevertrags, die Gleichberechtigung signalisiert, sollte dann für die späteren Rechtsphilosophien des 18. Jahrhunderts zu einem erheblichen Problem werden – schließlich ging es hier einerseits um die Institutionalisierung und Juridifizierung des Eheverhältnisses im Rahmen allgemeiner bürgerlicher Normensysteme, andererseits darum, den inferioren Status der Frauen […] neu zu legitimieren. Das mit der Widersprüchlichkeit dieser Intention gesetzte Dilemma drückt sich beispielsweise in der Kantschen Eherechtskonstruktion aus, der zufolge die Frau als ‚gleichberechtigte‘ Sexualpartnerin zwar den Pakt zum „wechselseitigen Gebrauch der Geschlechtsorgane“ eingehen kann, die aber in flagrantem Kontrast zu denjenigen Aussagen Kants steht, in denen den Angehörigen des weiblichen Geschlechts die Qualifikation zum Rechtssubjekt aberkannt wird.“ (Silvia Bovenschen: Die imaginierte Weiblichkeit, Frankfurt/Main 2003, S. 145).

    56Martin Dornis: Die negative Dialektik…, S. 21

    57isf: Aktualität des Kommunismus, zitiert nach Martin Dornis: Die negative Dialektik…, S. 23

    58Martin Dornis: Die negative Dialektik…, S. 23

    59Ebd., S. 21

    60Die Antwort gibt z.B. Friedrich Schiller: „Aus der Unschuld Schoß gerissen / Klimmt zum Ideal der Mann / Durch ein ewig streitend Wissen, / Wo sein Herz nicht ruhen kann […] Aber in kindlich unschuldiger Hüllle / Birgt sich der hohe geläuterte Wille / In des Weibes verklärter Gestalt. / Aus der bezaubernden Einfalt der Züge / Leuchtet der Menschheit Vollendung und Wiege“ usw., zitiert nach Silvia Bovenschen: Die imaginierte Weiblichkeit, S. 240f

    61Martin Dornis: Die negative Dialektik…, S. 21

    62Vgl. Silvia Bovenschen: „Diese Botschaft läuft in einer industrialisiert arbeitsteiligen Gesellschaft notwendig auf die Forderung nach dem Verzicht der Frauen auf alle ökonomischen und politischen Ansprüche, auf die Brachlegung ihrer kreativen Fähigkeiten, auf ein fremdgesteuertes passives Dasein hinaus. Nur so kann sich der Mann beim Anblick der Frau in dem Bild spiegeln, das er vom Weiblichen hat. Der Zynismus dieses Denkens zieht aus den Merkmalen der Unterwerfung durch den Mann eine Utopie für den Mann.“ (Silvia Bovenschen: Die imaginierte Weiblichkeit, S. 34, Herv. Bovenschen).

    63Martin Dornis: Der Stachel der Kritik

    64Silvia Bovenschen dazu: „Die Sehnsucht nach der Versöhnung mit der Natur, nach einem nichtentfremdeten Dasein wird, ideologisch verzerrt, auf das Weibliche projiziert. Diese Verschiebung – eine häufig anzutreffende Figur – betrifft mithin nur das gedachte Weibliche; die Verwandtschaft der realen Frauen mit der Natur beschränkt sich darauf, dass sie wie diese Objekt der männlichen Zugriffe und Beherrschung sein sollen. Die weibliche ‚Natur‘ wird so einerseits zur Trägerin der ideellen männlichen Harmonie- und Einheitssehnsüchte stilisiert, andererseits schließt ihre Definition das Gebot der Unterwerfung und des Stillhaltens ein. (Silvia Bovenschen: Die imaginierte Weiblichkeit, S. 32).

    65Martin Dornis: Die negative Dialektik…, S. 24

    66Martin Dornis: Die negative Dialektik…, S. 23

    67Martin Dornis: „Sex ist nur ein Konstrukt.“ Vortrag zur Kritik des Poststrukturalismus und der Queer Theory, gehalten am 28.07.2011 in Berlin, mp3 von http://audioarchiv.k23.in/Referate/Martin_Dornis/Martin_Dornis-Sex_ist_nur_ein_Konstrukt.Zur_Kritik_an_Poststrukturalismus_und_Queer_Theory.mp3, 1:23:10 (h:m:s)

    68Martin Dornis: Der Stachel der Kritik

    69Susanne: Es gibt tausend gute Gründe, in: CEE IEH 182, Leipzig 2010, veröffentlicht auf: http://www.conne-island.de/nf/182/25.html

    70Justus Wertmüller: Von Blockwärterinnen und Platzkühen, Vortrag am 27.10.2010 in Halle, veröffentlicht auf http://redaktion-bahamas.org/aktuell/erklaerung-in-halle.html

    71Bonjour Tristesse: „Conne Island“ goes „Zoro“?, veröffentlicht auf http://bonjourtristesse.wordpress.com/2010/12/25/%E2%80%9Econne-island%E2%80%9C-goes-%E2%80%9Ezoro%E2%80%9C/, 2010

    72Ebd. – Der Antifeminismus offenbart sich schon in diesen unkreativen Wortschöpfungen.

    73Dies und die folgenden Zitate aus Martin Dornis: Der Stachel der Kritik

    74Martin Dornis: Der Meister aus Deutschland, S. 147

    75Ebd.

    76Ebd., S. 146 Marx dagegen: „Diese Dinge [die Warenwerte] stellen nur noch dar, daß in ihrer Produktion menschliche Arbeitskraft verausgabt, menschliche Arbeit aufgehäuft ist. Als Kristalle dieser ihnen gemeinschaftlichen Substanz [!] sind sie Werte – Warenwerte.“ (Karl Marx: Das Kapital Bd. 1, S. 52) – Die Substanzlosigkeit von Dornis‘ Wertbegriff hier korrespondiert mit der bereits aufgezeigten Substanzlosigkeit seines Gesellschafts-, Vermittlungs- und Subjektbegriffs.

    77Martin Dornis: Der Meister aus Deutschland, S. 147

    78Ebd., S. 149

    79Um die bedrohliche Notwendigkeit einer Kritik des Werts in dessen negativen Vermittlung mit der realen Gesellschaft loszuwerden, ist Dornis schlussendlich sogar bereit ein Postmoderner zu werden. Denn: „Das Sein als das Ganze ist zwar der Wert, aber die kapitalistische Gesellschaft in ihrer Gänze ist gebrochen. Sie erscheint nur ideologisch und mit Gewalt als Einheit.“ (Ebd., S. 152) Das bleibt natürlich genauso begründungs- und vermittlungslos wie der ganze Rest. Es hat jedoch etwas Apartes, wie Dornis den Zusammenhang von Heidegger’scher Seinslehre und Postmodernismus nicht durch kritische Darstellung, sondern durch das vermittlungslose Umkippen seiner eigenen Ideologie vom einen ins andere beweist.

    80Martin Dornis: „Sex ist nur ein Konstrukt“…, 1:12:45 – Glücklicherweise ist der selbsternannte Materialist hier schlauer: „Man kann weder sagen, Geschlecht ist Gesellschaft, noch kann man sagen, Geschlecht ist Natur; es ist beides in Verquickung miteinander. Genauer und spezifischer kann ich es nicht sagen [!].“ (Martin Dornis: Diskussion zum Vortrag „Sex ist ein Konstrukt“… am 28.0.2011 in Berlin, mp3 von http://audioarchiv.k23.in/Referate/Martin_Dornis/Martin_Dornis-Sex_ist_nur_ein_Konstrukt-Diskussion.mp3, 19:00).

    81Martin Dornis: „Sex ist ein Konstrukt“…, 1:28:00. Anderswo bezeichnet Dornis die Hamas als der militante Arm der […] postcolonial-, queer- und genderstudies.“ (Martin Dornis: Der Stachel der Kritik.

    82Karl Marx, Friedrich Engels: Die Deutsche Ideologie, in: MEW 3, Berlin 1978, S. 102

    83Friedrich Engels: Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates, in: MEW 21, Berlin 1962

    84Karl Marx: Grundrisse…, S. 22

    85Ebd.

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